Rottenburg

Geht den Bach runter

Von Alfred Buchholz, Rottenburg

Eine naturnah angelegte öffentliche Grünfläche in Wurmlingen hat sich üppig entwickelt – und zwar eher als erwartet („Gute Bewässerung ließ die Pflanzen sprießen“, Rottenburger Post vom 14. September).

Gärtnerisch angelegte blumenbunte Streifen mögen das Auge erfreuen und für Insekten etwas bieten, aber es ist schlichtweg falsch, so etwas als artenreiche Wiese oder heimische Wildstaudenmischung zu bezeichnen.

Das Albvorland ist in Mitteleuropa einer der Schwerpunkte für artenreiche Mähwiesen. Es gibt noch so viele davon, dass es kaum auffällt, wie sie in den letzten Jahren verschwinden, zum Beispiel um Flächen für „Biomasse“ für Biogasanlagen zu gewinnen.

Als Gegengewicht werden dann sogenannte Wildblumenwiesen oder ähnlich benahmte Grünstreifen möglichst orts- oder straßennah angelegt, die gut sichtbar den Einsatz für die Artenvielfalt zeigen. Diese kleinen Flächen sollen dann die vielen Hektar der verlorengegangenen blumenreichen Mähwiesen ersetzen?

Neben der Fläche ist die Qualität zu beachten, sind doch diese neu angelegten Flächen (wie auch die in Wurmlingen) neben einigen einheimischen Arten durch schön blühende Arten angereichert, deren Herkunft von Ostasien bis ins Mittelmeergebiet reicht.

Ich habe sicher nichts gegen Exoten oder auch Kultursorten mit gefüllten Blüten, aber diese dann als naturnahe „Wildäcker“ oder artenreiche Blumenwiesen zu bezeichnen, fällt für mich in die Rubrik alternativer Fakten. Es scheint soweit zu sein, dass man einem Redakteur selbst eine Mössinger Blumenmischung oder etwas Ähnliches als Wildblumenwiese verkaufen kann. Das Wissen um unsere Kulturlandschaft (nota bene: nicht Naturlandschaft) und ihre Artenvielfalt geht eindeutig den Bach runter.


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23.09.2017 - 01:00 Uhr