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Gnadenhochzeit für die Queen
Der Beginn einer 70-jährigen Ehe: Prinzessin Elizabeth und Prinz Philip aus Griechenland am 20. November 1947 in London. Foto: dpa
Königshaus

Gnadenhochzeit für die Queen

Liebe, Toleranz und Pflichtbewusstsein halten sie zusammen: Am Montag sind Königin Elizabeth II. und Prinz Philip seit 70 Jahren verheiratet. Sie sind das erfolgreichste Paar der britischen Monarchie.

18.11.2017
  • HENDRIK BEBBER

London. Elizabeth II, „Königin von Gottes Gnaden“, kann nun auch eine „Gnadenhochzeit“ feiern. Am Montag ist es 70 Jahre her, dass sie als Kronprinzessin den Marine-Offizier Philip Mountbatten heiratete. Es ist das am längsten währende und wohl auch erfolgreichste Duo in der Geschichte der britischen Monarchie.

Anders als bei der Hochzeit selbst, dem Goldenen und Diamanten Jubiläum feiert das königliche Paar die „Platine Hochzeit“, wie sie auf Englisch genannt wird, nicht groß, sondern nur im Kreis der engen Familie. Lediglich eine Gedenkmünze erinnert öffentlich an das Ereignis. Es entspricht dem neuen Repräsentationsstil der Queen und Prinz Philips, die aus Altersgründen große öffentliche Auftritte stark zurückgeschraubt haben.

Menschenmassen bejubelten an dem nasskalten Novembertag des Jahres 1947 das frischvermählte Paar, als es vom Balkon des Buckingham-Palastes winkte. Die glanzvolle Hochzeit war eine willkommene Abwechslung in den grauen Nachkriegsjahren, und Premierminister Winston Churchill sah den Ehebund der britischen Thronerbin mit einem verarmten europäischen Migranten als „Farbe auf dem schweren Weg der vor uns liegt“.

Es war keine arrangierte dynastische Verbindung, sondern eine wirkliche Liebesheirat. Sie bot dazu den Vorteil, dass der Bräutigam im Überfluss blaues Blut hatte. Er war immerhin Prinz von Griechenland und Dänemark und stammte väterlicherseits aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Und seine Mutter Alice kam aus dem ebenfalls deutschen Geschlecht der Battenberg.

Elizabeth glückte es, ihren Mädchentraum zu heiraten. Als 13-Jährige hatte sie den hochgewachsenen blonden Kadetten kennengelernt, als sie ihren Vater zur Inspektion der Marineakademie begleitete. Philip war zur Betreuung der jungen Prinzessin abkommandiert worden. Die fing nach allen Erinnerungen der Zeitzeugen sofort Feuer. Bei gelegentlichen Besuchen danach spielten die beiden mit Elizabeths mechanischer Eisenbahn und sie bewunderte, wie Philip tollkühn über das Tennisnetz sprang. Während der Prinz mit seinem künftigen Schwiegervater das Abendessen einnahm, musste die junge Prinzessin jedoch brav ins Bett.

Der Krieg trennte ihre Wege, weil Philip im Mittelmeer und im indischen Ozean für die „Royal Navy“ kämpfte. 1946 kam es zur Verlobung, aber die Hochzeit wurde um ein Jahr auf nach Elizabeths 21. Geburtstag verschoben. Die Prinzessin sparte ihre Textilmarken für die Hochzeitsrobe; der Kuchen wurde von australischen Pfadfindern gestiftet. Aus Liebe zu seiner Frau gab Philip das Rauchen auf und schenkte ihr eine silberne Puderdose, die sie bis heute ständig in der Handtasche mit sich führt.

Besonders schwer fiel es Philip, auf seine militärische Karriere zu verzichten. Seine Dienstzeit in der Kriegsmarine war schlagartig zu Ende, als Elizabeth nach dem Tod ihres Vaters den Thron bestieg. Doch mit Pflichtgefühl und eiserner Disziplin widmete er sich hinfort seiner Rolle als Prinzgemahl.

Protokollgemäß musste er bei öffentlichen Auftritten seiner Frau immer mit einem Schritt Abstand folgen, aber in der Familie scheint er die Richtung bestimmt zu haben. In ihrer Biografie der Queen schreibt Sarah Bradford: „Elizabeth war leidenschaftlich und sehr verliebt in ihren Mann. Auch Philip fand sie sexuell anziehend und liebte sie auf seine kühle Art. Sie führten eine traditionelle Ehe. Elizabeth entstammte aus einer Familie, in der der Mann über allem stand. Und Philip war ein besonders dominierender Mann.“

Nur in dem Punkt, dass ihre vier Kinder den Familiennamen „Mountbatten“ statt „Windsor“ bekämen, konnte sie nicht nachgeben. Philip klagte darauf wütend, „dass er nichts anderes sei als eine verdammte Amöbe“.

Wie sehr die Königin ihren Mann schätzt, bewies ein für sie seltener Gefühlsausbruch beim Festmahl zum Goldenen Ehejubiläum. „Ich weiß, er mag keine Komplimente. Aber er war und ist der große Halt und die große Stütze meines Lebens“, sagte sie, zu ihm gewandt.

Er nannte einmal ihre im „Übermaß vorhandener Toleranz“ als den Zement der langen und glücklichen Ehe. Diese Bemerkung nährte das Gerücht über Affären, die Philipp mit Revue-Tänzerinnen unterhalten haben soll. Er sagte auf eine diesbezügliche Frage eines Journalisten: „Wie wäre das nur möglich gewesen. Ich! Ich werde seit meiner Heirat rund um die Uhr von einem Polizisten begleitet.“

Für die Briten sind Elizabeth und Philip gerade wegen ihres hohes Alters ein „Traumpaar“, das allen Trends getrotzt hat. Nicht einmal die Hälfte der Paare, die jetzt in Großbritannien heiraten, wird die silberne Hochzeit feiern können. Und bei dieser Mischung aus Zuneigung und Pflichtgefühl des königlichen Paares hoffen die Briten, dass Elizabeth und Philip in fünf Jahren die „Kronjuwelen-Hochzeit“ feiern können.

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18.11.2017, 06:00 Uhr
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