Universitäten

Klima für Forscher wird kühler

Von MATHIAS PUDDIG

US-Präsident Donald Trump krempelt die Wissenschaftspolitik um. Es geht um viel Geld und um einen kulturellen Wandel. Die Folgen betreffen auch Deutschland.

Klima für Forscher wird kühler

US-Studenten tragen bei ihrer Abschlussfeier im Lane-Stadion in Blacksburg, Virginia, Talare und die typischen Kopfbedeckungen. Foto: dpa

Berlin. Die für Oktober geplante Reise nach Florida fällt schon einmal aus. Eigentlich wollte der Klimaforscher Hermann Lotze-Campen vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Herbst vor Kollegen in den USA über die Forschung in Europa sprechen. „Ich fand die Idee gut“, sagt er. „Aber die Einladung bestand schon vor der Trump-Wahl. Jetzt habe ich gesagt, unter diesen Umständen will ich nicht kommen.“

So wie Lotze-Campen geht es derzeit vielen: Trump und die Wissenschaft liegen über Kreuz – zulasten des Wissenschaftsstandorts USA. Die Folgen lassen sich bereits jetzt an ersten Zahlen ablesen: Aus einer im Juli veröffentlichten Studie geht hervor, dass die USA für Bachelor-Studenten zwar weiterhin interessant sind. Bei Master-Studenten melden aber 46 Prozent der befragten Institutionen einen Rückgang der Bewerbungen. Es wird befürchtet, dass sich dieser Trend bei den Einschreibungen im Herbst fortsetzt. Und es wird befürchtet, dass er sich verstärkt, je besser die Akademiker ausgebildet sind.

Gleichgültig bis feindeselig

Dafür gibt es viele Gründe, etwa die Gleichgültigkeit bis Feindseligkeit der US-Regierung gegenüber der Wissenschaft. Ein Beispiel dafür ist der „Muslim Ban“: Dass das Dekret, das Bürgern aus sieben muslimischen Staaten die Einreise verbot, auch die Wissenschaftsgemeinschaft traf, nahm US-Präsident Donald Trump trotz zahlreicher Proteste einfach in Kauf.

Ob gewollt oder nicht, solche Maßnahmen zeigen Wirkung. So hat etwa die Association for Computers and the Humanities (ACH), eine der großen Gesellschaften für digitale Geisteswissenschaften, ihre Sorgen um Teilnehmer von Konferenzen ausgedrückt und die Veranstalter solcher Treffen konkret aufgefordert, zu prüfen, ob sie die Sicherheit aller ihrer Besucher angesichts der Trump-Maßnahmen wirklich gewährleisten können. Ohne den Namen des US-Präsidenten zu nennen, bezweifelte die ACH bereits im Februar öffentlich, dass es auch demnächst noch möglich ist, in den USA Konferenzen auszurichten, die „einladend, sicher und zugänglich“ für alle sind, die daran teilnehmen wollen.

Umwelthemen im Fokus

Auch die Tatsache, dass das Amt des Wissenschaftsberaters noch immer unbesetzt ist, wird kritisch gesehen. Unter der Obama-Regierung hatte der Physiker John Holdren das Amt inne. Noch im Herbst 2015 hatte er auch Potsdam besucht, um dort über Klimathemen zu sprechen. Holdrens Aufgabe war es, zwischen Politik und Forschung zu vermitteln. Wie tief der Bruch zwischen Politik und Forschung ist, hat sich erst vor Kurzem erneut gezeigt, als US-Klimawissenschaftler einen Klimabericht veröffentlichten, bevor die Regierung ihn freigab. Sie fürchteten, dass der Report, der die Erderwärmung mit neuen, drastischen Zahlen belegt, ansonsten frisiert wird.

Darüberhinaus zeigt sich der Konflikt auch beim Geld: Zwar sind einschneidende Kürzungen, die Trumps Haushaltsentwurf für das laufende Jahr vorgesehen hatte, nicht durch den Kongress gegangen. Der nächste Entwurf liegt jedoch bereits vor – und er sieht ebenfalls massive Streichungen vor. Einzelne Programme, beispielsweise zur Klimaforschung, müssten demnach mit bis zu 43 Prozent weniger Geld auskommen.

Solche Kürzungen könnten sich mittelbar auch auf Forscher in Deutschland auswirken, erklärt Hermann Lotze-Campen. Es gebe gemeinsame Projekte, für die die deutschen Partner Mittel aus deutschen oder europäischen Töpfen bekommen und die Amerikaner eben aus ihren eigenen. „Wenn das eingeschränkt wird, können wir manche Aktivitäten nicht mehr gemeinsam machen“, warnt er.

Das Geld hält er allerdings gar nicht für das größte Problem. Viel schlimmer sei, dass unter der neuen Regierung gerade die Klimaforschung behindert werde. Dass ausgerechnet die US-amerikanische Umweltschutzbehörde EPA mit Scott Pruitt einen prominenten Leugner des Klimawandels an die Spitze bekommen hat, hält er für ebenso bedenklich wie die Tatsache, dass quasi über Nacht ganze Webseiten verschwunden sind, die die Erkenntnisse der Klimaforscher zusammenfassen. „Was in den USA passiert, ist krass.“

Doch sich deswegen von den USA abzuwenden, hält Lotze-Campen für den falschen Weg. Seine Absage des Vortrags in Florida sei „natürlich zweischneidig“ gewesen, weiß er: „Einige Kollegen haben gesagt, dass sie das verstehen. Aber sie wollen auch, dass wir bedenken, dass sie auf unsere Unterstützung angewiesen sind.“


Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

(c) Alle Artikel und sonstigen Inhalte der Website sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.


26.08.2017 - 06:00 Uhr