Anbaggern ausdrücklich erwünscht

Im „Bagger-Erlebnispark“ in Bisingen werden Maschinenfans zu Baustellenhelden

Von Amancay Kappeller

Der Traum vom Baggern – ja, den gibt es offenbar wirklich. Einmal im Leben mit einer echten Baumaschine eine richtige Grube ausheben: Das scheint die Erfüllung vieler kleiner und auch großer Jungs. In Bisingen kann man sich diesen Traum jetzt erfüllen: Im April hat dort eine Bagger-Erlebniswelt aufgemacht – bisher der einzige Park dieser Art in Baden-Württemberg.

Im „Bagger-Erlebnispark“ in Bisingen werden Maschinenfans zu Baustellenhelden

Sie weiß, wie man anderen eine Grube gräbt: Bagger-Park-Chefin Sabrina Fecker-Seibold auf dem weitläufigen Gelände in Bisingen. Bild: Kappeller

Geschäftsführer des Freizeitgeländes sind Sabrina Fecker-Seibold und Daniel Eisenhardt – beide aus der Gegend. Wenn sie nicht gerade baggern lassen, engagieren sie sich bei der Freiwilligen Feuerwehr, Fecker-Seibold hat zudem 2010 den elterlichen Geflügelhof übernommen. Daniel Eisenhardt ist Straßen- und Tiefbaumeiste – und machte sich 2015 mit einem Bauunternehmen selbstständig.

„Wir haben uns hier ein bisschen unsere eigene Idylle geschaffen“, sagt Sabrina Fecker-Seibold. Die 35-Jährige hat mal Eventmanagement studiert – und den Hof, den ihr Ur-Opa Oskar Fecker 1942 gründete, wollte sie „in Richtung Erlebnispädagogik“ erweitern. Damit vor allem bei Kindern „die Faszination von Landwirtschaft, Bau und Handwerk wieder wecken“. Eine Zertifizierung zum Lernort Bauernhof, eine landesweite Initiative, schwebt ihr vor. Außerdem, eine ganz neue Zielgruppe auf den Hof zu holen. Warum? Weil Fecker-Seibold auf dem elterlichen Geflügelhof aufgewachsen ist, genau so wie ihre drei Kinder, – 9, 6 und 5 Jahre alt. „Ich kann mir keine schönere Kindheit als auf einem Hof vorstellen“, schwärmt die 35-Jährige.

Nun ist es erstmal ein Baggerpark geworden. Einen ersten Plan für den Park gab es im Februar. Ruckzuck setzten Fecker-Seibold und Eisenhardt ihre Idee in die Tat um und feierten bereits Anfang April Eröffnung. Allein der Maschinenpark hat einen Wert von rund 200 000 Euro. Für Kinder gibt es einen Münzbagger, einen Bagger bis 1,5 Tonnen, den schon Dreijährige steuern dürfen, und einen bis 3 Tonnen. Außerdem einen Mini-Kran. „Das ist weltweit der erste“, berichtet Fecker-Seibold stolz: Der Kran ist eine Sonderanfertigung einer Firma aus dem Schwarzwald – einer „kleinen Kunstschmiede“, die eben auch individuelle Kindergeräte herstellt. Ein Bagger in Pink soll in Kürze noch dazu kommen, „umgemodelt zum Einhorn“.

Und Erwachsene? Für die steht im Park eine Baumaschine bis 5, eine bis 7,5 und sogar eine bis 24 Tonnen: ein großer, roter Dinosaurier, 26 Jahre alt und quasi ein Oldtimer. „Ein beliebtes Frauenfahrzeug ist beispielsweise unser Kettendumper“, sagt Fecker-Seibold: ein Kipper mit Ketten also.

Und egal ob Mann oder Frau: Bei der Einweisung bleibt immer ein Mitarbeiter direkt beim Bagger. Das Fahrwerk ist stillgelegt. „Wir sehen schon Kinder, die haben Gefühl fürs Baggern und Traktor fahren“, freut sich die 35-Jährige. Rund 30 Prozent der erwachsenen „Baggerer“ sind Frauen. „Die sind meistensgeschickter, weil sie mehr Geduld haben“, sagt Fecker-Seibold lachend.

