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„Ich habe ein Bett im Garten“
Im Moment kann sie sich nicht vorstellen, wieder nach Deutschland zu ziehen: Marie Bäumer. Foto: Getty Images
Interview mit Marie Bäumer

„Ich habe ein Bett im Garten“

Die Schauspielerin Marie Bäumer spricht im Interview über ihr Dorfleben in Frankreich, warum sie sich dort manchmal als Floristin ausgibt und ihre Filmarbeit in Deutschland.

14.09.2017
  • CORNELIA WYSTRICHOWSKI

Marie Bäumer glänzte schon als verführerische Westernschönheit in „Der Schuh des Manitu“ oder als betrogene Frau im Drama „Der alte Affe Angst“. Nun ist die 48-Jährige an der Seite der Filmdiva Hannelore Elsner in einem tragikomischen Roadmovie zu sehen: In „Ferien vom Leben“ flieht die betagte und todkranke Lilo (Hannelore Elsner) vor der Einweisung in ein Heim, indem sie kurzerhand bei einem Trucker als Anhalterin mitfährt. Ihre Tochter Caro (Marie Bäumer) eilt ihr hinterher – die letzte gemeinsame Reise bringt Mutter und Kind einander endlich wieder näher.

Frau Bäumer, in „Ferien vom Leben“ geht es um eine kaputte Familie, die erst in der Not wieder zusammenfindet. Sind Sie ein familiärer Mensch?

Marie Bäumer Ja, absolut. Meine Familie und ich feiern jedes Jahr ein großes Familienfest, bei dem alle zusammenkommen. Wir können nicht ständig alle zusammenglucken, weil das in meinem Beruf nicht geht. Aber gerade deshalb sind wir immer froh, wenn wir uns treffen.

Die Tragikomödie mutet dem Zuschauer einiges zu: Es geht um eine sterbenskranke Mutter und den tragischen Tod eines Kindes . . .

Mir ist es grundsätzlich wichtig, dass es in einem Film um etwas geht.

Sie haben 2001 in Bully Herbigs „Der Schuh des Manitu“ gespielt, einem der erfolgreichsten Filme der deutschen Kinogeschichte. Was hat das für Ihre Karriere bedeutet?

Das hat für Bully Herbig damals mehr bedeutet als für mich, denn ich hatte ja schon „Männerpension“ gedreht. Es war für mich deshalb kein einschneidender Moment, aber die Rolle hat mir wahnsinnig Spaß gemacht. Ich liebe diesen Film, es war ein herrlicher Ausflug in die Comedywelt. Und der Erfolg war natürlich großartig. Ich weiß noch, wie ich damals irgendwann Skilaufen war und meinem Sohn die Skischuhe zugemacht habe. Als ich wieder hochkam sagte er zu mir: „Du, Mama, Du musst Dich jetzt mal um die ganzen Leute kümmern.“ Ich drehte mich um und da stand eine komplette Schulklasse, es ging erst mal gar nichts mehr. Dass meine Fans mich bis auf die Toilette im Restaurant verfolgt haben, war schon eine erhebliche Änderung.

Sie leben seit längerem in Frankreich. Sind Sie auch dorthin gezogen, um dem Ruhm in Deutschland zu entkommen?

Nein, das war nicht der Hauptgrund, wieso ich weggegangen bin. Es kann schon mal angenehm sein, ganz inkognito zu sein, aber in meinem Dorf kennen mich ja alle und wissen, dass ich Schauspielerin bin. Aber wenn ich mal irgendwo auf einem Fest eingeladen bin und keine Lust habe, über meinen Beruf zu sprechen, dann sage ich, ich sei Floristin – dann sprechen wir über Blumen, das ist auch schön.

Wie sieht Ihr Alltag in der Provence aus? Leben Sie ein Bilderbuchleben und kaufen täglich ein frisches Baguette?

Ich frühstücke Müsli oder Porridge – Baguette esse ich nur, wenn Freunde kommen. Abgesehen davon hat mein Leben etwas von einem Pippi-Langstrumpf-Dasein. Ich habe zum Beispiel ein Bett im Garten und schlafe den ganzen Sommer lang draußen. Außerdem hat das Dorfleben einen eigenen Rhythmus, die Menschen hier machen alle zwei Stunden lang Mittagspause, trinken ihr Gläschen Wein und ruhen sich aus. Das hat etwas sehr Gesundes. Ich vermisse mein Dorf sehr schnell, wenn ich mal weg bin.

Demnach könnten Sie sich nicht vorstellen, irgendwann wieder nach Deutschland zu ziehen?

Das könnte ich mir im Moment nicht vorstellen. Ich bin sehr gerne in Deutschland, weil ich da meine Freunde und meine Familie sehen kann. Aber je älter ich werde, desto mehr versuche ich, das zu verkürzen. Wer mich besucht, der versteht das auch, weil es hier in der Provence einfach so schön ist.

Wirkt es sich negativ auf Rollenangebote aus, dass Sie nicht in Deutschland leben?

Nein. Wichtig ist, dass man sich aus dem Betrieb nicht völlig rauszieht. Mir machen die ganzen Großveranstaltungen der Branche zwar nicht wahnsinnig viel Spaß. Aber wenn ich zwischendurch mal aus meinem Dorf weg bin, kann ich eine Woche Berlinale oder ein anderes Festival dann auch ganz gut genießen, und meistens habe ich Glück und daraus entsteht das nächste Filmprojekt.

Sie sind demnächst in einer ganz besonderen Rolle zu sehen: Sie spielen Romy Schneider im Film „3 Tage in Quiberon“, der kommendes Jahr ins Kino kommen soll . . .

Ich habe in den vergangenen Jahren viele Angebote bekommen, Romy Schneider zu spielen, die habe ich abgelehnt. Nun wurde ein Film gedreht, aber der ist noch nicht fertig, deshalb darf ich dazu leider noch nichts sagen.

Info „Ferien vom Leben“ läuft am Sonntag, 20.15 Uhr, im ZDF.

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14.09.2017, 06:00 Uhr

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