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Starke Stofftiere

Heute wird die Teddybären-Ausstellung im Gomaringer Schloss eröffnet

Nicht erschrecken: Am Eingang grüßt ein Bär, der es fast mit einem Grizzly aufnehmen könnte. Seine Artgenossen in den drei Ausstellungsräumen sind kleiner. Trotzdem waren sie nicht immer der Kinder Freund.

26.11.2012
  • Gabi Schweizer

Gomaringen. Der Elefant hätte das Rennen auch machen können. Er stand ja sogar ganz am Anfang der Steiff’schen Kuscheltier-Erfindungskette, wenngleich die kleinen Elefäntle wahrscheinlich gar nicht als Spielgefährten gedacht waren, sondern als Nadelkissen gepiesackt werden sollten. Margarete Steiff, Schneiderin und Gründerin der gleichnamigen Spielwarenfabrik, nähte Hunde, Katzen, Pferde. Aber der Bär, nach dem Design ihres Neffen Richard, wurde zum Verkaufsschlager.

Man mag nun anführen, dass so ein Zotteltier einfach kuscheliger ist als, sagen wir mal, ein Elefant; dass Bären eher geeignet sind, unter Kinderbetten lauernde Monster zu vertreiben als eine Katze; dass der bärische Körperbau dem des Menschen am meisten ähnelt – er kann sich, das wusste man im 19. Jahrhundert von tierschutzrechtlich mehr als fragwürdigen Tanzbär-Darbietungen – aufrichten. Aber daran kann es auch nicht (nur) gelegen haben. Spielzeugbären gab es schon, als der Knopf im Ohr noch nicht erfunden war. Im Gomaringer Schloss-Museum sind nun einige Vorgänger zu sehen. Ein besonders prächtiges Exemplar steht vierfüßig auf Rollen und sieht ganz und gar wie ein Tier aus, ganz und gar nicht wie ein Mensch.

Höchstwahrscheinlich war es ein amerikanischer Präsident, der dem Teddybären zu Berühmtheit und einem Namen verhalf. „Das“, sagt Sammlerin Kornelia Hermann, „ist für mich die authentischste Geschichte.“ Und so stehen sie und Ausstellungsmacherin Birgit Wallisser-Nuber beim Pressegespräch zwischen Vitrinen voller Teddybären und erzählen die Anekdote von der (zunächst) erfolglosen Spielwarenmesse 1903 in Leipzig, auf der die Steiff-Bären trotz der beweglichen Arme (ein Novum!) fast Ladenhüter geblieben wären. Erst am allerletzten Tag kam ein Anhänger Theodore Roosevelts vorbei, kaufte Berge davon, verbreitete sie in Amerika und sorgte so dafür, dass der Teddy auf Umwegen auch in seinem Herkunftsland berühmt wurde. In den USA nämlich, berichtet Wallisser-Nuber, war der Bär – etwa in Form eines Ansteckers – schon davor zum Markenzeichen des Präsidenten und seiner Unterstützer geworden. Roosevelt, leidenschaftlicher Jäger, soll sich einmal geweigert haben, die Flinte auf einen Stoffbären zu richten, den beflissene Anhänger mangels lebender Tiere im Wald aufgestellt hatten.

So hielten immer mehr Bären auch in deutschen Kinderzimmern Einzug, vornehmlich für kleine Jungen. Kornelia Hermanns Sammlung umfasst Bären in Matrosenanzügen, im Flieger-Outfit, tierisch starke Feuerwehrleute. Frühe Exemplare zu erkennen ist nicht schwer: Je älter sie sind, desto weniger ausgeprägt ist das Kindchenschema. Richard Steiff hatte sich mit dem Zeichenblock in die Wilhelma gesetzt und dort Anregungen geholt – so haben die frühen Steiff-Bären einen kleinen Buckel direkt unterm Kopf, lange Gliedmaßen, spitze Schnauzen. „Mit den Jahren werden die Beine kürzer, die Gesichter voller, die Schnauzen kürzer“, erklärt Wallisser-Nuber. Das gilt für Steiff ebenso wie für die zahlreichen weniger bekannten Firmen, die in die Kuscheltier-Produktion einstiegen.

Die Ausstellung im Gomaringer Schloss – die 33. des Geschichts- und Altertumsvereins – stellt auch die weniger schönen Seiten der Teddybären-Industrie dar. Ein Poster zeigt eine Familie, hauptsächlich Frauen, die um einen riesigen Holzwolleberg sitzen und das Füllmaterial mit Trichtern in Bären-Arme, -Beine und -Bäuche pressen. Auch Kinder hocken in der Runde – sie wurden ebenfalls eingespannt, vor allem beim Wenden der Einzelteile. Mit ihren kleinen Händen gelang ihnen das besser als den Erwachsenen. Eine Näherin kam 1925 auf 14 Pfennig pro Stunde.

Kornelia Hermann ist in den 60er-Jahren groß geworden – zu Zeiten der Zottis, Bären mit besonders krausem Fell. Sie selbst hatte keinen, nur zwei Puppen. Für Spielsachen war das Geld knapp. Und so hat sie sich als Erwachsene viele Wünsche erfüllt, die damals Wünsche geblieben waren. „Ich bin die Puppensammlerin“, sagt sie fröhlich: „Sammler sind ein bisschen verrückt, aber ein bisschen verrückt darf man sein.“

1997 hat sie in Rottweil ein Puppenmuseum eröffnet, in Gomaringen die allererste Ausstellung im Schloss mit Puppen bestückt. Nun, zum 110. Geburtstag des Steiff-Teddybären, stellt Hermann ihre Sammlung erneut zur Verfügung. Drei Räume füllen die Teddys – und nur eine Vitrine stammt von einer anderen Sammlerin, die eigentlich gar keine Sammlerin, sondern eine begabte junge Teddybären-Designerin ist: Die 16-jährige Felicitas Wolff näht selbst bärenstarke Stofftiere.

Info: Ausstellungseröffnung von „Die Bären sind los“ ist heute um 19 Uhr im Bürgersaal des Schlosses, Birgit Wallisser-Nuber referiert.

Heute wird die Teddybären-Ausstellung im Gomaringer Schloss eröffnet
Sie sammelt eigentlich Puppen, hat für sie sogar ein eigenes Museum in Rottweil eingerichtet. Dafür, dass die Teddybären für Kornelia Hermann fast so etwas wie „Beiwerk“ sind, sind es ganz schön viele. Aber die Erklärung ist einfach: Ehemann Jürgen findet Teddys klasse – und so wächst die Hermann’sche Sammlung immer weiter.Bild: Rippmann

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26.11.2012, 12:00 Uhr
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