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Fußgänger ignorieren Baustellen-Absperrung / Stadt setzt Vollzugsbeamte ein
Gefährliche Engstelle: Trotz Absperrung und Umleitung laufen Fußgänger an der Baustelle am Neckargassen-Eck über die Straße. Bild: Metz
Unvernunft statt Umweg

Fußgänger ignorieren Baustellen-Absperrung / Stadt setzt Vollzugsbeamte ein

„Die müssen lebensmüde sein!“ Hans Prospero, als Projektleiter der Stadtwerke Tübingen für die Baustelle in der Neckargasse verantwortlich, konnte gestern Nachmittag nur noch den Kopf schütteln. Dass der Bereich um die Baustelle bei der ehemaligen Apotheke am Eck zur Mühlstraße weiträumig abgesperrt ist, interessierte viele Fußgänger nicht. Sie liefen trotz des Verkehrs über die Straße.

13.06.2016
  • Marike Schneck

Tübingen. Obwohl Busse mit nur wenigen Zentimetern Abstand die Engstelle passierten, liefen Passanten an der Eckbaustelle der Neckargasse zu Stoßzeiten in Massen um die Absperrung herum und über die Mühlstraße – manche gar mit dem Kleinkind an der Hand oder dem Baby im Wagen. Busfahrer mussten an der Engstelle immer wieder anhalten. Ein Rollstuhlfahrer quälte sich über den hohen Bordstein und fuhr ruckartig auf die Fahrbahn. Der einbiegende Verkehr aus der Gartenstraße wurde blockiert. Projektleiter Hans Prospero von den Stadtwerken konnte es kaum fassen: „Die sind doch verrückt.“

Die Arbeiter der Baufirma Leonhard Weiss stellten gegen 14 Uhr kurzzeitig ihre Arbeit ein. „Wenn das hier nicht bald geregelt wird, brechen wir ab“, raunzte einer. „Das ist zu gefährlich!“ Projektleiter Prospero und Bauleiter Jörg Nitz gingen die Pläne durch, die das Ordnungsamt Tübingen für die Baustelle erstellt hat. Dessen Vorgaben zur Sicherung und Beschilderung hat das Unternehmen allesamt erfüllt, bestätigt Prospero. „Mehr können die nicht machen.“

Der Gehweg über die Eberhardsbrücke ist auf der stadteinwärts links liegenden Seite ab dem TAGBLATT für Fußgänger und Rollstuhlfahrer gesperrt. Die Umleitung führt über den Fußgängerüberweg am Fuß der Brücke und auf der anderen Straßenseite hoch bis zur Gartenstraße. Dort kann die Mühlstraße wieder Richtung Neckargasse gequert werden. Wer trotz Absperrung links die Brücke in Richtung Altstadt genommen hat, kann vor der Baustelle aber auch links auf die Treppen am Neckartor-Turm ausweichen. „Die haben wir als Ausweichstrecke extra offengelassen“, sagt Prospero.

Weil gutes Zureden und Bitten der Bauarbeiter nicht half – die meisten Angesprochenen wandten nicht einmal den Kopf –, beschloss Prospero, am Fußgängerüberweg am Fuß der Neckargasse ein weiteres Absperrgitter anzubringen. Weitere „Fußgänger verboten“-Schilder wurden aufgestellt. Mit mäßigem Erfolg. Erst als der städtische Vollzugsdienst einen uniformierten Mitarbeiter entsandte, der die Passanten gezielt ansprach, zeigten sich die meisten einsichtig. „Diese Maßnahme“, betont Petra Platz von der zuständigen Fachabteilung der Stadt, „ist zur Sicherung der Baustelle jedoch nicht vorgesehen und nur der Unvernunft der Leute geschuldet.“

Alte Hauptwasserleitung platzte am Samstag

Eigentlich war geplant, die Bauarbeiten am Neckargassen-Eck bis Freitag abzuschließen. Dann hätte sich das Baustellen-Fußgänger-Problem erledigt. „Aber ich befürchte, dass wir mit der Zeit nicht hinkommen“, sagt Prospero. Die Arbeiter stießen auf einen verrosteten Schacht, der komplett getauscht werden muss. „Das hatten wir so nicht geplant.“ Leitungsstränge liegen hier zudem so eng beieinander, dass die Arbeiter den Aushub nicht großzügig mit dem Bagger erledigen können, sondern zu Spaten und Schaufel greifen müssen. Auch das kostet Zeit. „Aber das ist Tiefbau“, sagt Prospero. „Da sieht man von außen halt nicht, was unten los ist.“

Das zeigte auch eindrücklich ein Wasserrohrbruch am Samstagmorgen. Die alte Hauptleitung war im Baustellenbereich auf Höhe der Hausnummer 14 geplatzt. Das Wasser lief die Neckargasse runter Richtung Mühlstraße und drückte in die Häuser. Tiefliegende Räume und Gewölbekeller wurden überflutet. Die Feuerwehr Tübingen rückte zum Abpumpen an. Neckargasse, Bursagasse und Clinicumsgasse waren vier Stunden ohne Wasser, bis das Notfall-Team der Stadtwerke gegen 10 Uhr die Leitung wieder repariert hatte.

Über die Höhe des entstandenen Schadens ist nach Angaben der Stadtwerke derzeit noch nichts bekannt. Mit der Begutachtung wurde am Montag begonnen. Sicher aber ist: Das Leck in der Leitung entstand ohne Fremdeinwirkung. Für die Stadtwerke Tübingen zeigt sich an diesem Vorfall, wie fragil die 82 Jahre alten Wasserrohre aus dem Jahr 1934 sind, sagt Stadtwerke-Sprecher Ulrich Schermaul. „Die Sanierungsarbeiten in der Neckargasse bringen für die Zukunft Stabilität und Versorgungssicherheit für Anwohner und Gewerbetreibende.“ Bevor die Sanierung jedoch abgeschlossen ist erweisen sich die Tiefbauarbeiten an den empfindlichen und altersschwachen Leitungen „zunehmend als Herausforderung“.

Die Baustelle in der Neckargasse

Seit Mai werden in der Neckargasse neue Rohre und Leitungen eingebaut. Die gusseiserne Hauptwasserleitung ist 82 Jahre alt und entsprechend marode. Sie wird derzeit getauscht. Zugleich bekommen alle Häuser neue Stromleitungen und eine so genannte Pipe, ein Leerrohr, in das Glasfaserkabel eingezogen werden kann. „Durch die Vorbereitungen für Glasfaser-Internet wird die Neckargasse gleichzeitig zukunftsfähig in Sachen Daten- und Internetleitung gemacht“, schreiben die Stadtwerke Tübingen. Die Arbeiten dauern voraussichtlich noch bis September. Im zweiten Bauabschnitt im kommenden Jahr bekommt die Neckargasse dann einen neuen Belag. Zunächst bekommt die Neckargasse deshalb eine provisorische Asphaltschicht, die schnell wieder entfernt werden kann.

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13.06.2016, 23:30 Uhr
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