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Hausbesetzung: Aktivisten und die Vertreterin der Eigentümer haben eine vorläufige Einigung gefunden
Aktivisten spielen „Schwimmen“ in einem der teils mit Holz vertäfelten Räume des besetzten Hauses in der Stauffenbergstraße 10. Bild: Sommer
Keine Wielandshöhe-Party

Hausbesetzung: Aktivisten und die Vertreterin der Eigentümer haben eine vorläufige Einigung gefunden

Wir wollten Gespräche, die nicht den Charakter einer Erpressung haben, sondern einen Dialog“, sagte Heidrun Kopp dem TAGBLATT. Früher als geplant war die Oberin der Evangelischen Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal gestern von einer Konferenz in Berlin zurückgekehrt, um vor Ort mit den Besetzern zu verhandeln.

29.10.2016
  • Philipp Koebnik

Am Donnerstagabend hatten einige Dutzend Aktivisten die „Wielandshöhe“ in der Stauffenbergstraße 10 vorläufig in ihren Besitz genommen. Die Polizei war abgezogen, nachdem der Leiter des Tübinger Ordnungsamts Rainer Kaltenmark mit den Besetzern verhandelt hatte (wir berichteten). Das Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute Haus gehört der Schwesternschaft, die sich jedoch erst im September dazu entschieden hatte, das denkmalgeschützte Gebäude zu verkaufen.

Knapp 20 Aktivisten hatten in dem Haus, das seit April leer steht, übernachtet. Frieren mussten sie nicht – die Heizung funktioniert einwandfrei. Auch Strom gibt es. Neben den Waschbecken steht sogar noch Flüssigseife und die Spender mit Papierhandtüchern sind gut gefüllt.

Am Abend der Besetzung gab es ein offenes Plenum, an dem bis zu 70 Aktivisten und Unterstützer teilnahmen. Schnell erzielten sie einen Konsens darüber, mit dem Haus pfleglich umgehen zu wollen. So sollten vorläufig nur das UG und das EG genutzt werden. Außerdem brachten die Aktivisten in den Fluren Plakate an: „Seid respektvoll! Bitte nicht vollschmieren, randalieren, vollmüllen, rauchen.“ Woanders machen Zettel darauf aufmerksam, dass das Gebäude unter Denkmalschutz steht. „Es muss klar sein, dass das hier keine Party-Besetzung ist“, betonte einer der Aktivisten beim Plenum.

Nicht zuletzt deshalb verzichtet die Schwesternschaft vorerst darauf, Anzeige zu erstatten oder eine Räumung zu erwirken. Unter Vermittlung von Baubürgermeister Cord Soehlke hatten Kopp und zwei Diakonie-Brüder gestern zwei Stunden mit den Aktivisten verhandelt. Das Ergebnis: Bis Sonntagabend müssen diese das Haus verlassen. Die Schwesternschaft will prüfen, ob das Ziel der Aktivisten – bezahlbarer Wohnraum in Tübingen – beim Verkauf berücksichtig werden könne, so Kopp. Die interessierten Initiativen sollten eine „ernste Chance“ bekommen, sich zu bewerben. Es soll also nicht an den Meistbietenden vergeben werden. Die Oberin betonte aber: „Als gemeinnütziger Träger dürfen wir nicht unter Wert verkaufen.“ Die Einigung steht unter dem Vorbehalt, dass die Gremien der Schwesternschaft zustimmen. Mit den Aktivisten wolle man in Kontakt bleiben. Diese werteten die Einigung als Erfolg. Nun hätten nicht nur große Investoren, sondern auch kleinere Initiativen eine Chance. Bei den Mitgliedern des Gemeinderats stieß die Besetzung auf ein geteiltes Echo. Es sei „eine Provokation, das Haus so lange leer stehen zu lassen, ohne zu sagen, wie es weitergehen soll“, so Ernst Gumrich (Tübinger Liste). Die Besetzung sei „als politisches Zeichen legitim“. Generell jedoch könne er Besetzungen nicht gutheißen.

„Es ist ein Unding, dass Häuser leer stehen“, sagte Susanne Bächer (AL/Grüne). Für die Aktion habe sie deshalb Verständnis. Das vom Gemeinderat beschlossene Zweckentfremdungsverbot solle Leerstände dieser Art künftig verhindern.

Er verstehe, dass die Aktivisten ein Zeichen setzen wollten, sagte Martin Sökler (SPD). Dennoch sei es eine Straftat. Mit Verweis auf das Zweckentfremdungsverbot betonte er: „Legale Mittel sind besser als illegale.“ Auch Rudi Hurlebaus (CDU) kritisierte die Aktion – und das Zweckentfremdungsverbot. Er befürchte, dass diese Verordnung weiteren Besetzungen Vorschub leiste.

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29.10.2016, 01:00 Uhr
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