Hechinger Mord: Wer hat den 22-Jährigen erschossen?

Im Prozess um den getöteten 22-Jährigen hat ein Angeklagter teilweise gestanden

Von Philipp Koebnik

Eine überraschende Wendung gab es im Prozess um den 22-jährigen Bisinger, der am 1. Dezember in Hechingen auf offener Straße erschossen worden war. Einer der Angeklagten hat ein Teilgeständnis abgelegt.

Im Prozess um den getöteten 22-Jährigen hat ein Angeklagter teilweise gestanden

Symbolbild: liveostockimages - Fotolia

Anders als zunächst angekündigt, machte am Mittwoch nur einer der drei Angeklagten Angaben zur Sache. Denn aus Zeitgründen hatte bislang nur der Verteidiger des 22-jährigen Beschuldigten in die mittlerweile vorliegende Tatrekonstruktion des Sachverständigen Einblick nehmen können.

Rechtsanwalt Rüdiger Kaulmann verlas eine Erklärung seines Mandanten. Demnach habe tatsächlich ein Drogengeschäft zum Streit mit dem Mann geführt, dem der Schuss am 1. Dezember 2016 eigentlich galt. Ihm hätten die beiden Angeklagten ein Kilogramm Marihuana für 5000 Euro verkauft – auf Kommission. Letzteres habe er abgelehnt, doch der 20-Jährige habe auf das Geschäft gedrängt.

Nach seiner Version trafen sich die zwei Angeklagten mit ihren Geschäftspartnern ungefähr am 20. November auf einem Parkplatz unweit eines großen Hechinger Fastfood-Restaurants. Während er selbst draußen wartete, habe der 20-Jährige im Auto das Geschäft mit den anderen abgewickelt. In den Tagen darauf seien sie von ihrem Geschäftspartner wiederholt vertröstet worden, bald die 5000 Euro zu bekommen.

Um den 26. November hätten sie sich erneut auf dem Parkplatz verabredet. Doch statt das versprochene Geld zu erhalten, hätte die zu sechst erschienene andere Seite sie massiv bedroht: Mit der Waffe am Kopf habe man ihnen klar gemacht, dass es kein Geld geben würde. „Ich dachte, dass mein letztes Stündlein geschlagen hat“, so der Angeklagte. Nach diesem Vorfall habe der andere Angeklagte vorgeschlagen, eine Waffe für den Selbstschutz zu besorgen. Er lehnte das strikt ab – mit dem Drogengeschäft habe er zu diesem Zeitpunkt bereits „innerlich abgeschlossen“ gehabt. Doch der andere habe nicht locker gelassen.

Angeklagter zeigte sich reuig

Nach einer weiteren Auseinandersetzung in der Spielothek „Imperial“ am 1. Dezember sei es dann passiert. Demnach verließen sie das Lokal, stiegen ins Auto und fuhren weg. Doch der 20-Jährige, der den roten Fiat fuhr, habe eine weitere Runde gedreht, dann plötzlich nahe der Spielothek angehalten und eine Waffe gezückt – von der habe er zuvor nichts gewusst. Der 20-Jährige habe sich herübergebeugt und durchs geöffnete Fenster der Beifahrertür auf den Schuldner geschossen. „Ich konnte gar nicht fassen, was passiert war.“ Er habe einzuschreiten versucht und ebenfalls die Waffe ergriffen. Daher könne es so ausgesehen haben, als habe er den Schuss abgegeben. Im Übrigen sei er Rechtshänder. Für den Tod des 22-Jährigen fühle er sich nicht verantwortlich. Dennoch möchte er „betonen, wie sehr mir die Sache leid tut“. Er drücke der Familie des Getöteten sein „Mitgefühl“ aus.

Der nächste Verhandlungstermin ist der 10. Juli. Dann wollen sich auch die anderen Angeklagten zur Sache äußern.


Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

(c) Alle Artikel und sonstigen Inhalte der Website sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.


21.06.2017 - 19:25 Uhr