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Mutter, Mutter, Kind

Im Land gibt es 6200 "Homo-Ehen" - Viele Hürden für Adoptionen

Bei den Koalitionsverhandlungen streitet sich die Politik über Adoptionsrecht und Homo-Ehe. 6200 solcher Beziehungen gibt es im Südwesten. Viele wünschen sich Kinder und fordern Gleichberechtigung.

16.11.2013
  • JONAS SCHÖLL, DPA

Heidelberg Emilia ist noch ziemlich neu auf dieser Welt. Zwei Wochen alt, um genau zu sein. Ihre Geburtsurkunde ist noch nicht gedruckt. Das ist nicht außergewöhnlich. Was darin unter dem Absatz "Eltern" stehen wird, aber schon: die Namen zweier Frauen nämlich. Die kleine Emilia wächst ohne Vater auf. Dafür aber mit zwei Müttern: Sandra und Katrin Häußler, beide 35 Jahre alt.

Die lesbischen Frauen sind eines von 73.000 Paaren in Deutschland, die laut einer Studie des Statistischen Landesamtes in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben. In Baden-Württemberg gab es im vergangenen Jahr rund 6200 solcher Beziehungen. Zum Vergleich: Die Statistiker zählten 2,4 Millionen klassische Ehen im Südwesten.

In "Regenbogenfamilien" wachsen die Kinder nicht mit Vater und Mutter auf, sondern mit zwei lesbischen Müttern oder zwei schwulen Vätern. Der Name leitet sich von der Regenbogenflagge ab, dem weltweiten Symbol der selbstbewusst auftretenden Homosexuellen.

Aus ihrer Lebensform machen die beiden Mütter Häußler weder Programm noch Geheimnis - was in einer Großstadt natürlich leichter fällt als an ihrem Wohnort, einem Dorf in der Nähe von Heidelberg. Offene Anfeindung erlebe das Paar zwar nicht, "doch man spürt, dass beim Dorfbäcker getratscht wird", sagt Katrin Häußler.

Auf Klischees der Leute haben sie aber nie geachtet: "Sonst verlierst du dich selber", sagt Partnerin Sandra. Den beiden war von Anfang an klar: "In einer Familie kommt es auf Liebe und Geborgenheit an, nicht auf die sexuelle Orientierung der Eltern." Die Mütter sind für die Szene fast schon so etwas wie eine Modell-Familie. Außer, dass sie den Trend zum Einzelkind brechen: Emilia hat schon einen Bruder: Gabriel, zweieinhalb Jahre alt. Beide Kinder wurden in einer Klinik in Dänemark gezeugt. Dabei wurden Sozialpädagogin Sandras Eizellen mit dem Sperma eines Fremden befruchtet.

"Wir haben uns bewusst für einen Spender entschieden, der keine soziale Rolle im Leben der Kinder einnehmen möchte. Wir wollen die Eltern sein", sagt Psychologin Katrin Häußler. Ihre Partnerin Sandra ist somit die leibliche Mutter des Nachwuchses. In Deutschland gibt es für schwule und lesbische Paare seit 2001 die Möglichkeit, eine eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen. Seit vier Jahren leben die Häußlers in einer solchen Partnerschaft - die der klassischen Ehe aber längst nicht gleichgestellt ist.

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hatte in mehreren Entscheidungen eine Gleichstellung mit der Ehe eingefordert - bei der Erbschaftssteuer, beim Grunderwerb, bei Betriebsrenten, beim Familienzuschlag für Beamte und zuletzt beim Ehegattensplitting. Zudem hatte das Gericht 2013 auch das Adoptionsrecht homosexueller Paare gestärkt. Dabei geht es um Fälle, in denen ein Partner bereits ein Kind adoptiert hat und der andere Partner zusätzlich Adoptivmutter oder -vater werden möchte. Diese "Sukzessivadoption" war zuvor nur Eheleuten erlaubt. Die gemeinschaftliche Adoption ist schwulen und lesbischen Paaren bislang aber vorenthalten. Darüber streiten im Moment auch Union und SPD in den Koalitionsverhandlungen.

Die Sozialdemokraten wollen die vollkommene Gleichstellung. Im Unterschied zu Hetero-Ehen ist bei gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften bei einer künstlichen Befruchtung der einen Frau nicht automatisch die andere auch Elternteil. Die einzige Möglichkeit, wie nichtleibliche Mütter eine rechtliche Elternschaft bekommen, ist seit 2005 eine "Stiefkind-Adoption", wie es im Juristendeutsch heißt. So hat Katrin mittlerweile Sohn Gabriel "zu-adoptiert". Bei Emilia wird das noch eine Weile dauern.

Im Land gibt es 6200 "Homo-Ehen" - Viele Hürden für Adoptionen
Sandra (links) und Katrin Häußler mit ihrem Sohn Gabriel und der zwei Wochen alten Emilia. Der Weg zum eigenen Nachwuchs ist für gleichgeschlechtliche Paare oft weit - es gibt eine Vielzahl rechtlicher Hürden. Foto: dpa

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16.11.2013, 12:00 Uhr
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