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Wehmütig schön

Gut 500 Gäste feierten mit Lambchop im franz.K

Reutlingen. Man muss nicht über den Tod singen, um tiefe Trauer zu vermitteln. Viel stärker ist es, scheinbar belanglose Momente zu beschreiben, die in der Erinnerung haften geblieben sind. Kurt Wagner, Sänger, Gitarrist und Kopf der amerikanischen Band Lambchop versteht die Kunst, bei seinem Publikum tiefe Empathie zu wecken.

02.11.2012
  • von Bernhard Haage

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Dieser sonderbare Kerl mit seiner uncoolen Schirmkappe sorgte am Dienstagabend im Reutlinger franz.K dafür, dass mehr als 500 Leute für zwei Stunden, bildlich gesprochen, die Luft anhielten.

Dass die Band aus Nashville, Tennessee kein Rockfeuerwerk abbrennen würde, war von Anfang an klar, aber wie sehr der Auftritt der Band, dem eines Kammerorchesters ähneln würde, offenbarte sich erst, als die sechs Musiker sich im Halbkreis auf der Bühne platzierten. Am linken Rand Schlagzeuger Scott Martin – ganz rechts außen Wagner.

Vor allem Lieder aus dem aktuellen sehr ruhigen und sehr persönlichen Album „Mr. M“ spielte die Band. Und sofort stellte sich dieses Lambchop-Feeling ein. Die interessante, beinahe hypnotische und bisweilen etwas brüchige Stimme von Kurt Wagner, dazu arpeggierende Gitarren, minimalistische Keyboard und Pianoeinwürfe von Ryan Norris und Tony Crow, Saxophone, Querflöte und Percussion.

Zerbrechlichkeit und Schwermut über einem heimlich groovenden Rhythmusfundament, sequentielle Liedkonstruktionen, mit melodiösen Überraschungen und unüberhörbarem Jazzeinfluss. Begeisterter Applaus zwischen den Liedern und Erleichterung: Kurt Wagner und Tony Crow spaßen, sind offensichtlich bester Laune.

„Wir kommen aus dem Süden, wo es die besten Politiker gibt, die man für Geld kaufen kann“, lautet Crows ironischer Kommentar zum US-Präsidentschaftswahlkampf. Außerdem macht sich die Band auf Wurzelsuche: Dass die Ur-Urgroßmutter des Saxophonisten 1755 aus Winterthur in die Vereinigten Staaten ausgewandert ist, erfahren die Konzertbesucher ebenso, wie den Umstand, dass Schlagzeuger Scott Martins Vater in Stuttgart geboren wurde. Was wieder einmal beweist, dass die Welt im Grunde ein Dorf ist. Und dieses Dorf feierte am Dienstag gemeinsam ein schönes ruhiges Fest mit einer wunderbaren Kapelle.

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02.11.2012, 12:00 Uhr
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