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Ethisch vertretbar

Grüne halten an Tierversuchen fest

In ihrem Wahlprogramm forderten die Grünen im Land, die Versuche mit Primaten zu beenden. Doch für den von Tierschützern geforderten Stopp der Versuche in Tübingen gibt es auch unter grün geführten Ministerien in Stuttgart wenig Anzeichen.

10.11.2011
  • von Angelika Bachmann

Tübingen. „Unser Ziel ist eine jährliche Reduzierung [der Tierversuche] um 10 Prozent. Wir wollen Versuche an Primaten innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens beenden.“ So steht es im Wahlprogramm der baden-württembergischen Grünen zur letzten Landtagswahl. Und auf diesen Satz berufen sich nun auch Tierschützer wie die „Ärzte gegen Tierversuche“ und die Tübinger Antispeziesistische Aktion. Sie fordern seit Jahren, die Versuche mit Primaten an Tübinger Forschungsinstituten zu beenden.

Tierschützer appellieren an Grünen-Minister

Auch der tierschutzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, der Freiburger Landtags-Abgeordnete Reinhold Pix, hat sich explizit auf die Seite der Tierschützer gestellt. Er halte es für einen Irrglauben, dass man über Tierversuche an brauchbare medizinische Ergebnisse komme, die auf den Menschen übertragbar sind, sagt Pix.

Im Oktober unterzeichnete Pix daher auch die Petition der Tierschützer mit der Forderung, die Versuche zu beenden. 60 000 Unterschriften hatten sie gesammelt. Die Appelle der Tierschützer richten sich an zwei seit der Landtagswahl grün geführte Ministerien: an den Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (der für den Tierschutz zuständig ist) und an die Grüne Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

In beiden Ministerien ist man allerdings wenig erfreut über die deutliche Positionierung des Freiburger Partei-Kollegen. Bereits im Oktober, nach der Übergabe der Unterschriftenlisten, warb Wissenschaftsministerin Theresia Bauer für „eine differenzierte Betrachtung von Tierversuchen in der Forschung“. Tierversuche seien zwar auf ein absolut notwendiges Maß zu beschränken. Dort wo sie aber nicht durch alternative Methoden ersetzt werden könnten, seien Tierversuche auch in der Forschung ethisch vertretbar – insbesondere, „wenn Erkenntnisse zu erwarten seien, die der Behandlung schwerer Erkrankungen des Menschen dienen“. Die Grundlagenforschung, wie sie in Tübingen betrieben wird, schloss die Ministerin ausdrücklich mit ein.

Generelles Verbot rechtlich nicht möglich

Am Wochenende sagte die Ministerin in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa zudem: Einem generellen Verbot von Tierversuchen stünden die bundesdeutsche Rechtslage entgegen.

Tübingen ist die einzige Universitäts-Stadt in Baden-Württemberg, in der Versuche mit Primaten gemacht werden. Diese sind alle dem wissenschaftlichen Schwerpunkt der neurologischen Hirnforschung zugeordnet: Am Institut für Neurobiologie, am Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung und am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik wird deshalb mit Affen experimentiert. Die Tiere müssen bestimmte Aufgaben lösen, dabei werden Hirnaktivitäten über implantierte Elektroden gemessen. Zudem werden den Affen Bolzen im Kopf einoperiert, mit denen sie für die Versuche in Stühlen fixiert werden können.

Bei Versuchen der Grundlagenforschung, sagt Reinhold Pix, gehe es allein um den Erkenntnisgewinn, um die „Stillung des Forscherdrangs“. Bei der Abwägung des Tierschutzes gegen die Freiheit der Forschung müsse man solche Experimente deshalb ablehnen. Argumente, dass solche Erkenntnisse irgendwann bei der Heilung von Alzheimer und Parkinson helfen könnten, seien vorgeschoben.

Auch die Übertragbarkeit der Versuchsergebnisse vom Affen auf den Menschen sei eingeschränkt: Die Gehirne von Menschen und Affen seien zwar sehr ähnlich. Organfunktion und Stoffwechsel unterschieden sich aber wesentlich.

In einer Diskussion mit den Tübinger Tierschützern der Antispeziesistischen Aktion hat sich Boris Palmer dafür ausgesprochen, Tierversuche beizubehalten. „Die Forderung, die auch im Wahlprogramm der Grünen steht, die Affenversuche vollständig zu beenden, teile ich nicht“, sagte Palmer gegenüber dem TAGBLATT.
Die Tierversuche müssten allerdings strengen Kriterien unterliegen. Jeder Versuch müsse gut überprüft werden und „der Nutzen der Forschung muss das Leid der Tiere überwiegen“.
Rückendeckung vom Oberbürgermeister bekamen die Institute, die in Tübingen mit Affen experimentieren. Er sei der Überzeugung, der Abwägungsprozess von Ethik, Tierschutz und wissenschaftlichen Aspekten würde von den Tübinger Forschern verantwortungsvoll wahrgenommen. „Ich bin stolz, dass wir hier in Tübingen eines der renommiertesten Hirnforschungszentren Europas haben.“
Palmer war am Rande des Neubürgerempfangs von der Antispeziesistischen Gruppe aufgefordert worden, Position zum Thema Tierschutz zu beziehen. Dabei wies er die Ansicht der Tierschützer zurück, die Menschenrechte seien auf Tiere übertragbar. „Tiere haben nicht dieselben Rechte wie Menschen“, sagte Palmer.

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10.11.2011, 12:00 Uhr
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