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Vom Kloster zur Kaserne

Historische Stadtführung mit Orgelmusik

Ursula Kuttler-Merz war selbst erstaunt über den großen Andrang zu ihrer Kloster- Stadtführung mit Orgelmusik. Trotz der bitteren Kälte kamen mehr als 80 Teilnehmer zum Treffpunkt auf dem Rottenburger Marktplatz.

26.02.2013
  • von Werner Bauknecht

Rottenburg. Der zweieinhalbstündige Rundgang begann beim ehemaligen Karmeliterkloster, an dessen Stelle heute das Priesterseminar steht. Erhalten ist noch die Kapelle, in der Christina Kuttler (die Tochter der Stadtführerin) die Besucher mit einem mittelalterlichen Orgelstück Bernhard Schmids des Älteren empfing.

Bereits 1276 schenkte Graf Albert II. von Hohenberg das Grundstück den Karmelitern, die darauf das Kloster bauten. Das 1292 gegründete Kloster ist das zweitälteste Kloster der Region – nach dem in Esslingen. Reichlich Geldgeschenke waren nötig zum Bau der Anlage, wobei sich auch die Herren von Ehingen als große Wohltäter hervortaten.

„Die alte Karmeliterkirche kann man sich in etwa so vorstellen wie die Tübinger Stiftskirche,“ sagte Kuttler-Merz. Aber kaum hatten die Karmeliter ihre schöne Anlage, kam auch Neid auf, und der Kaplan von St. Martin stellte gleich mal die Behauptung auf, dass die Gebete bei den Karmelitern unwirksam seien. Den Streit mußte prompt der Bischof schlichten.

Während der Reformationszeit im 16. Jahrhundert rannten dem Kloster die Mönche davon. Einer der lutherischen Rädelsführer, Jakob Bern, wurde umgehend der erste evangelische Pfarrer in Remmingsheim.

Nach dem ersten Rottenburger Stadtbrand wurde Geld gesammelt und wieder aufgebaut. 1735 brannte das Kloster ein zweites Mal nieder. „Die Rottenburger waren schon arg gebeutelt“, so Kuttler-Merz. Zwar erfolgte bereits 1747 die erneute Einweihung des neuen Klosters, aber 1806, als Rottenburg an Württemberg fiel, war es vorbei mit der Herrlichkeit. Das Gebäude wurde zur Kaserne umgewidmet, die Mönche wurden überwiegend in den Ruhestand geschickt.

Die 1320 gegründete Moriz-Kirche, nächste Station des Rundgangs, beherbergte ein Kollegium von zwölf Chorherren. Diese waren für die Seelsorge in Ehingen zuständig. Jeder Chorherr, welch ein Luxus, hatte eine eigene Behausung. In einer davon befindet sich heute die Moriz-Bücherei.

Um 1339 inkorporierte Graf Hugo von Hohenberg die Pfarr-Rechte der Remigius-Pfarrei zur besseren finanziellen Ausstattung von St. Moriz. Ende des 15. Jahrhunderts trat Erzherzogin Mechthild auf den Plan, und verdonnerte die widerspenstigen Weilermer zum Besuch der Moriz-Kirche. Die hatten sich nämlich dagegen gesträubt.

Aber auch Sankt Moriz mit seinen Chorherren blieb von der Reformation nicht verschont. Lutherisches Gedankengut wurde gepredigt. Das führte sogar soweit, dass die Katholischen einen Kriegszug androhten. Doch das Vorhaben scheiterte am Geld. Die Aufsässigen endeten in der Remmingsheimer Enklave.

Aber auch St. Moriz ereilte das Schicksal der napoleonischen Verschiebungen von 1806, das Stift wurde geschlossen, selbst der Stiftsfriedhof wurde aufgelöst. Christina Kuttler spielte zum Ende für die Besucher ein Presto von Händel auf der großen Orgel.

Mit der letzten Station der Führung, der Klausenkirche, hatten die Teilnehmer Pech – die Kirche war am Sonntagnachmittag geschlossen. Doch die Geschichten von Ursula Kuttler-Merz zur Historie der „Oberen Klause“, wie es damals hieß, unterhielten auch im Freien.

Durch die Übertragung der Pfarr-Rechte auf St. Moriz wurde die Remigius-Kirche (gemeinsam mit der Sülchenkirche die älteste Rottenburgs) an der Klause frei. Franziskanerinnen zogen in St. Remigius ein und hielten sich vorwiegend mit Handarbeiten und Webereien über Wasser. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche am Sülchen zerstört, so dass die dort vertriebenen Nonnen schnurstracks bei den Franziskanerinnen in die Klause einzogen. „Eine Nonnen-WG“, scherzte Kuttler-Merz.

Nicht nur die älteste Glocke Rottenburgs aus dem 14. Jahrhundert findet sich in der Kirche, sondern auch die, laut Aufschrieben, mit über 106 Jahren älteste Nonne. Unmut kam in der Bevölkerung auf, als man den Nonnen ihr Lotterleben vorwarf. Der Höhepunkt: Eine Nonne wurde von einem Chorherren aus St. Moriz geschwängert.

„Zur Ehrenrettung Rottenburgs muss man sagen“, beschwichtigte Kuttler-Merz, „dass es in anderen Klöstern auch nicht gesitteter zuging.“ 1782 fand man, dass die Nonnen „unnütz“ seien, und löste das Kloster kurzerhand auf. Später wurden die Räume für Futterlager oder als Pferdestall zweckentfremdet. Der Klostergarten soll sich übrigens bis über die heutige Bahnlinie hinweg erstreckt haben.

Historische Stadtführung mit Orgelmusik
Die Kapelle des ehemaligen Karmeliterklosters gehört heute zum Rottenburger Priesterseminar. Stadtführerin Ursula Kuttler-Merz (in der grünen Jacke) erläuterte das wunderbare Fresko von Wilhelm Geyer aus Ulm.Bild: Bauknecht

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26.02.2013, 12:00 Uhr

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