Kommentar zu Strafzinsen für Privatanleger

Kaum vorstellbar

Von HELMUT SCHNEIDER

Ein solches bundesweites Echo hat die Volksbank Reutlingen wohl noch nicht erlebt. Auf ihren missverständlichen oder unüberlegten Preisaushang, wonach bei 10:000 Euro auf dem Girokonto Strafzinsen fällig werden, haben sich am Mittwoch die Medien gestürzt.

Kein Wunder. Wenn jetzt auch der Kleinsparer statt Zinsen zu bekommen Strafzinsen bezahlen müsste – es würde ein Beben in der Bankenlandschaft auslösen.

Deshalb ruderte man in Reutlingen schnell und erschreckt zurück – mit einem formalen Hinweis, den kein Mensch versteht. Verständlicher ist dagegen die Korrektur: Wir werden vom Kleinsparer keine Gebühr verlangen.

Wäre es anders, hätten sich die Reutlinger sicher ein zweites Mal gewundert – darüber nämlich, wie schnell ihre Kundschaft die Girokonten leer geräumt und zur Konkurrenz abgewandert ist.

Banken und Sparkassen sind in einer misslichen Lage. Die Nullzinspolitik und die bürokratischen Kosten der Regulierung bringen sie in die Bredouille. Sie sind nicht die Abzocker, als welche sie lange hingestellt wurden. Die Branche findet sich eher in einer Opferrolle wieder.

Mit Gebührenerhöhungen und Kostensenkungen versuchen sich Sparkassen und Volksbanken daraus zu befreien. Strafzinsen für kleine Guthaben aber sind kaum vorstellbar. Auch nicht in Reutlingen.


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08.06.2017 - 06:00 Uhr