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Starrummel mit Nonne im Taubertal

Im Kloster Bronnbach passt alles, Bebenhausen ist dagegen zu modern fürs 18. Jahrhundert

Filmemacher finden in Baden-Württemberg sehr gute Bedingungen. Nicht nur die Kulisse stimmt für alle Genres, mit staatlicher Förderung wird auch die Finanzierung erheblich erleichtert.

07.02.2012
  • HANS GEORG FRANK

Wertheim Hubsteiger belagern die dreischiffige Basilika wie neugierige Gaffer, vor dem Prälatenbau bibbern Komparsen in eisiger Kälte, hinter dem Kreuzgang sind etliche Kilometer Kabel ausgerollt, die Landstraße ist immer mal wieder gesperrt - so also muss man sich Hollywood im Taubertal vorstellen. Im Kloster Bronnbach bei Wertheim entsteht der Kinofilm "Die Nonne" als deutsch-französisch-belgische Produktion, basierend auf dem Roman "La Réligiseuse" von Denis Diderot (1713 bis 1784). Zu den Hauptdarstellern gehört mit Martina Gedeck eine der besten deutschen Schauspielerinnen.

Erstmals hat eine Filmcrew das 1151 gegründete Zisterzienserkloster in Beschlag genommen. "Hier sind Top-Bedingungen", sagt Nicole Ringhut, die in Stuttgart lebende Ko-Produzentin. Zwei Wochen lang hat Regisseur Guillaume Nicloux das Sagen im Kloster. Doch die drei dort lebenden Patres des Ordene "Missionare von der Heiligen Familie" konnten sich damit offenbar bestens arrangieren - sie boten den Filmleuten ihre Hilfe an, schließlich sind sie mit dem klösterlichen Thema ja vertraut. Das Drehbuch war gleichsam von der Erzdiözese abgesegnet worden, jedenfalls kam aus Freiburg kein Veto.

Auch Matthias Wagner, Kulturmanager in Bronnbach, ist voll des Lobes für seine Gäste: "Wir kommen hervorragend klar." Die Anfrage der Filmer habe ihn "sehr gefreut", nicht nur, weil sie während der Winterruhe für eine Belebung sorgen. Die ungewohnten Mieter lassen sich die Klosterkulisse 24 000 Euro kosten, das entspricht fast der Hälfte des Kulturetats für ein Jahr, freut sich Wagner.

"Die Region eignet sich gut", stellte die Ko-Produzentin rasch fest. Weil eine Kamera dort nicht alltäglich ist, gebe es "ein Urvertrauen". "Wir haben das große Glück, dass wir die Ersten sind", erzählt Ringhut. Bronnbach hat es auch der mit vielen Preisen ausgezeichneten Martina Gedeck angetan, schätzt sie doch das "wunderbare Ambiente". Kaum etwas musste an dem alten Gemäuer geändert werden, "weil die Atmosphäre eins zu eins da ist für unsere Zeit - es ist ganz stimmig."

In Bebenhausen, ursprünglich als Drehort ausgeguckt, waren die Bedingungen viel ungünstiger. "Dieses Kloster ist rausgefallen, weil es extrem saniert ist", erklärt Nicole Ringhut, "wir hätten viel reinstecken müssen, damit es aussieht wie ein belebter Ort des 18. Jahrhunderts." Dafür waren die Motivsucher mit dem Erscheinungsbild des Klosters Maulbronn wiederum einverstanden. Im Weltkulturerbe wird vier Tage lang gedreht. Geschätzte Tagesmiete: 5000 Euro.

Wurde das Filmteam im Taubertal mit offenen Armen empfangen, so war es in Maulbronn anfangs nicht willkommen. Dort, wo auch schon Aufnahmen für die Lebensgeschichte der Hildegard von Bingen entstanden sind, ist scheinbar eine gewisse Sättigung erreicht. Anderthalb Monate lang habe sie Überzeugungsarbeit leisten müssen, berichtet die Ko-Produzentin, "bis Mitte Dezember wussten wir noch nicht, ob wir drehen können".

