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Hände hoch, Schniefnase!

Wenn es stimmt, was die Leute so sagen, liegen derzeit 90 Prozent aller Tübinger mit Erkältung im Bett. Sie auch? Nun, das ist im Grunde keine Schande. Das Problem – Sie kennen das – ist bloß, dass irgendwann all die französischen Liebesfilme geguckt, die schwedischen Krimis gelesen und die schwäbischen Kräuterbonbons gelutscht sind.

21.02.2013
  • von Eike Freese

Was uns nach drei Tagen Reizhusten noch bleibt, scheint allein die schier unerschöpfliche Vielfalt internationaler Wildwest-Klassiker. Tag vier mag dabei noch erträglich sein: In Werken wie „In meiner Wut wieg ich vier Zentner“ (Italien, 1974) erkrankt die Hauptfigur zwar in 90 Minuten kein einziges Mal stilecht an Bronchitis – er muss das aber auch gar nicht, solange er uns für eine Weile aus der weiten Welt der Kopf- und Gliederschmerzen entführt. Tag fünf kann mit seinem vormittäglichen „Sartana – noch warm und schon Sand drauf“ (Italien, 1970) zwar spannungsmäßig punkten, doch schon der Titel des folgenden „Der Tod ritt dienstags“ (Italien, 1967) bringt uns mit seinem morbiden Schrecken an den Rand der Depression. Auch mittwochs.

Tag sechs vermag mit Streifen wie „Bratpfanne Kaliber 38“ (Italien, 1971) nicht, die Monotonie aus kalten Wickeln und regelmäßigem Inhalieren zu stoppen. Auch „Ein Loch im Dollar“ (Italien, 1965), „Ohne Dollar keinen Sarg“ (Italien, 1966) und „Für einen Sarg voller Dollars“ (Italien, 1972) machen die Sache nicht besser. Immerhin: Inzwischen ist das Fieber wieder im anständigen Bereich. „Zwiebel-Jack räumt auf“ (Italien, 1976) kann bereits laufen, während wir schon im Büro anrufen, um zu sagen, dass wir am Montag wieder kommen. Halleluja!

Apropos Halleluja: Vergessen Sie Filme wie „Vier Halleluja für Dynamit-Joe“ (Italien, 1972), „Blaue Bohnen für ein Halleluja“ (Italien, 1967), „Ein Halleluja für zwei linke Brüder“ (Italien, 1972) oder „Halleluja pfeift das Lied vom Sterben“ (Italien, 1972). Die sind nicht gut. Vermutlich. Zwei Dinge dagegen sind so gewiss wie das Amen in der Kirche. Zum einen: Auch in Italien war früher nicht alles besser. Und: Unsere ganzen Taschentücher müssen wir immer noch selbst aufräumen. Zwiebel-Jack wird das sicher nicht tun.

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21.02.2013, 12:00 Uhr
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