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Medien

Großer Bahnhof für zwei journalistische Urgesteine

Bettina Wieselmann und Andreas Böhme haben über Jahrzehnte für unsere Zeitung aus der Landeshauptstadt berichtet. Zur Abschiedsfeier kam viel Polit-Prominenz.

03.12.2016
  • ROLAND MÜLLER

Stuttgart. Sie haben Regierungschefs kommen und gehen sehen, verschiedenste Koalitionen ebenso erlebt wie so manchen politischen Dolchstoß in Stuttgart: Wenn zwei landespolitische Korrespondenten wie Bettina Wieselmann (seit 1984) und Andreas Böhme (seit 1997) in den Ruhestand gehen, dann kann es kein ganz gewöhnlicher Abschied sein. Das wurde am Donnerstagabend im Stuttgarter Haus der Abgeordneten nicht nur an der prominent besetzten Gästeliste deutlich, auf der sich aktuelle wie ehemalige Minister und Abgeordnete, Prominente aus Wirtschaft und Kultur sowie journalistische Weggefährten tummelten. Es zeigte sich auch in den Redebeiträgen, in denen auch das nicht unkomplizierte Verhältnis zwischen Journalisten und Politik thematisiert wurde.

So würdigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann nicht nur die „großartige journalistische Leistung“ Wieselmanns und Böhmes – sondern sprach auch den heiklen politisch-medialen Balanceakt zwischen Distanz und Nähe an. Stuttgart sei eben nicht Berlin, man kenne sich gut, laufe sich oft über den Weg – und ein gut geschriebener Kommentar, der die eigenen Entscheidungen kritisiert, „der wirkt immer, auch wenn man es nicht zugibt“, sagte Kretschmann. Dennoch sei alles immer „offen, fair und auf hohem Niveau“ passiert – und trotz jahrzehntelangen Wirkens im Stuttgarter Polit-Biotop sei man nie von der grassierenden „Duzeritis“ angesteckt worden.

Sorge um Vielfalt

Auch der per Videobotschaft zugeschaltete Ex-Ministerpräsident und derzeitige EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) sprach an, wie er Bettina Wieselmann und die Kollegen im Stuttgarter Korrespondentenbüro schon zu Beginn seiner Karriere als „Kontrollorgan“ erlebt habe, das oft meinungsbildend gewesen sei, aber „nie dem Mainstream“ erlegen sei. Dennoch müsse man sich aktuell Sorgen um die Medienlandschaft in und außerhalb von Europa machen: „Wir haben derzeit einen Abbau von Pressefreiheit, von Vielfalt und Qualität zu verzeichnen“, sagte Oettinger mit Blick auf Entwicklungen in den USA, der Türkei und in Osteuropa. In den USA hätten zuletzt Unwahrheiten, Halbwahrheiten und „Fakes“ den Wahlkampf maßgeblich bestimmt. „Hoffentlich ziehen wir Lehren daraus“.

Mit Bettina Wieselmann und Andreas Böhme, die beide in Stuttgart aufgewachsen sind, verlassen zwei Drittel der Belegschaft auf einen Schlag das gemeinsame landespolitische Korrespondentenbüro, das für die Berichterstattung in den Titeln der SÜDWEST PRESSE, der Badischen Zeitung (Freiburg), und der Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg) verantwortlich ist.

Den „herben Verlust“, wie es SWP-Chefredakteur Ulrich Becker nannte, dürfen künftig zwei neue Kollegen kompensieren: Axel Habermehl, bisher Politikredakteur bei der Südwest Presse in Ulm, und Jens Schmitz, der unter anderem für die „Badische“ aus der US-Hauptstadt Washington berichtet hat, werden Anfang des kommenden Jahres zu Büroleiter Roland Muschel stoßen und mit ihm zusammen das neue Korrespondenten-Trio in der Landeshauptstadt bilden. rom

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03.12.2016, 06:00 Uhr
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