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Gefährden Pläne Jobs und Artenvielfalt?
Die Holzbranche im Land soll ökologischer werden. Das ist nicht so einfach, wie es scheint. Foto: Marc Weigert
Forst

Gefährden Pläne Jobs und Artenvielfalt?

Der Wald in Baden-Württemberg soll bald nach strengeren Umweltkriterien bewirtschaftet werden. Eine Studie aus Hessen lässt es fraglich erscheinen, ob das sinnvoll ist.

07.11.2017
  • JENS SCHMITZ

Stuttgart. Ökologisch vorbildlich, sozial ausgewogen, ökonomisch erfolgreich: So wünscht sich der grün-schwarze Koalitionsvertrag den Staatswald im Land. Forstminister Peter Hauk (CDU) droht allerdings, zwischen konkurrierenden Nachhaltigkeitszertifikaten in Bedrängnis zu geraten. Sein Ressort gibt sich schmallippig.

Seit dem Jahr 2000 gilt im gesamten deutschen Staatswald der international gebräuchlichste Nachhaltigkeitsstandard PEFC (Programme for Endorsement of Forest Certification Schemes). Er wird von den meisten Waldbesitzern bevorzugt und wurde in Baden-Württemberg früher auch von der Union verfochten. Die Grünen haben 2014 im Regierungsvertrag jedoch die strengeren Regeln des Forest Stewardship Council (FSC) erkämpft. CDU-Mann Hauk muss sie nun umsetzen – und das bei zunehmender Kritik.

Auch in Hessen läuft eine Umstellung auf FSC. Anfang Juli sickerte ausgerechnet aus dem grünen Umweltministerium in Wiesbaden ein interner Evaluierungsbericht durch, der dem Standard ein niederschmetterndes Zeugnis ausstellt: Das Dokument der dortigen Forstgesellschaft beklagt nicht nur Einnahmeausfälle und den Verlust von Arbeitsplätzen, sondern auch negative Folgen im Umweltbereich. Das Papier liegt unserer Zeitung vor.

Von diesen Erkenntnissen will Baden-Württembergs Forstminister bislang nichts wissen: Das hessische Gutachten liege dem Landesbetrieb ForstBW nicht vor, antwortete Hauk diesen Herbst auf eine FDP-Anfrage im Landtag. Angeblich leiten Hessens Behörden „das rein interne Gutachten, welches im Auftrag des zuständigen Fachministeriums erstellt wurde, nicht an Dritte weiter“.

Ein Sprecher des hessischen Umweltministeriums erklärte auf Nachfrage allerdings, dass FSC Deutschland, der Nabu-Landesverband Hessen oder der Hessische Waldbesitzerverband durchaus Einsicht erhalten haben. Aus Baden-Württembergs Forstverwaltung habe es ebenfalls eine Anfrage gegeben, sagte der Sprecher. Dass man den Kollegen den Einblick verwehrt habe, mochte er nicht bestätigen. Vielmehr „folgten der ursprünglichen Bitte um Einsicht keine weiteren Nachfragen“.

War es Hauk lieber, das unbequeme Gutachten nicht zu kennen? In seiner Antwort auf die Landtags-Anfrage kommt der Minister für Baden-Württemberg zu diametral entgegengesetzten Aussagen: Aus dem FSC-Standard ergebe sich kein zusätzlicher langfristiger Nutzungsverzicht, schreibt das Ministerium, daher gehe auch keine Bruttowertschöpfung verloren. Auf die Baumarten, die CO2-Speicherung und die Klimaschutzfunktion des Staatswaldes habe die Zertifizierung auch keine Auswirkungen.

Konkret als FSC-Umweltnutzen benannt wird vom Ministerium freilich nur das Verbot von Pflanzenschutzmitteln. Im hessischen Gutachten heißt es dazu: „Durch den Verzicht auf den grundsätzlich restriktiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Rahmen des integrierten Waldschutzes von Hessen-Forst werden keine erkennbaren ökologischen Mehrwerte erzielt.“ „Da stellt sich die Frage, wo nun überhaupt die Vorteile gegenüber einer einfachen Zertifizierung nach PEFC liegen“, sagt der liberale Forstexperte Friedrich Bullinger, Initiator der FDP-Anfrage.

Grün-schwarzer Kompromiss

Wie die FDP hat auch Hauks CDU das PEFC-Verfahren jahrelang favorisiert. Der grün-schwarze Koalitionsvertrag enthält eine Kompromissformel: „Wir werden die beiden bestehenden Zertifizierungssysteme im baden-württembergischen Staatswald fortsetzen und sie mit Blick auf die Multifunktionalität evaluieren.“ Auskünfte zu dieser Evaluierung erteilt Hauks Ministerium aber kaum. Auf die Frage nach denkbaren Ergebnissen erklärte es dem Landtag im März: „Das hängt von den Ergebnissen der Evaluation ab.“ Die Bewertung solle stattfinden, „wenn ausreichende praktische Erfahrung mit den aktuellen Standards vorliegt“.

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte das Ministerium am Montag schließlich mit, dass aufgrund von Anpassungen bei den Standards „frühestens ab 2019 mit einer Evaluierung begonnen werden“ könne.

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07.11.2017, 06:00 Uhr
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