Nahverkehr

„Katastrophe für Pendler“

Von DANIEL GRUPP

Verspätungen und Zugausfälle bei der S-Bahn häufen sich wieder. Die Bahn spricht von Einzelfällen. Vertreter der Region fordern Investitionen ins Netz.

„Katastrophe für Pendler“

Die S-Bahn hat wieder große Probleme mit der Pünktlichkeit. Helfer sorgen dafür, dass Fahrgäste schneller einsteigen. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Lob und Anerkennung für Gegenmaßnahmen wie das Weichendiagnosesystem und Einstiegshelfer im Hauptbahnhof hatte die Bahn beim Stuttgarter S-Bahngipfel im Frühsommer erhalten. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der S-Bahnen im Raum Stuttgart waren besser geworden. Der positive Trend setzte sich im August fort. Wie im Herbst die Blätter fallen, so gingen jedoch in den vergangenen Wochen die Werte für die Pünktlichkeit wieder kräftig nach unten. In den vergangenen Tagen kam es im morgendlichen Berufsverkehr zu Störungen, die Zugausfälle und Verspätungen auslösten.

Bahnsprecher verweisen darauf, dass diese Störungen auf „Einzelereignisse“ zurückzuführen seien: Am Montagmorgen war im Hauptbahnhof eine Person im Gleis gemeldet worden. Tags darauf war die Ursache eine Weiche an Gleis 1 des Hauptbahnhofs, die morgens nicht rechtzeitig an den Start gebracht worden war, nachdem sie über Nacht stillgelegt gewesen war. Am Mittwoch führte schließlich eine Stellwerkstörung zu erheblichen Behinderungen. Wenn davon die Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße – das Nadelöhr müssen alle Linien passieren – betroffen ist, hat dies enorme Folgen, räumt ein Bahnsprecher ein.

„Für Berufspendler ist das eine Vollkatastrophe“, sagt Rainer Ganske, Verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion der Stuttgarter Regionalversammlung. Der Verband Region Stuttgart (VRS) ist Auftraggeber für den S-Bahn-Betrieb im Raum Stuttgart. Auch Autofahrer stünden ständig im Stau: „Wir haben auf Straßen und Schienen ein Chaos.“ Ganske fordert von der DB Regio, der Betreiberin der S-Bahnen, das Informationssystem für die Fahrgäste deutlich zu verbessern. Er fragt sich, ob die Bahntochter DB Netz früh genug in die Technik investiert hat.

Eva Mannhardt stellt sich diese Frage nicht: „Es müsste mehr investiert werden“, erklärt die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen in der Regionalversammlung. Es sei doch klar, dass jahrzehntealtes, stark belastetes Material zu Bruch gehen kann. „Wir sind bitter enttäuscht“, meint sie zur jüngsten Entwicklung. Sie erlebe täglich, dass sich die Störungen extrem häuften.

Den Druck auf die DB Netz AG hoch halten, „damit sich etwas bewegt“, möchte Thomas Leipnitz. Der Verkehrssprecher der SPD-Fraktion im VRS vermutet, dass die Bahntochter, die für Gleisanlagen zuständig ist, „ihre Infrastruktur in den letzten Jahren verlottern lassen“ hat. Seiner Ansicht nach braucht es öffentlichen Druck.

Dass die Pünktlichkeit im Herbst und Winter stark nachlässt, zeige sich jährlich, stellt die Sprecherin der Region, Dorothee Lang, fest. Nun werde geprüft, ob das elektronische Zug-Kontoll-System für die S-Bahn eingeführt werden kann, um eine höhere Zugdichte zu erreichen.


Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

(c) Alle Artikel und sonstigen Inhalte der Website sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.


09.11.2017 - 06:00 Uhr