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Neckar: Wo man nasse Füße bekommt

Karte soll Vorbereitung auf Hochwasser erleichtern

Die Europäische Union schreibt vor, dass sich Behörden und Bürger besser auf Hochwasser einstellen. Für den oberen Neckar gibt es deshalb nun einen Plan.

04.03.2013
  • von Mario Beisswenger

Kreis Tübingen. „Hochwasserrisikomanagementplanung“ ist ein Bandwurmwort, wie es wahrscheinlich nur Behörden ersinnen können. Um was es dabei geht, erklärten die vom Tübinger Regierungspräsidium engagierten Planer am Donnerstagabend im Landratsamt in Reutlingen.

Claudius Müller, zuständiger Dezernent im Reutlinger Landratsamt, schaute bei der Veranstaltung etwas betrübt in die Runde. Das Publikumsinteresse hielt sich mit einem Dutzend Anwesender in Grenzen. Dabei ist ein Ziel des Hochwasserplanes, „dass wir weg kommen von dem Prinzip ’Aus Schaden wird man klug‘“. Stattdessen sollte eine bestmögliche Vorbereitung Flutschäden vermeiden – oder mindestens verringern.

Das ist das zweite Prinzip des zu Grunde liegenden EU-Gesetzes. „Die Richtlinie hat den Tenor: Was können wir sonst noch tun, außer Dämme bauen“, sagte Johannes Reiß vom Wendlinger Büro „Lebendiger Neckar“, das beim Erstellen der Hochwasserkarten beteiligt war. Die Karten sind Grundlage der Planung. Sie sind, so weit schon freigegeben, über Internet einsehbar (siehe Info-Box) oder bei den Tiefbauämtern der Kommunen. Für den Bereich im Kreis sind die Gebiete entlang des Neckars bearbeitet. Aus den Karten lassen sich die Folgen eines Hochwassers im Überblick abschätzen.

Im Schnitt alle zehn Jahre droht Gefahr

Sichtbares Ergebnis: „Da wo es rot ist, wird es brenzlig“, erklärte Sandra Pennekamp vom Darmstädter Büro „Infrastruktur und Umwelt“. Ausgehend von den Karten erstellten die Büros genaue Risikobeschreibungen für alle Gemeinden. Das geht ins Detail, weil nicht nur Brücken markiert sind, die bei einem Hochwasser unpassierbar werden, sondern auch Betriebe mit gefährlichen Chemikalien verzeichnet sind oder auch Denkmäler.

Für Tübingen ist etwa eingetragen, dass das Stadtmuseum schon bei einem zehnjährigen Hochwasser gefährdet ist, die Jakobuskirche dagegen nur bei einem 100-jährigen. Diese detailscharfen Aussagen sind allerdings noch in der „Plausibilisierung“. Das heißt: Die Planer fragen bei den Städten, ob denn das auch alles so hinhaut. Für Heike Weißer, bei der Tübinger Stadtverwaltung für den Hochwasserschutz zuständig, liegt der Wert der Planung nicht unbedingt darin, dass die Stadt nun vorher nicht geahnte Risiken erkennt. Vorteil sei vielmehr „die Gesamtschau des Problems, das bisher jeder für sich bearbeitet hat“.

So sei zum Beispiel zu erkennen, welche Brücken zu befahren sind, wenn eine Gemeinde der nächsten helfen will. Am Beispiel der neuen Bebauung im Viertel „Alte Weberei“ erklärt Weißer, dass die Stadt auch die vom Management-Plan gefordert Überarbeitung der Bauleitplanung berücksichtigt hat. „Die Hauseingänge sind zum Beispiel alle so hoch, das auch ein hundertjähriges Hochwasser nicht reinläuft.“ An den Kommunen wird nach Ansicht der Planer die meisten Aufgaben zum vorbeugenden Hochwasserschutz hängen bleiben.

Die aufgeführten regelmäßigen Arbeiten gehen so weit, dass kontrolliert werden soll, dass im Überschwemmungsgebiet keine Brennholzstapel aufgeschichtet werden. Die bergen die Gefahr, dass sich abschwimmendes Holz vor der nächsten Brücke verkeilt und durch Rückstau die Flut verstärkt. Wer selbst noch Kommentare zu der EU-Planung abgeben will, sollte sich vor Ostern an die Tiefbauämter wenden. Die endgültigen Pläne sollen bis zum Sommer fertig sein.

Karte soll Vorbereitung auf Hochwasser erleichtern
Wenn viel Schnee fällt und es taut, steigt der Neckarpegel schnell: hier bei einem Hochwasser im Dezember 2010. Archivbild: Metz

Auf der Seite www.hochwasser.baden-wuerttemberg.de lässt sich anschauen, welche Flächen im Kreis von einem Neckar-Hochwasser betroffen sein können. Im linken Menü auf „Gefahrenkarten“ klicken. Um die Eintragungen sehen zu können, muss man heranzoomen auf einen Maßstab von etwa 1:10 000.
Dann erscheinen für den Neckar in verschiedenen Blautönen die Überflutungsflächen nach einem Hochwasser.
Die Abstufung bezieht sich auf die Wahrscheinlichkeit mit der so eine Überschwemmung auftreten kann. HQ 10 zum Beispiel bezeichnet eine Flut, mit der statistisch betrachtet alle zehn Jahre zu rechnen ist. HQ extrem ist eine mögliche Extremflut.

Eine wichtige Einschränkung: Dargestellt ist der klassische Überschwemmungsfall, wenn Gewässer über die Ufer treten. Schichtfluten die nach starkem Regen auch in einem hoch gelegenen Dorf wie Pfrondorf auftreten, erfasst die Karte nicht.

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04.03.2013, 12:00 Uhr
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