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„Ich wollte die Aufmerksamkeit“
Angeklagter und Verteidiger im Gerichtssaal. Foto: dpa
Prozess

„Ich wollte die Aufmerksamkeit“

Ein 22-Jähriger ist wegen Bombendrohung beim Heilbronner Volksfest und Brandstiftungen angeklagt.

21.02.2017
  • HANS GEORG FRANK

Heilbronn. Die Bombendrohung gegen das Heilbronner Volksfest und zwei Brandstiftungen in einem Wohnhaus hat der 22 Jahre alte Angeklagte gestern gestanden. Doch vor dem Heilbronner Landgericht konnte er nicht überzeugend erklären, welches Motiv er gehabt hat. „Ich wollte die Aufmerksamkeit auf mich ziehen“, begründete er den vorgetäuschten Anschlag auf dem Rummelplatz. Papiercontainer in dem von ihm auch selbst bewohnten Gebäude habe er angezündet, weil er wegen Beziehungsknatsch, Stress im Job und Finanzproblemen „in ein Loch gefallen“ sei.

Die Anklage wirft dem Kraftfahrer vor, er habe versucht, „16 Menschen heimtückisch zu töten“, als er das Papier im Kellerraum des Bad Wimpfener Mehrfamilienhauses mit dem Feuerzeug entflammt hat.

Er war im Januar 2016 kaum dort eingezogen, als die Feuerwehr mitten in der Nacht ausrücken musste. Drei Wochen später wiederholte sich das gefährliche Szenario. Eine 78-Jährige musste mit der Drehleiter vom Balkon geholt werden. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden beträgt 47 855 Euro.

Auf 200 000 Euro summierten sich die Kosten durch die Bombendrohung, allein die Schausteller machen 150 000 Euro als Verlust geltend. Am ersten Tag des Volksfestes waren gegen 0.11 Uhr bei Polizei und Rettungsleitstelle zwei identische Anrufe eingegangen: „In einer Stunde Bombe Theresienwiese.“ Erst als die Stimme veröffentlicht worden war, wiesen Bekannte und eine Lehrerin auf Marcel T. hin. Bei der Polizei legte er ein Geständnis ab, sprach von Langeweile und gestand die Brandstiftungen. Die Bombendrohung minderte wohl die Attraktivität des Festes: Es waren 50 000 Besucher weniger gekommen als früher.

Mit Drohungen hat der Angeklagte bereits Erfahrung. An seiner Schule in Heilbronn kündigte er 2010 einen Amoklauf an. Er werde „ein Blutbad errichten“, stand in seinem Brief. Offenbar genügte ihm das Polizeiaufgebot nicht, weshalb er wenig später ein Schreiben im Sekretariat abgab mit der Behauptung, der Amoklauf werde „irgendwann in dieser Woche“ folgen. „Ihr Schweine, es wird euch allen noch leid tun“, war zu lesen.

Mit der Schule hatte Marcel von Anfang an Probleme. Bereits die erste Klasse musste er wiederholen. Kam dann in eine Förderschule und eine spezielle Wohngruppe. Bei ihm sei ADHS diagnostiziert worden, „ich war ein anstrengendes Kind“. Seit seinem 18. Lebensjahr rauchte er Joints: „Der Kopf ist einfach frei.“ Vor den Brandstiftungen habe er auch zur Droge gegriffen. Richter Roland Kleinschroth ließ dies nicht als Erklärung gelten: „Eine Marihuana-Zigarette kann ein solches Aussetzen des Gehirns nicht bewirken.“

Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage anberaumt. Mit dem Urteil ist am 16. März zu rechnen. Hans Georg Frank

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21.02.2017, 06:00 Uhr
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