Medizin

Jede Zelletickt im Takt

Von DPA

Wenn unsere Innere Uhr nicht richtig funktioniert, werden wir krank. Drei Wissenschaftler untersuchten das System.

Jede Zelle
tickt im Takt

Jeffrey Hall. Foto: dpa

Berlin. Der Jetlag nach einem langen Flug kann eine Qual sein. Tagsüber ist man elend müde, nachts kann man trotz tiefster Dunkelheit nicht schlafen. Es dauert Tage, bis sich der Körper an den veränderten Tag-Nacht-Rhythmus angepasst hat.

Schuld ist die Trägheit unserer Inneren Uhr. Der biologische Taktgeber steuert viele Körperfunktionen und beeinflusst neben dem Schlaf-Wach-Zustand auch Körpertemperatur, Blutdruck, Immunsystem. Wie diese Uhr auf molekularer Ebene gestellt und gesteuert wird, haben Jeffrey Hall (72), Michael Rosbash (73) und Michael Young (68) maßgeblich miterforscht. Dafür bekommen die US-Forscher den Medizin-Nobelpreis.

Von Lerchen und Eulen

„Wir wissen heute, dass praktisch alle Zellen in unserem Körper eine Innere Uhr haben. Die steuert viele Funktionen von der Zellteilung bis zum Schlaf. Es gibt keinen physiologischen Prozess, der nicht von der Inneren Uhr beeinflusst wird“, erläutert der Lübecker Chronobiologe Henrik Oster.

Eine der wichtigsten Funktionen der Inneren Uhr ist die Aufrechterhaltung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Einige Menschen macht sie zu „Lerchen“, die früh in den Tag starten und abends zeitig ins Bett fallen. Andere kommen als „Eulen“ erst spät in die Federn – und morgens umso schwerer wieder heraus.

Ändern kann man daran wenig, im Gegenteil: Forscher betonen, wie wichtig es ist, seinem natürlichen Rhythmus zu folgen. Gerate die Innere Uhr aus dem Takt, etwa durch Schichtarbeit, zu frühen Schulbeginn oder häufige lange Flugreisen, könnten erhebliche Gesundheitsprobleme folgen, sagt der Berliner Chronobiologe Achim Kramer.

Bei Übergewicht, Depressionen, Herz-Kreislauf-, neurologischen und Magen-Darm-Erkrankungen wird demnach ein Einfluss gestörter biologischer Rhythmen diskutiert. Selbst die Schwere einer Infektion hängt mit dem Zeitpunkt der Ansteckung zusammen.

Um die Innere Uhr nicht zu stören, empfehlen Schlafforscher auch, auf weitgehende Dunkelheit im Schlafzimmer zu achten. Straßenlaternen können den Mechanismus genauso beeinflussen wie das Licht eines E-Readers, Tablet-PCs oder Smartphones. dpa


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04.10.2017 - 06:00 Uhr