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Probefahrt

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E-Autos sind die Zukunft der Mobilität. Doch wann beginnt diese Zukunft? Auf Tour mit dem Horber Jérôme Brunelle und seinem Tesla Model S60.

13.10.2017
  • TEXT: Fabian Schäfer|FOTOS: Karl-Heinz Kuball

Jérôme Brunelles Ankunft bei den Ladesäulen in Horb ist überraschend. Plötzlich steht der knapp fünf Meter lange, schwarz-glänzende Wagen auf dem Parkplatz – kommen hören konnte man ihn nicht. Brunelle steigt aus, lächelt. „Ab 50 Kilometern pro Stunde ist der Wagen genauso laut wie jeder andere auch“, erklärt der 48-Jährige. Bei langsameren Geschwindigkeiten hört man vom Tesla Model S60 jedoch nicht mehr als von einem Fahrrad. „Ich wollte zum Supercharger fahren. Haben Sie ein bisschen Zeit mitgebracht?“, fragt Brunelle, der in Horb und Umgebung als unangefochtener Experte für E-Mobilität gilt. „Ich bin mittlerweile eine Art F-Promi“, sagt er schmunzelnd.

Der Tesla ist von innen nicht weniger beeindruckend als von außen: Neben dem Lenkrad befindet sich ein Touchscreen von der Größe eines gängigen Essens-Tabletts, auf dem Horb und die nähere Umgebung angezeigt wird. Doch das ist nicht alles: Brunelle kann sich die verschiedenste Daten und Zahlen anzeigen lassen, von Routen über den Ladestand des Autos bis hin zum aktuellen Energieverbrauch. „Der Wagen kann mir auch genau sagen, wie weit ich noch komme, wo die nächste Ladestation ist oder wie viel Energie nach der Ankunft am Zielort noch übrig ist“, erklärt Brunelle, der derzeit als Lehrer an der Werkrealschule Sulz arbeitet.

Es geht los. Auch im Inneren ist kaum etwas von Brunelles Fahrzeug zu hören, das sich zunächst durch die Horber Kernstadt und dann auf die Landstraße bewegt. Brunelle gibt ,Gas‘ – und wie. 5,8 Sekunden benötigt der Tesla von null auf 100 Stundenkilometer. „Bis 130 km/h ist der Verbrauch normal. Bei höheren Geschwindigkeiten merkt man’s dann deutlich“, erklärt Brunelle. Der „Tank“ ist bereits bei der Abfahrt fast leer, es reicht gerade noch bis zur Schnellladestation am Vöhringer Autohof. „Volltanken dauert etwa eine Stunde. Aber ich lade immer auf, wenn ich gerade die Gelegenheit dazu habe“, sagt der Horber, drückt einen Knopf an der E-Säule. Am Tesla öffnet sich eine Klappe, dahinter verbirgt sich der Stromanschluss. Auto und Säule kommunizieren miteinander. Natürlich kann er den Wagen auch zu Hause auftanken, doch das tut Brunelle so gut wie nie. „Hier ist es billiger und geht schneller.“

Auf den „E-Auto-Trip“ gekommen ist Brunelle Anfang der 1990er-Jahre, als er noch als Rundfunk-Journalist unterwegs war. Bei einem Termin kam er erstmals in Kontakt mit einem E-Auto, dem Einsitzer „CityEL“, der seit 1987 produziert wird und nicht größer ist, als das Cockpit eines Segelflugzeuges. „Ich habe mich reingesetzt und sofort gedacht: Boah!“, erzählt Brunelle, der damals jedoch nicht das Geld für den 10 000 Euro teuren „CityEL“ hatte. In den folgenden Jahren hatte der gebürtige Freiburger Brunelle immer wieder mit der Thematik E-Mobilität zu tun, doch „lange Zeit passierte nicht viel“.

2011 kam der „Twizy“, ein zweisitziges E-Auto des französischen Herstellers Renault. „Da wurde es dann langsam interessant. Allerdings war der Preis immer noch sehr hoch. Bis es den ‚Twizy‘ gebraucht gab“, erinnert sich Brunelle, der sich den Renault schließlich als Drittwagen anschaffte. „Ich wollte aber eigentlich ein Auto, mit dem man 300 Kilometer weit kommt und das Platz für die Familie bietet. Das gab es immer noch nicht“, erklärt der Lehrer.

Und dann kam der Tesla. „Ich konnte den Model S60 probefahren und meine Frau und ich waren sofort hellauf begeistert“, erzählt Brunelle. Allein das Problem war wieder der Preis. Auch mit staatlicher Förderung und der des Herstellers (je 2000 Euro) lag der Preis noch um die 71 000 Euro. „Das konnten wir uns gerade so leisten“, erklärt Brunelle, der damit seit März dieses Jahres Tesla-Fahrer ist. „Dafür spare ich mir jetzt das Benzin.“ Eine volle Ladung für Brunelles Wagen kostet um die 15 Euro, an Tesla-Säulen ist er sogar umsonst.

Die Anzeige auf Brunelles Smartphone springt von 99 auf 100 Prozent – der Tesla ist „voll“. Der Lehrer steckt das Kabel aus und verstaut es im vorderen Kofferraum – logischerweise ist bei E-Autos unter der Motorhaube relativ viel Platz. In Vöhringen gibt es sechs Ladesäulen, doch ist die Abdeckung deutschlandweit schon gut genug? „Es wird mehr werden, wenn mehr E-Autos unterwegs sind. Früher gab es Benzin auch in der Apotheke, bis sich Autos verbreitet haben“, erklärt Brunelle. Sein Handy klingelt. „Ah, das ist ein Bekannter aus der Schweiz. Der fährt einen Tesla Model X.“ Natürlich.

Jérôme Brunelle will seine Begeisterung für E-Autos nicht für sich behalten. Neben Vorträgen zum Thema und Auftritten bei E-Mobil-Treffen betreibt er zusammen mit Jana Höfner den in zweiwöchigem Rhythmus erscheinenden Podcast „Electric-BW“. „Es wird so viel Falsches über E-Mobilität berichtet. Da sehe ich es als meine Aufgabe, dagegen zu halten. Ich brenne nun mal für dieses Thema.“

Noch hält sich der Hype um E-Autos in Grenzen, auch wegen der hohen Preise für die Fahrzeuge. Doch Brunelle ist sich sicher: „In zwei bis drei Jahren wird das sprunghaft ansteigen.“ Der Lehrer vergleicht die Entwicklung mit der von Flachbild-Fernsehern. „Die waren am Anfang auch zu teuer und wurden innerhalb von 18 Monate für fast jeden erschwinglich“, erinnert Brunelle. Jemals zurück zum Benziner? Für Brunelle undenkbar. „Ich kenne keinen, der das will.“ Auch dass er in seinem Leben nochmal Benzin tanken wird, kann sich der 48-Jährige nicht vorstellen.

„Wenn man das nötige Geld hat, funktioniert E-Mobilität schon jetzt. Wenn nicht, dann funktioniert sie in zwei bis drei Jahren“, sagt Brunelle, verabschiedet sich und „schleicht“ mit seinem Tesla davon.

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13.10.2017, 08:30 Uhr
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