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Anders als im Fernsehen

Justizvollzugsanstalt gab Einblicke in den Gefängnissalltag

Am Wochenende wurden die Stahltüren der Justizvollzugsanstalt für einige Stunden geöffnet. Mitarbeiter durften ihren Angehörigen ihren Arbeitsplatz zeigen. Er ist nicht so spektakulär, wie er im Fernsehen gezeigt wird.

10.05.2010
  • von Katharina Tomaszewski

Rottenburg. Mehr als 750 Menschen tummelten sich am Samstagmittag in der Justizvollzugsanstalt. Darunter 200 Mitarbeiter, ihre Angehörigen und mehr als 40 Firmenvertreter. Mit diesem Tag der offenen Tür möchte Gefängnisleiter Wolfgang Williard Klischees entgegen treten und einer begrenzten Anzahl von Besuchern zeigen, wie der Alltag der Mitarbeiter und Gefangenen aussieht.

Wer ins Innere, des mit fünfeinhalb Meter hohen Betonmauern abgeschirmten Gefängnisses gelangen möchte, muss sich erst anmelden und darf nur in Begleitung eines Mitarbeiters das Gelände betreten. Alle paar Meter kommt eine Stahltür, die aufgeschlossen und nach Eintreten ins Zimmer wieder abgeschlossen werden muss. Das 1848 erbaute Gefängnis hat eine eigene Infrastruktur, es gibt offene und geschlossene Zellenkomplexe (abhängig von der Schwere des Vergehens), Werkstätte, eine Bäckerei und Kantine, einen Platz für den Freigang, eine Krankenabteilung mit Hausarzt und Zahnärztin, eine Wäscherei und mehrere Aufsichts- und Verwaltungsräume.

Die neueren Zellenkomplexe sehen äußerlich aus wie Plattenbauten. Im Inneren sind mehrere Etagen durch Gitterböden und enge Treppen voneinander getrennt. Es ist sehr eng und beklemmend. Die Zellen selbst haben einen Betonboden, sind etwa neun Quadratmeter groß und nur mit dem Nötigsten ausgestattet wie Bett, Schrank, Tisch, Toilette und Waschbecken.

Volker Heim zeigte seiner Familie seinen Arbeitsplatz. Als Fachkraft für Arbeitssicherheit muss er in allen Werkstätten kontrollieren, ob die Häftlinge Sicherheitskleidung tragen und muss die Maschinen warten. Seine 13-jährige Tochter Annkatrin findet den Beruf ihres Vaters spannend. „Ich wollte hier ein Schulpraktikum machen, durfte aber nicht, weil ich noch minderjährig bin.“

Thomas Beil arbeitet seit 20 Jahren als Vollzugsbeamter. Seine Frau Birgit Beil erzählte: „Am Anfang habe ich mir Sorgen gemacht, wenn er nicht pünktlich von der Arbeit nach Hause kam. Mittlerweile ist es aber für uns ein Job wie jeder andere.“ Highlight des Tages war für seine achtjährige Tochter Ellen, dass ein Gefangener für die Besucher seine Zelle aufgeschlossen hat. „Wir konnten sehen, wie der wohnt. Bei uns zu Hause sieht es gemütlicher aus.“

Roland Fechter ist Vollzugsleiter und Bausachbearbeiter. Er hört immer wieder Klischees über Gefängnisse. „Was man im Fernsehen sieht ist fern jeder Realität“, sagt er. In amerikanischen Serien gebe es häufig Aufstände und extreme Ausschreitungen, im Alltag geht es meistens friedlich und unspektakulär zu.

Anita Stoll ist seit 13 Jahren Vollzugsbeamtin, kontrolliert unter anderem täglich die Anwesenheit der Häftlinge, führt sie zum Gericht, wenn eine Verhandlung ansteht. Sie gibt auch das Essen in den Zellen aus. Zurzeit sind 640 Männer inhaftiert, Ausschreitungen zwischen den Gefangenen seien nicht vorhersehbar, erzählt Anita Stoll.

„Es gibt keine Routine“, das sei das Interessante an ihrem Beruf. Sie hat Selbsttötungsversuche erlebt, sie stand bei einigen Schlägereien neben den Männern. Trotz des täglichen Risikos tragen die Beamten keine Waffen oder Schlagstöcke. Ihr Kollege Klaus Heindel sagte: „Wir haben in der Grundausbildung Selbstverteidigung gelernt. Die Übermacht ist am wirksamsten; Waffen können im schlimmsten Fall gegen uns verwendet werden.“

Christina Hafenmayr arbeitet seit 1993 in der Aufsicht der JVA Rottenburg, davor war sie in einem Frauen- und Jugendlichen-Gefängnis in Bayern. „Der Umgangston der Häftlinge hier ist wesentlich besser, manchmal ist es einfacher mit Männern“. Frauen seien nachtragender und zickiger.

Justizvollzugsanstalt gab Einblicke in den Gefängnissalltag
Tag der offenen Tür für Angehörige der Vollzugsbediensteten und kooperierenden Firmen: Hier eine Besuchergruppe in der Wäscherei. Bild: Faden

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10.05.2010, 12:00 Uhr
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