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Zur Chocolart in Tübingen

Kinder in Plantagen

Die Chocolart in Tübingen hat nach Ansicht dieses Autors keinen „Fair-Appeal“.

07.12.2012

„Schokomarkt mir Fair-Appeal“ - so falsch die Überschrift, so heuchlerisch der Inhalt: Vom „hohen Anteil von Ständen mit Fairtrade-Zeichen“ ist die Rede; auf Nachfrage bei der „Tübingen erleben GmbH“ erfährt man: Es sind lediglich zwölf! Und was wird beim Festival überhaupt gefeiert? Die Website gibt, in fragwürdigem Satzbau, darüber Auskunft: „Bereits zum 7. Mal reisen – 100 internationale Top-Chocolatiers aus Afrika, Süd- und Nordamerika, Europa an, um der Kakaobohne vor der malerischen Kulisse der Tübinger Altstadt die Ehre zu erweisen.“

Bei den Azteken stand die Kakaofrucht auch für das herausgerissene Herz bei der Opferhandlung, die Maya kannten ebenfalls die Assoziation zwischen Schokolade und Blut – eine gedankliche Verbindung, die auch für die Geschichte des Kakaos nach der blutigen Conquista noch zutreffend ist: In dem Buch „Die wahre Geschichte der Schokolade“ heißt es: „Die Philosophen der Aufklärung mögen an die Freiheit des Menschen geglaubt haben, doch die schaumige westindische Schokolade, die sie tranken, war das Ergebnis härtester Sklavenarbeit. Aber wer sind wir, dass wir über solche Scheinheiligkeiten richten dürften?“

Denn in Westafrika werden noch heute 250 000 Kindersklaven auf den Kakaoplantagen ausgebeutet – und fast die gesamte Ernte kaufen die großen Schokoladenhersteller, zum Beispiel Nestlé oder Kraft, die Macher von „Milka“. Bei Milchschokolade muss man das Leid der qualgezüchteten Kühe und das Schicksal ihrer Kälber addieren: Die Milchwirtschaft ist so eng mit der Fleischindustrie verbunden, dass auch in dieser Hinsicht das zart schmelzende Schokoladenprodukt einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

Matthias Rude für Antispeziesistische Aktion Tübingen

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07.12.2012, 12:00 Uhr
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