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Arm und bedroht

Israel will Beduinen umsiedeln

Beduinen bewohnten die Wüste Negev lange bevor es Israel gab. Doch ihre Eigentumsrechte werden vom Staat nicht anerkannt. Der will das Wüstenvolk umsiedeln. Dagegen gibt es Widerstand.

05.01.2013
  • von ULRIKE SCHLEICHER

Beer Sheva Geschätzt 190 000 Beduinen leben in der Wüste Negev, im Süden Israels. Offiziell sind alle Bürger Israels. Etwa 70 000 von ihnen wohnen jedoch in den so genannten nicht anerkannten Siedlungen; es soll 45 geben. Viele davon gab es bereits lange vor der Gründung Israels 1948, aber da der Staat kurzerhand rund 95 Prozent des Negev zu seinem Eigentum erklärte, sind die Eigentumsansprüche der Beduinen heute nicht viel wert.

In den Dörfern gibt es kein Wasser- und Abwassersystem, keine Elektrizität, selten eine Schule und öffentlichen Nahverkehr. Wer hier lebt, kann nicht wählen gehen, keine Baugenehmigung beantragen, hat keine Verwaltung. Alles, was dem Staat in den illegalen Siedlungen rechtsgerichteter Siedler in der Westbank möglich ist - die Bereitstellung einer kompletten Infrastruktur, egal wo - wird bei den Beduinen mit einem Schulterzucken abgelehnt. Stattdessen leben die Bewohner stets mit der Bedrohung, dass ihre Häuser zerstört werden.

Das Dorf Alsira etwa ist so ein Beispiel. Hier wohnt die Familie von Khalil Alamour seit sieben Generationen, das Haus und ein Stück Land sind Eigentum seiner Familie. "Wir haben Dokumente, die das beweisen", sagt der 47-Jährige. Aber das schert die israelischen Behörden nicht. Immer wieder kommen Abgesandte ins Dorf und kleben ihm - wie seinen Nachbarn - Abrissgenehmigungen an die Haustüren. "So enden wir regelmäßig vor Gericht".

Alamour, der trotz enormer sozialer Hindernisse studiert hat, versteht die Haltung der Regierung nicht. "Wir sind keine Feinde des Staates, wir wollen uns integrieren." Allerdings nicht nach einem Konzept, das die Traditionen und Werte der Beduinen völlig ignoriere und ohne ihre Zusammenarbeit umgesetzt werde. Alamour bezieht sich auf ein Ziel, das Israel seit den 60er Jahren verfolgt: die Umsiedlung und Urbanisierung der Beduinen im unfruchtbaren Norden des Negev.

Zuletzt verabschiedete die Knesset 2011 den so genannten Prawer-Plan, der allerdings noch ratifiziert werden muss. Demnach sollen die zehn größten Siedlungen anerkannt werden, der Rest wird zerstört, die Bevölkerung verteilt, zum Beispiel auf die insgesamt sieben Städte, die der Staat dafür zwischen 1968 und 89 aus dem Boden gestampft hat.

Lakia ist eine davon. Hier wie in den anderen herrschen Armut, Gewalt und Kriminalität, die Arbeitslosigkeit ist die höchste im Land, der Bildungsstand der niedrigste. "Beduinen und Städte sind keine Freunde", nennt Alamour einen Grund für die katastrophalen Zustände. Sie leben zwar nicht mehr in Zelten, aber Tierhaltung und Ackerbau seien nach wie vor in seinem Volk verwurzelt. Sein Vorschlag: "Lasst und die restlichen fünf Prozent des Landes, die wir noch haben und wir machen das Beste daraus - zum Wohle aller".

Israel will Beduinen umsiedeln
Schafzucht gehört zur Tradition der Beduinen. Diese wollen sie nicht aufgeben - auch nicht in Israel. Foto: dpa

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05.01.2013, 12:00 Uhr
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