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Zu viele Witzfiguren

"Hotel Lux" oder: Wenn Leander Haußmann mit Bully eine Komödie dreht

Leander Haußmann dreht mit Bully Herbig: "Hotel Lux" soll das deutsche Kinoereignis im Herbst werden. Jetzt war die aufwendige historische Farce erstmals zu sehen, die Werbetrommel schlägt laut los.

20.09.2011
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

"Hotel Lux" oder: Wenn Leander Haußmann mit Bully eine Komödie dreht
Leander Haußmann (2.v.r.), Regisseur von "Hotel Lux", mit seinen Stars (v.l.) Michael Bully Herbig, Thekla Reuten und Jürgen Vogel. Fotos: Constantin Film

München Der Hauptdarsteller sagt über den Regisseur, der sei bei der Arbeit "auf charmante Art unvorbereitet." Oha. Der Regisseur sagt über seinen Star, "er hat die Möglichkeit, sich einzumischen, und davon macht er Gebrauch". Oha.

Der Regisseur ist Leander Haußmann (52): Theatermacher mit Hang zum kreativen Durcheinander, der seit seinem Kinodebüt "Sonnenallee" vier weitere Filme gedreht hat, aber keinen einzigen rundum gelungenen.

Der Hauptdarsteller ist Michael Bully Herbig (43): Perfektionist, Comedy-Großmeister und seit dem "Schuh des Manitu" Goldjunge der deutschen Kinokomödie.

Diese beiden haben "Hotel Lux" gedreht. Eine Gratwanderung: Unterschiedlichere Vertreter ihrer Profession könnten kaum aufeinandertreffen. Das Sujet ihres Werks ist eine weitere Gratwanderung: "Hotel Lux" ist eine im finsteren historischen Umfeld spielende Komödie.

Ein Risiko für die Produzenten also, und so läuft schon fünf Wochen vor dem Kinostart (27.10.) die PR-Maschine an. Gestern wurde der Film erstmals Journalisten gezeigt: Farbton, Sound und Musik sind noch nicht fertig, Untertitel fehlerhaft, aber einem "abstraktionsfähigen Fachpublikum", so Constantin Film, könne man ihn zeigen.

"Hotel Lux" oder: Wenn Leander Haußmann mit Bully eine Komödie dreht
Siggi Meyer (Jürgen Vogel) und Hans Zeisig (Michael Bully Herbig) in ihren besten Rollen: Hitler und Stalin.

Konkret erzählt "Hotel Lux" die Geschichte des arglosen Komikers Hans Zeisig (Bully). Mit seinem Kumpel Siggi Meyer (Jürgen Vogel), Jude und Kommunist, macht er im Berlin der 30er Varieté: Ihr Hit ist eine Hitler-und-Stalin-Parodie. Das geht natürlich nicht lange gut, Zeisig flieht mit falschen Papieren vor den Nazis. Er landet im Moskauer "Hotel Lux", Zufluchtsort kommunistischer Funktionäre, viele davon Deutsche. Zeisig wird vom Sowjet-Geheimdienst mit Hitlers abtrünnigem Leib-Astrologen verwechselt und zu Stalins Liebling. Schließlich taucht auch Meyer im Hotel auf. Immer wieder müssen die beiden ihren Kopf aus der Schlinge ziehen - und, Überraschung, manchmal ist es hilfreich, wenn man sich als Hitler und Stalin verkleiden kann.

Das Hotel Lux gab es wirklich, der Zufluchtsort erwies sich für etliche Kommunisten als tödliche Falle. Es herrschten Angst und Denunziation, und Stalins "Säuberungen" überlebten dort viele nicht. Dürfen Komödien im historisch verbürgten, mörderischen Milieu spielen? Darf man Menschen im Angesicht des totalitären Schreckens zum Lachen bringen? Natürlich, man kann. Aber man muss es können. Haußmann mag sich an Ernst Lubitschs "Sein oder Nichtsein" orientiert haben - aber ihm fehlen dessen Präzision und Klarheit.

