Kommentar Verfassungsgericht

Ihr gutes Recht

Von MATHIAS PUDDIG

Wieder einmal – wie schon bei der Eheöffnung - fordert das Verfassungsgericht den Gesetzgeber auf, sich doch mal locker zu machen. Diesmal geht's um Intersexualität: Neben die beiden Kästchen für „männlich“ und „weiblich“ auf den Geburtsurkunden soll ein drittes gestellt werden.

Berlin. Das Recht soll sich so der Wirklichkeit anpassen, auch wenn diese nur jeden Tausendsten betrifft.

Denn auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen: Intersexualität gehört zur Wirklichkeit. Sie wurde in fast allen Kulturen und zu fast allen Zeiten beschrieben. Es gibt Schattierungen zwischen den beiden Polen Mann und Frau. Die Idee, diese Schattierungen mithilfe der Medizin zu beseitigen und mithilfe von Gesetzen einzuhegen, ist im Vergleich dazu relativ jung. Und sie ist mit dem Grundgesetz nicht zu vereinbaren.

Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn es Gesetze in Deutschland gibt, die sich mit Grundrechten nicht in Einklang bringen lassen, dann muss man sie ändern. Es spielt keine Rolle, dass von ihnen nur wenige Menschen betroffen sind. Das hätte allerdings auch der Bundestag wissen können.


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09.11.2017 - 06:00 Uhr