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Krankenhilfe auf vier Rädern

Hausarztpraxis Raiser erhält das erste Verah-Mobil in Tübingen

Claudia Kurz ist eine sogenannte Verah, eine „Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis“. Ihre Aufgabe: den Hausarzt durch Patientenbesuche zu entlasten. Mit einem neuen Verah-Mobil der AOK soll sie jetzt noch flexibler werden.

17.02.2014
  • von Christian Kretschmer

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Tübingen. Seit zwölf Jahren arbeitet Claudia Kurz in der Hausarztpraxis von Dr. Wolfgang Raiser im Französischen Viertel in Tübingen. Lange Zeit als Medizinische Fachangestellte, seit knapp vier Jahren als Verah. Als eine der ersten begann sie 2009 die Weiterbildung in Herrenberg. Innerhalb von sieben Monaten bildete sie sich fachlich weiter, absolvierte Praktika in einer Hautklinik, beim Roten Kreuz und in einem Orthopädiefachgeschäft. Anschließend schrieb sie ihre Abschlussarbeit über den Krankheitsverlauf eines an Parkinson erkrankten Patienten. Für Claudia Kurz hat sich der Aufwand gelohnt: „Man lernt sehr viel für den Praxisalltag hinzu“, sagt die 39-Jährige.

Ihr Arbeitgeber legte ihr die Weiterbildung zur Versorgungsassistentin nahe. Für Dr. Raiser bedeutet die Beschäftigung einer Verah vor allem Zeitersparnis: „Es ist toll, wenn man die Frau Kurz mal zu Hausbesuchen schicken kann, denn die sind sehr aufwändig.“ Die gewonnene Zeit hat der Hausarzt dringend nötig. Die Praxis sei derzeit überlastet, fügt Dr. Raiser hinzu.

Zu wenig Hausärzte für zu viele Patienten: eine Situation, die sich erst recht auf dem Land noch verschärfen wird. „Wir werden in fünf bis zehn Jahren akuten Ärztemangel haben“, prognostiziert Klaus Knoll, Geschäftsführer der AOK Neckar-Alb. Indirekte Abhilfe sollen die Verahs schaffen, indem sie vom Hausarzt delegierte Aufgaben übernehmen. Praxen, die eine Versorgungsassistentin beschäftigen, bekommen von der AOK einen Quartalszuschlag von fünf Euro pro Patient.

Mindestens dreimal pro Woche ist Claudia Kurz unterwegs, von der Tübinger Südstadt bis Rottenburg. Sie besucht die Patienten, die es nicht mehr in die Praxis schaffen. Die meisten sind chronisch krank und bettlägerig. Die Verah pflegt deren Wunden, verabreicht Impfungen und plant weitere Versorgungsschritte. Außerdem bereitet sie Patienten auf Reha-Einrichtungen oder Pflegeheime vor, arbeitet dafür eng mit Physiotherapeuten und Sozialarbeitern zusammen.

Meist außerhalb der Sprechzeit auf Tour

Claudia Kurz haben ihre neuen Tätigkeiten Selbstvertrauen gegeben, auch wenn anfangs einige Patienten skeptisch waren: „Da muss man sich doch das Vertrauen erarbeiten“, erklärt sie. Weil sie meistens außerhalb der Sprechzeiten auf Hausbesuch geht, arbeitet sie auch mal bis in den Feierabend hinein. Wo der Hausarzt Zeit gewinnt, investiert die Versorgungsassistentin zusätzlich. Die höhere Qualifikation macht sich allerdings auf dem Gehaltszettel bezahlt.

Früher fuhr sie mit ihrem Privatwagen zu den Patienten, nun hat die 39-Jährige mit dem Verah-Mobil als erste in Tübingen ihr eigenes Dienstauto. Der weiße VW ist geleast, die Hälfte der monatlichen Kosten übernimmt die AOK zusammen mit den Partnern des Deutschen Hausärzteverbands und des MEDI-Verbunds Baden-Württemberg. Mit ihrem Verah-Mobil soll Kurz nun ihre Patienten flexibler versorgen können. Als Verah hat sie aber auch innerhalb der Praxis von Dr. Raiser neue Tätigkeiten: Sie erstellt Hilfepläne für Patienten und trägt zu einer besseren Organisation der Praxis bei. „Sie weiß ganz viele Sachen, die ich nicht weiß“, so der Mediziner über Claudia Kurz.

Durch ihre Weiterbildung hat sich für sie vor allem das Verhältnis zu den Patienten geändert: „Es ist eine ganz andere Patientenbindung. Sie haben den ganzen Patienten im Blick, und das ist das Schöne daran.“ Sie sei zufriedener geworden, sagt Claudia Kurz. Vielleicht trägt auch der neue Dienstwagen dazu bei.

Hausarztpraxis Raiser erhält das erste Verah-Mobil in Tübingen
Neues Dienstfahrzeug: Versorgungsassistentin Claudia Kurz und AOK-Geschäftsführer Klaus Knoll.

Medizinische Fachangestellte können sich seit 2009 zur Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (Verah) weiterbilden lassen. Die Schulung umfasst 200 Stunden: 106 Unterrichtsstunden zu Präventions- und Gesundheitsmanagement, Wund- und Notfallversorgung sowie Praxis-, Besuchs- und Casemanagement, 54 Stunden Praktikum innerhalb und 40 Stunden außerhalb der Praxis. Angeboten wird die Weiterbildung vom „Institut für hausärztliche Fortbildung im deutschen Hausärzteverband“. Die Kosten für die Qualifikation belaufen sich auf zirka 2500 Euro.
In Baden-Württemberg gibt es bereits 250 Verah-Mobile, bis 2018 sollen es über tausend sein.

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17.02.2014, 12:00 Uhr
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