Kindergeburtstage kann man auf dem Hof und in der Bagger-Erlebniswelt feiern, außerdem nutzen Firmen den Park für Teambuilding-Events, es werden Baggerschulungen angeboten. Und dann machen Familien natürlich auch noch „einfach so“ einen Ausflug nach Bisingen. Um dem Nachwuchs einen lange gehegten Wunsch zu erfüllen – oder dem Papa. Denn nicht nur kleine Bagger-Fans bekommen bei monströsen Baumaschinen große Augen. Der Bob-der-Baumeister-Effekt tritt auch noch bei Erwachsenen ein.

So wie bei Christer Belser: Gemeinsam mit seiner Freundin hat er sich am Samstagmorgen von Nürtingen aus auf den Weg nach Bisingen gemacht. Das Baggern war ein Geburtstagsgeschenk, erzählt die Freundin. „Das ist echtes Spielzeug für Männer.“ Nacheinander probiert Belser die verschiedenen Bagger aus und scheint sichtlich in seinem Element zu sein. Mit dem größten Baustellengerät gilt es für ihn gerade, eine an der Schaufel befestigte Röhre in ein im Boden verankertes Kunststoffrohr zu friemeln. Im Hintergrund erhebt sich idyllisch die Hohenzollernburg.

Es werden verschiedene Baustellenolympiaden angeboten, erläutert Sabrina Fecker-Seibold. Man kann zum Beispiel Gummi-Enten angeln mit der Baggerschaufel oder versuchen, einen Ball mit selbiger durch ein Labyrinth zu schieben. „Die Leute fahren manchmal vier Stunden her, um hier eine Stunde zu baggern“, erzählt die 35-Jährige. Auch aus der Schweiz kommen Kunden. Für die Kleinsten gibt es eine Kinderbaustelle, die man kostenlos nutzen kann: Einen fast 40 Quadratmeter großen Sandkasten mit einer Naschhecke und jeder Menge Spielbagger zum Draufsitzen.

Die Erde, in der mit den „echten“ Baggern gebuddelt werden darf, wird vorher durchgelockert. „Es macht nicht so viel Spaß, wenn nur Lehm dran ist“, weiß Fecker-Seibold. „Die meisten sind glücklich, wenn sie einfach im Dreck graben dürfen.“ Sprichwörtlich Berge können im Park versetzt werden; und auch Hochstapelei ist erlaubt. Kinder können sich mit ihren Eltern im Wettbaggern messen. „Baggerspaß pur“ versprechen ausgraben, aufladen und kippen. Das gebaggerte Gestein und der Dreck lassen sich mit einem Dumper oder Radlader von A nach B bringen. Mit einem wendigen „Bobcat“ sind verschiedenste Aufgaben zu lösen.

Im Geschicklichkeitsbaggern ist Daniel Eisenhardt ein echter Profi: 2012 hat der 29-Jährige an der Bagger-WM in Schweden teilgenommen und wurde prompt Vize-Weltmeister. Mitgemacht haben damals rund 150 Berufsbaggerfahrer. „Man entwickelt ein gewisses Feingefühl mit der Maschine“, sagt Eisenhardt – über die Jahre, wenn man tagein, tagaus mit Baggern zu tun hat. Sabrina Fecker-Seibold findet es ihrerseits „faszinierend zuzugucken, was für eine filigrane Arbeit möglich ist mit den großen Maschinen“. Mit 30-Tonnen-Baggern Legosteine setzen – auch das ist drin.

Sein Können demonstriert Daniel Eisenhardt dann ganz spontan, indem er aus einem Pool mittels Haken an der Baggerschaufel große gelbe Gummienten fischt. Nicht einmal der Wind, der an diesem Samstag kräftig bläst, kann dem 29-Jährigen einen Strich durch die Rechnung machen. Toll fänden es Fecker-Seibold und Eisenhardt, wenn es gelänge, eine Bagger-Meisterschaft in Bisingen auszurichten: Vielleicht schon im nächsten Jahr.Bilder: Kappeller


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31.08.2017 - 01:00 Uhr