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Tag der offenen Tür auf dem Max-Planck-Campus

Kinder experimentierten im DNA-Labor mit Bananen

Mehr als 500 Besucher sahen sich am Samstagnachmittag in den Tübinger Max-Planck-Instituten um. Kinder isolierten DNA aus Bananen und probierten sich als virtuelle Piloten oder Rennfahrer aus.

17.10.2011
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen. Das DNA-Experiment für Kinder war beim Tag der offenen Tür in den Max-Planck-Instituten besonders beliebt. Ein Stück Banane sowie Wasch- und Spülmittel waren die wichtigsten Zutaten. Mit ähnlich einfachen Mitteln arbeitete der Schweizer Mediziner und Professor für Physiologie Friedrich Miescher, der 1869 in Tübingen als erster DNA isolierte. Das Kürzel steht für Desoxyribonukleinsäure. „Damals war noch nicht bekannt, dass DNA Träger von Erbinformationen ist“, sagte die Zellbiologin Silke Hauf.

Miescher machte seine bahnbrechenden Versuche in der Tübinger Schlossküche, damals Labor seines Lehrers Felix Hoppe-Seyler. Dieser war Professor für angewandte Chemie. Er gilt als Begründer der Biochemie und entdeckte den Blutfarbstoff Hämoglobin.

Miescher ließ Eiter von Verbänden mit Enzymen aus Schweinemägen reagieren. „Dafür nehmen wir Waschmittel“, erläuterte Hauf den etwa zwölf Kindern und Erwachsenen aus der Laborgruppe um 16 Uhr. Als appetitlicheres Gegenstück zu Mieschers Eiterspuren dienten Bananenstücke.

Vorsichtig zermanschte der 14-jährige Victor Rein ein Stück Banane in einer schwachen Kochsalzlösung mit Spülmittel. „Spülmittel macht die äußere Zellwand kaputt“, sagte Hauf. Nach fünf Minuten Ruhezeit mit Umrühren drückte Victor den Bananenextrakt mit einer Kuchengabel vorsichtig durch einen mit Wasser befeuchteten Kaffeefilter in ein Plastikröhrchen. Es braucht Geduld, bis mindestens 20 Milliliter zusammenkommen.

Dann gab der Nachwuchsforscher drei Tropfen flüssiges Vollwaschmittel dazu und schüttelte alles gründlich durch. „Waschmittel zerstört Proteine. Idealerweise bleibt nur DNA übrig“, sagte die Biochemie-Doktorandin Irina Kulemzina, die Victor zur Seite stand. Nach zwei Minuten Ruhezeit schichtete der 14-Jährige vorsichtig 20 Milliliter eiskaltes Ethanol über den Bananenextrakt. An der Grenze zwischen beiden Flüssigkeiten zeigte sich eine Trübung – die nahezu durchsichtigen Schlieren der Bananen-DNA. Mit einem Plastikstäbchen ließen sie sich vorsichtig herausfischen.

Am nächsten Labortisch arbeiteten zwei 13-jährige Schülerinnen. „Ich fand es spannend, das sichtbar zu machen. Dass man die DNA mal wirklich sieht“, sagte Annika Smith. „Es sieht ganz anders aus, als man sich das vorstellt“, fand Elisa Thede. Sie war fasziniert, „dass man das mit so einfachen Mitteln aus dem Haushalt sichtbar machen kann“.

Fast das gesamte Gelände war für die Besucher zugänglich. 170 Beschäftigte halfen als Freiwillige – wie die Tierärztin Cornelia Stamm und die chemisch-technische Assistentin Andrea Belkacemi, die die Startzettel für die Campus-Rallye verteilten. Zahlreiche Kinder machten mit und beantworteten Fragen wie „Wie viele Arten von Fadenwürmern gibt es?“ Als Belohnung winkten Gummibärchen, ein Lupenglas samt Plastikspinne oder ein Schlüsselband.

Die Campus-Rallye führte auch in die virtuellen Realitäten im Cyberneum des Max-Planck-Instituts. In einem der Räume gibt es eine rechteckige Vertiefung im Boden. Ein Brett führt die Längsachse entlang. Wer mit einer computergesteuerten Videobrille darüber geht, hat jedoch den Eindruck, über einem Abgrund zu balancieren.

Für den Psychologen Tobias Meilinger sind solche Täuschungen ein Beweis dafür, „wie überzeugend virtuelle Welten sind“. Er will herausfinden, „wie sich Leute im Raum orientieren“ – in Gebäuden und in Städten. Gleich nebenan steht der gigantische Bewegungssimulator für eine virtuelle Autorennbahn. In der geschlossenen Kapsel eines virtuellen Cockpits konnten Kinder Platz nehmen und sich als Pilot versuchen.

Kinder experimentierten im DNA-Labor mit Bananen
Der Psychologe Tobias Meilinger (links) begleitete am Samstag einen Besucher über den virtuellen Abgrund im Cyberneum des Max-Planck-Instituts.Bild:Faden

Mitten auf der Zufahrt zu den Max-Planck-Instituten (MPI) hielten Tierschützer den Besuchern ein riesiges Transparent entgegen. „Stoppt Affenversuche in Tübingen“, war darauf zu lesen. Hinter dem Protest stehen die beiden Initiativen „Tübingen für Tiere“ und „Antispeziesistische Aktion Tübingen“, sagte der Philosophie-Doktorand Matthias Rude. Auch die „Ärzte gegen Tierversuche“ unterstützten den Protest. Das Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik sei eines von drei wissenschaftlichen Instituten in Tübingen, an denen Rhesusaffen für die Hirnforschung „verbraucht“ würden, hieß es auf dem Flugblatt der Tierschützer.

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17.10.2011, 12:00 Uhr

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