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Kommentar: Winnenden

Kalte Routine

Eine unfassbare Tat, unglaubliches Leid, Schock, Trauer, Fassungslosigkeit: Der Amoklauf von Winnenden und Wendlingen ist bald vier Jahre her. Wenige Ereignisse haben die Menschen seitdem so erschüttert wie die Wahnsinnstat des 17-jährigen Tim K.

02.01.2013
  • ROLAND MÜLLER

an jenem 11. März 2009. "Nie wieder", das war damals die Losung für Gesellschaft und Politik. Es wurden Gesetze gemacht, Waffen eingesammelt und über Mobbing an Schulen diskutiert. Es war ein Aufbruch.

Umso beklemmender wirkt es, wenn der Amoklauf nun zu einer Sache für kühle Rechner in Versicherungsbüros und Anwaltskanzleien wird. Noch während für Tims Vater die Schuldfrage vor Gericht neu verhandelt wird, werden Posten für millionenschwere Schadenersatzklagen addiert und mit Deckungshöhen in Haftpflichtpolicen verglichen. An die Seite des "nie wieder" ist die Frage "wer zahlt?" getreten. Diese eisige Routine des Rechtsstaats will nicht passen zum Schock von Winnenden.

Die Klagewelle hat aber auch damit zu tun, dass ein Aspekt der Tat im Dunkeln blieb: Was geschah in der Psychiatrie in Weinsberg, in der Tim K. zuvor in Behandlung war? Bisher musste Jörg K. ganz allein die Verantwortung für den Amoklauf tragen. Weil er Waffe und Munition herumliegen ließ - und nicht sah, wie labil sein Sohn war. Die Ärzte, denen Tim von Mordphantasien erzählt haben soll, verweigerten jede Aussage. Das ist ihr gutes Recht. Befriedigend ist es aber nicht, denn Hinterbliebene und Öffentlichkeit suchen noch immer nach Antworten, wollen wissen, wie die Katastrophe geschehen konnte. Diese wären nicht nur wichtig für die Frage "wer zahlt?". Sondern auch für das "nie wieder".

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02.01.2013, 12:00 Uhr

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