Kein Affentheater auf der Alb

Von TEXT: Ralf Flaig / Simone Maier|FOTOs: Unternehmen

Wolfgang Grupp ist alleiniger Geschäftsführer und Inhaber von Trigema in Burladingen auf der Schwäbischen Alb. 1969 hat er die Geschäftsleitungder Firma von seinem Vater übernommen. Bis heute gab es weder Kurzarbeit noch Entlassungen wegen Arbeitsmangel. Fast jeder hat Wolfgang Grupp schon einmal gesehen: im Fernseh-Werbespot an der Seite des Affen oder in zahlreichen Gazetten. Grupp polarisiert. Aber ist authentisch.

Kein Affentheater auf der Alb

„Der Erfolg des Ganzen ist die Leistungjedes Einzelnen“, sagt Wolfgang Grupp.Er ist davon überzeugt, dass die Haftung der Entscheidungsträger erste Voraussetzung für einen dauerhaften Erfolg in einer sozialen Marktwirtschaft ist.

Wer erwartet, dass Grupp in einem gläsernen Palast residiert, liegt vollkommen falsch. Sein Schreibtisch – zugegebenermaßen überdimensional groß – steht im Großraumbüro. Seine Ehefrau Elisabeth, sein Sohn Wolfgang jun. und seine Tochter Bonita sind ebenfalls umgeben von Mitarbeitern und sitzen in Sichtweite.

Schon beim Austausch der Visitenkarten wird klar: Grupp ist kein Gewöhnlicher. Seine Visitenkarte ist schwarz mit geschwungener, weißer Schreibschrift. Warum? Vor vielen Jahren, als er selbst noch keine Visitenkarten besaß, notierte ein Geschäftspartner seine Kontaktdaten auf der Rückseite einer fremden Visitenkarte, weil die so schön weiß war. „Das will ich später mal nicht“, dachte sich Grupp und damit war die Idee der schwarzen Visitenkarte geboren.

Das Bildnis desWolfgang Grupp

Maßgeschneiderter Nadelstreifenanzug, Einstecktuch, Krawatte mit -kette, perfekt sitzender Scheitel: Der 75-jährige Unternehmer ist topfit. Grupp führt das Unternehmen seit 1969. Rückblickend würde er nichts anders machen. „Entscheidungen trifft man zum jeweiligen Zeitpunkt ganz bewusst. Wenn man als Unternehmer eine falsche Entscheidung getroffen hat, muss man sie revidieren. Fehler verteidigen, ist tödlich. Fehler erkennen und daraus lernen, ist was Tolles“, sagt er in schönstem Hochdeutsch. Keine Spur von schwäbischem Singsang. „Mehrere Male habe ich meinen kompletten Kundenstamm ausgetauscht, weil die Kunden versagt haben.“

Erfunden hat er nie etwas. Vielmehr hat er erfolgreiche Geschäftsmodelle nachgeahmt. Noch heute ist er neugierig und verschließt sich keinen Innovationen. Auch das Textilfärbeverfahren Batik, mit dem er in den 70er-Jahren den Durchbruch schaffte, ist nicht auf seinem Mist gewachsen. Aber nein, im Schrank hat er kein Batik-Shirt mehr.

Das Telefon klingelt. Grupp nimmt den Hörer ab und hört der Dame am anderen Ende der Leitung geduldig zu. Er sagt, er sei in einer Besprechung, schreibt die Nummer auf und sagt ganz freundlich er riefe zurück.

Für die 45 Testgeschäfte ist seine 22 Jahre jüngere Frau Elisabeth verantwortlich. Die Zahl 45 ist in Stein gemeißelt. „Wir wollen nicht auf Teufel komm raus wachsen“, meint Grupp, „Größenwahn ist schlimm in unserer Gesellschaft.“ Mit dem firmeneigenen Heli besucht sie die Testgeschäfte zwei Mal im Jahr.

Burladingen, Londonund zurück

Seine beiden Kinder haben in London studiert. Bonita ist bei Trigema für den E-Commerce zuständig, Wolfgang jun. im Verkauf tätig. Alle vier wohnen unter einem Dach. In der gegenüberliegenden Villa, die hinter einer weißen Mauer kaum zu sehen ist. Allerdings haben die Kinder ihren eigenen Trakt. „Trigema ist unser Hobby“, so Grupp. „Wir sitzen beim Essen zusammen und erzählen uns gegenseitig viel über das Geschäft.“

„Meine Kinder sind großzügig erzogen worden, haben immer alles bekommen, haben aber auch immer verantwortlich gehandelt. Von wilden ausufernden Parties ist mir nichts zu Ohren gekommen,“ schmunzelt Grupp.“

Seine Frau Elisabeth ist die Alleinerbin. Wer in nächster Generation das Unternehmen führt, hängt auch von den zukünftigen Lebenspartnern seiner Kinder ab. „Meine Kinder sollen sich lieben und nicht streiten“, meint Grupp. Deshalb werde es nur einen Nachfolger für ihn geben.

Grupp ist weder ein Pharisäer noch bigottisch. Aber in seiner Internatszeit in St. Blasien hat er vor oder nach Klassenarbeiten das ein oder andere Stoßgebet gen Himmel geschickt. „Erfolg macht gern übermütig. Da schadet eine gewisse Demut nichts,“ so Grupp. Um demütig zu bleiben, betet er jeden Morgen kurz in der Hauskapelle.

Zu der Zeit seines Großvaters bekamen die Kommunionkinder von den Unternehmern in Burladingen eine goldene Uhr zum Weißen Sonntag geschenkt. Heute gibt es keine goldene Uhr mehr, aber dafür garantiert Grupp den Kindern seiner 1200 Mitarbeiter einen Arbeitsplatz. „Aber ich bin kein Sozialsäusler, sondern ein Kapitalist und Egoist.“ Wenn es ihm gut gehe, gehe es auch seinen Mitarbeitern und Angestellten gut. „Meine Mitarbeiter sind ja meine Nachbarn, mein Fahrer war über 50 Jahre bei uns, da gibt es keine Anonymität.“

„Unser Charly“

Grupp ist es egal, was andere von ihm denken. Er hält an seinem Affen fest: Der Werbespot ist legendär. „Die gescheite Welt findet den Affenspot zwar altbacken, aber ich bin voll davon überzeugt“, erklärt er. Der Inhalt sei das Entscheidende: „Ich als Eigentümer von Trigema produziere ausschließlich in Deutschland“ und „Ich garantiere Arbeitsplätze in der Textilindustrie.“ Demnächst wird der Affe „grün“: Im nächsten Spot geht es um Nachhaltigkeit und Ökologie.

À propos grün: Bei der baden-württembergischen Landtagswahl 2016 hat Grupp zum ersten Mal in seinem Leben grün gewählt, weil er Kretschmann gut findet. „Der anständige Bürger fühlt sich heute als Gelackmeierter und von der Politik nicht mehr verstanden“, redet Grupp Tacheles. Am liebsten würde er CSU wählen, was er aber in Baden-Württemberg nicht darf. Burladingen first.


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13.10.2017 - 08:30 Uhr