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Reden, murmeln, hoffen

Katholische Laien diskutieren mit Bischof Fürst über Reformen in der Kirche

Zwei Jahre lang hat die katholische Kirche über Reformen diskutiert. Jetzt wollen viele Katholiken Taten sehen. Vor allem soll die Kirche dafür sorgen, dass sich Frauen und Geschiedene nicht diskriminiert fühlen.

25.02.2013
  • MARC HERWIG, DPA

Biberach Manchmal sei das schon zermürbend, immer nur über Reformen zu diskutieren - aber so wenig ändern zu können, sagt eine engagierte Katholiken. Einige um sie herum nicken. Seit fast zwei Jahren wird in der katholischen Kirche nun im Rahmen des Dialogprozesses über Reformen nachgedacht. Auch in Biberach, wo Bischof Gebhard Fürst am Samstag das erste von vier Regionalforen einberufen hat, um noch einmal mit der Basis ins Gespräch zu kommen.

Doch geredet sei langsam genug, finden viele. "Jetzt müssen Taten folgen", sagt ein Teilnehmer. Das aber ist leicht gesagt. Selbst Bischof Fürst hatte zuletzt zugegeben, dass viele Reform-Wünsche wohl letztlich am Widerstand aus Rom scheitern werden.

Es ist die Zielgerade für den Dialogprozess in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Fast 10 000 Menschen haben sich daran beteiligt. Tausende Stunden lang wurde diskutiert, gestritten und um Kompromisse gerungen. Im kommenden Juni soll ein vorläufiger Schlussstrich gezogen werden.

Dass sich in ihrer Kirche etwas ändert, darauf hoffen viele Katholiken im Südwesten ganz dringend. Der Umgang mit Frauen steht laut einer Auswertung der Diözese ganz oben auf der Reform-Wunschliste. 82,5 Prozent sind für eine "komplette Gleichstellung" von Frauen und Männern in der Kirche - also auch dafür, dass Frauen Priesterinnen werden dürfen.

Auf Platz zwei folgt der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. 77,8 Prozent wollen, dass die Kirche Menschen nicht von wichtigen Sakramenten oder von kirchlichen Berufen ausschließt, nur weil sie zum zweiten Mal geheiratet haben. Auch die Verpflichtung zur Ehelosigkeit für Priester und die immer größer werdenden Seelsorgeeinheiten werden als Probleme genannt.

All diese Themen sind nach unzähligen Diskussionsrunden längst bekannt. Die Meinungen der Kirchenbasis dazu auch. Bischof Fürst hört in Biberach trotzdem aufmerksam zu, schreibt vieles in sein Notizbuch und signalisiert Verständnis. "Manches, was ich hier höre, bekümmert mich sehr", sagt er.

Ob sich am Ende wirklich etwas bewegt? "In der Kirche ändert sich nichts von heute auf morgen, aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben", findet eine Frau. Der Mann neben ihr ist weniger optimistisch. "Die konservativen Bischöfe und die Kurie in Rom werden schon dafür sorgen, dass alles bleibt, wie es ist." Doch mit dem Verweis auf Rom und die Bischofskonferenz wollen die württembergischen Katholiken ihren Bischof nicht davonkommen lassen.

Fürst müsse seinen eigenen Spielraum für Veränderungen ausreizen, fordert Johannes Warmbrunn, als Diözesanratssprecher der oberste Vertreter der 1,9 Millionen Kirchenmitglieder in Württemberg. Der Bischof könne zwar nicht den Zölibat abschaffen oder Frauen zu Priestern weihen. Aber er könne die Position von engagierten Ehrenamtlichen stärken - auch die der Frauen.

"Es gibt null Argumente dafür, weshalb die Kirche Frauen als Katholiken zweiter Klasse behandelt", sagt ein Mann bei der Regionalkonferenz. Fürst schreibt auch das in sein Notizbuch. Für die Interessen von Katholiken in zweiter Ehe will er sich stark machen. Er hoffe sehr, dass die Deutsche Bischofskonferenz das katholische Arbeitsrecht "sobald als möglich" in diesem Sinne ändern werde, sagte er in Biberach. Bislang können katholische Organisationen in Deutschland Mitarbeiter sofort entlassen, wenn diese nach einer Scheidung noch einmal heiraten. In der Praxis betrifft diese Regelung vor allem Leitungsfunktionen.

Anders als beim Arbeitsrecht zeigte sich Bischof Fürst aber deutlich zurückhaltender, was den Ausschluss von wiederverheirateten Geschiedenen von der Eucharistie - einem zentralen Element des katholischen Glaubens - anbelangt. Jesus habe den Ehebruch ausdrücklich nicht akzeptiert, betonte er. Darüber könne die Kirche nicht hinweggehen. Zugleich betonte Fürst die Bedeutung der Frauen: "Wenn die Frauen streiken würden - das wäre das Ende unserer Kirche."

Den reformorientierten Katholiken bleibt das Wissen, dass vor Ort in ihren Gemeinden ohnehin vieles sehr pragmatisch gelöst wird - unabhängig von der strengen katholischen Lehre. "Die Theorie des Kirchenrechts hinkt der Praxis in den Gemeinden manchmal etwas hinterher", sagt Dekan Matthias Hambücher aus Ulm. "Bei uns in der Stadt geht ganz selbstverständlich jeder wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion." Der Papst in Rom ist eben weit weg.

Katholische Laien diskutieren mit Bischof Fürst über Reformen in der Kirche
Wie soll die katholische Kirche künftig mit wiederverheirateten Geschiedenen umgehen? Auch darüber wurde in Murmelgruppen intensiv diskutiert. Foto: dpa

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25.02.2013, 12:00 Uhr

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