"Hotel Lux" will politische Farce, Gaunerstück, Verwechslungsklamauk, Abenteuergeschichte und Love Story unter einen Hut bringen, die Folge ist ein schwankender Erzählton. Dank des talentierten Ensembles und der feinen Ausstattung ist der Film gut anzusehen, doch amüsant zugespitzten Dialogen folgen zuweilen Plattheiten, ausgefeilte Situationskomik wechselt sich mit Läppischem ab. Zudem ist die Liebesgeschichte - mit einer niederländischen Untergrundkämpferin - nicht glaubwürdig. Und der Zufall tut arg unbekümmert mit.

Bolzenschießende Kinder kommentieren ihre Treffer mit "Auf der Flucht erschossen", Walter Ulbricht übt schon mal und baut eine Mauer aus Zuckerwürfeln: Das historische Personal Ulbricht, Becher, Wehner & Co. wird chargenhaft eingesetzt - allesamt Witzfiguren. Verharmlosung der Historie? Haußmann verwahrt sich dagegen: Das Geschehen werde konsequent aus der Sicht seiner naiven, unschuldigen Hauptfigur gezeigt.

Die Inkonsistenz des Films mag auch seiner nicht reibungslosen vierjährigen Vorgeschichte geschuldet sein. Der Schriftsteller Uwe Timm hatte ein Exposé geschrieben, dann kam Haußmann ins Spiel. Produzent Günter Rohrbach beschreibt das so: Haußmann habe eine Fülle von Ideen, "er wirft Bälle in die Luft und hofft, dass der arme Autor herumrennt und sie auffängt." Das war Timms Sache nicht.

Ein weiterer Autor wurde verschlissen, schließlich schrieb Haußmann das Drehbuch selbst. Auch musste Produzent Rohrbach erstmal Bully vom Mittun überzeugen. "Zu dramatisch, zu brutal" fand der frühe Drehbuchfassungen; erst ein leichterer Ton überzeugte ihn. Letztlich könne er sich mit der Rolle identifizieren: "Ein Komiker, der keine Ahnung hatte." Hotel Lux? Er habe nur das Hotel California gekannt.

Hinter der Kamera habe er sich versucht zurückzuhalten, erzählt der Perfektionist. Aber Haußmann verrät, dass es schon Bully war, der auf diszipliniertes Arbeiten geachtet habe. Rohrbach nennt Haußmanns Regiestil "unkonventionell locker". Aufgrund der wohl nicht lockeren Post-Produktion wird "Hotel Lux" nun auf den letzten Drücker fertig. Es laufe halt nicht immer alles harmonisch ab, sagt Haußmann und spricht vom "schwersten Film, den ich je gemacht habe".

Die Produzenten hoffen, dass die Millionen Bully-Fans "Hotel Lux" nun zum Erfolg machen. Vielleicht werden dann Bully und Haußmann auch richtige Fans voneinander.

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20.09.2011, 12:00 Uhr

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...  Der beste Film, den ich seit langem gesehen habe: Unterschiedliche Protagonisten versuchen jeder auf seine Art, sich durch das Menschenaffentum zu schlagen. Sie tun das mit Witz, Einfallsreichtum und Zusammenhalt. Zunächst will ihnen das auch gelingen, dann werden Ihnen doch zu viele Steine in den Weg gelegt. Die Aufnahmen der einzelnen Szenen sind grandios, die Musik ist spitze, und die Handlung ist bitter-böse-humorvoll. Gut fand ich die Szene, als der Typ bei der Polizei sitzt und die seine Finger anbscannen und seine Hand in einen Scanner legen. Und dann das Geräusch von diesem absurden Gerät in die Stille des Kinosaals hinein, super! Oder der Bulle, dessen Finger wie eine blinde Krähe über der Tastatur kreist, bevor sie dann gnadenlos zuschlägt
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