"Bei uns kann man jede Art von Film realisieren", behauptet Dieter Krauß von der Filmförderung Baden-Württemberg, "wir sind ein ganz starker Standort." Selbst auf den Karibikstrand müsse dank hervorragender Techniker nicht verzichtet werden: "Die visual effects übernehmen die Computer in Stuttgart oder Ludwigsburg." Das Land steuert zu Ringhuts 5,5 Millionen Euro teuren Klosterfilm 400 000 Euro bei, nachdem der Stoff als förderungswürdig angesehen wurde. Außer auf Qualität achten die Geldgeber auf den Regionaleffekt, "der muss möglichst hoch sein". Für jeden zugeschossenen Euro haben die Subventionsempfänger das Zweieinhalbfache im Land auszugeben, etwa für Masken- und Kostümbildner, Beleuchter, Techniker, Statisten. Dadurch sollen die filmwirtschaftlichen Strukturen gefestigt werden. Der Einsatz bei einer internationalen Produktion bringt nicht allein die weitere Qualifizierung mit sich, er eröffnet auch neue Chancen für nächste Projekte.

Wenn Filmcrews ihr Lager aufschlagen, profitieren auch Hoteliers, Gastronomen und Caterer. "Wir kennen alle Restaurants", verrät Nicole Ringhut, "bei den Wirten sind wir das Hollywood in Bronnbach." Fraglich ist der touristische Nutzen, da in dem 100-Minüter "Die Nonne" Bronnbach nicht beim Namen genannt wird. Gleiches gilt für Ludwigsburg, wo in diesen Tagen Jan Josef Liefers als Baron Münchhausen für einen weihnachtlichen Fernseh-Dreiteiler durch den Favoritepark reitet und im Schloss lügt, dass sich die Balken biegen.

Aber: Wegen der guten Konditionen und der schönen Bilder würden andere Produzenten nachfragen, glaubt Ringhut. "Es soll sich in der Szene rumsprechen", wünscht Dieter Krauß, der von einem "Knowhow-Transfer" spricht. Der Förderer rechnet fest damit, dass die Aufnahmen im Main-Tauber-Kreis dem gesamten Südwesten nutzen. Was dort geleistet werde, sei "für das Filmland Baden-Württemberg eine ganz wunderbare Referenz".

Große Bedeutung für den Drehort hat stets auch die mediale Aufmerksamkeit, die in Bronnbach nach Ansicht von Kulturmanager Wagner "einfach wunderbar" ausfällt. Berichte im Fernsehen und in Magazinen verhelfen zu mehr Bekanntheit und dann, so die Hoffnung, zu mehr Besuchern. Die bisher größten touristischen Nebenwirkungen brachte die "Schwarzwald-Klinik" dem Glottertal bei Freiburg. Dort fragen angeblich noch heute Besucher nach dem Operationssaal von Doktor Brinkmann, obwohl der charismatische Fernseh-Weißkittel das Skalpell schon 1988 aus der Hand gelegt hat.

Im Kloster Bronnbach passt alles, Bebenhausen ist dagegen zu modern fürs 18. Jahrhundert
"Ein wunderbares Ambiente." Schauspielerin Martina Gedeck lobt bei den Dreharbeiten für "Die Nonne" die Kulisse, das Kloster Bronnbach. Foto: dpa

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07.02.2012, 12:00 Uhr

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Schlichtweg genial ist an diesem strunzöden, oft lachhaften, aber nie wirklich lustigen Film eher mal gar nix. der Humor ist seicht, platt und bemüht, was dann gar mehr an einen teutonischen Genrevertreter gemahnt. von französischer Leichtigkeit und Spritzigkeit iss hier nix zu sehen. Einzig das engagierte Spiel der immer irgendwie knuffigen, sympathischen Virginie Efira rettet die cineastische Stinkbombe vor dem Totalabsturz. Um den Tagblatt-Kritiker indes muss man sich langsam wirklich Sorgen machen ...
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