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Frecher Ire im ernsten Tübingen
„Moinmoin“ heißt die Morgensendung beim Internetsender Rocketbeans.tv. Der Tübinger Donnie O‘Sullivan moderiert sie immer montags.Bild: Youtube

Frecher Ire im ernsten Tübingen

Unterhaltung Donnie O‘Sullivan kam mit acht Jahren nach Tübingen – ohne ein Wort Deutsch zu können. Heute ist er ein Moderationsstar am Youtube-Himmel.

21.04.2017
  • Lorenzo Zimmer

Donnie O‘Sullivan war acht Jahre alt, als seine Mutter mit ihm und seiner Schwester Irlands Hauptstadt Dublin verließ. Eine Herzenssache: „Sie hatte sich in einen Tübinger verliebt, zu ihm sind wir gezogen“, erinnert sich der 31-Jährige. Zu dieser Zeit sprach O‘Sullivan kein Wort Deutsch. „Ich bin damals ziemlich ins kalte Wasser geschmissen worden.“

Heute beherrscht O‘Sullivan die deutsche Sprache akzentfrei. Und benutzt sie viel: Er moderiert beim Internet-Sender Rocketbeans.tv und gibt mit dem ehemaligen Viva-Moderator Nils Bokelberg und Autor Markus Herrmann den Podcast „Gästeliste Geisterbahn“ heraus. Darin philosophieren die drei Medienschaffenden über das Leben. Und Themen, die ihnen unter den Nägeln brennen. O‘Sullivan reizt am Format, das einer Radiotalkshow ähnelt, die Wirkung, die es auf seine Hörer hat: „Bei diesem ständigen Wettbewerb um unsere Aufmerksamkeit ist der Podcast ein Medium, wo man einfach mal zuhören kann, ohne dass man ständig von visuellen Eindrücken abgelenkt wird.“ Der Inhalt steht aus seiner Sicht im Vordergrund.

In Tübingen fuhr der irische Einwanderer mit dem „Bärenbus“ regelmäßig ins Ferienlager Spatzennest. Lernte Freunde kennen und schnell die deutsche Sprache: „Das ist die Phase im Leben, wo einem der Spracherwerb recht leicht fällt.“ Nur sein Name deutet heute noch darauf hin, dass Tübingen erst seine zweite Heimat wurde – die erste ist Irland geblieben. „Ich habe bis heute nur einen irischen Pass.“ Einen deutschen zu beantragen, sei ihm „zu viel Amtsstress.“

Mit manchen deutschen Gepflogenheiten und Eigenschaften kommt er bis heute nicht klar: „Was in Deutschland als witzig gilt, ist für mich oft überhaupt nicht lustig. Otto zum Beispiel.“ Und mit Humor kennt O‘Sullivan sich aus. In seiner Schulzeit galt er als Klassenclown – sein Talent zu lockeren Sprüchen und knackigen Pointen sollte ihm später für seine berufliche Laufbahn helfen. Seine Lachmuskeln bewegen sich aber eher für Monty Python oder die Simpsons.

Schnell das Problemmacher-Kind

O‘Sullivan besuchte die Silcherschule, wechselte nach der vierten Klasse aufs Kepler-Gymnasium. Die Schwierigkeiten, sich anzupassen, wurden nicht weniger. In seinen ersten acht Lebensjahren hatte er sich sehr an seine irische Heimat gewöhnt: „Da geht es ein bisschen frecher und rebellischer zu, würde ich sagen.“ Spätestens auf dem Gymnasium kam er nicht mehr mit den Regeln klar: „Ich glaube schon, dass Kinder überall gleich fantasievoll und offen sind“, sagt er heute.

Aber Deutschland wirkte damals auf ihn eher rigide und humorlos. „Die Iren habe ich als frech, laut, lustig und gesellig wahrgenommen.“ In Deutschland war O‘Sullivan für Lehrer und Eltern schnell der, der andere Kinder in irgendwelchen Quatsch mitreinzog: „Ich wurde als Problemmacher-Kind wahrgenommen.“

Nach einem Schulwechsel vom Kepi an das Carlo-Schmid-Gymnasium und einem Umzug nach Entringen fühlte sich O’Sullivan zunehmend wohler. Er begann damit, Reggae im Epplehaus aufzulegen, spielte Fußball beim SV Poltringen. „Das war eine tolle Zeit“, blickt er heute zurück. Für seine Reggae-Gigs designte er Flyer, entdeckte dabei seine Leidenschaft fürs Gestalten. „Das lag mir einfach.“

Der logische Schritt: Nach dem Abitur absolvierte er eine Lehre zum Mediengestalter in Berlin. Parallel begann er für den Musiksender MTV als Freelancer, entwarf für das erfolgreiche Format „MTV Home“ das Logo und das ganze Design der Sendung. „Der damalige Chefredakteur kam zu mir und meinte: ,Hey, du bist lustig!‘“, erinnert sich O‘Sullivan heute.

Er bekam die Möglichkeit zum Sprung vor die Kamera, moderierte zusammen mit Nils Bokelberg Sendungen, machte parallel ein Grafikdesign-Studium an der renommierten Universität der Künste (UDK): „Gerade meine Kunstlehrer haben mir gesagt, dass ich nichts drauf habe.“ Als er seinen Einser-Abschluss an der UDK in der Tasche hatte, verspürte er eine gewisse Genugtuung.

O‘Sullivan setzte seine Reise durch die Berliner Medienlandschaft fort, arbeitete für das Musikmagazin Tape-TV, schrieb kurzzeitig sogar Drehbücher und Pointen für die Pro7-Sendung „Circus Halligalli“: „Ich habe dieses Talent, mir immer dumme, aber lustige Sachen einfallen zu lassen, bis dahin für unnötig gehalten.“ Es dauerte bis er 30 war, als er realisierte, dass er daraus einen Beruf machen kann: „In den Redaktionen von Latenightshows sitzen viele Leute vom Typ Klassenclown an einem Tisch und überlegen sich Gags“, sagt er.

Heute ist O‘Sullivan beim Internetsender Rocketbeans.tv beschäftigt. Die Hamburger Firma sendet täglich über das Videoportal Youtube. Ihre Themen: Computerspiele, Internetphänomene, Serien, Filme, Fußball: „Ich war selbst lange Zuschauer und habe mir immer gewünscht, dort zu arbeiten.“ Da er mit seinem Podcast „Gästeliste Geisterbahn“ in verschiedenen Formaten des Senders zu Gast war, knüpfte er Kontakte. „Etienne – einer der Gründer –rief mich einige Wochen später an und bot mir einen Job an.“

O‘Sullivan überlegte nicht lange: „Ich habe zu diesem Zeitpunkt in einer Werbeagentur in Berlin gearbeitet.“ Obwohl er seine Kollegen mochte, war er mit dem Job unglücklich: „Es war halt ein Job in der Werbung. Und Werbung heißt auch, dass man Sachen machen muss, auf die man nicht so richtig Bock hat – hinter denen man nicht so wirklich steht.“

Gefunden, was er liebt

Im November 2016 zog O‘Sullivan dann nach Hamburg. Seitdem moderiert er auf Rocketbeans.tv jeden Montagmorgen die Frühstückssendung „Moinmoin“. Dort plaudert er über tagesaktuelle Themen. Ab und zu scheint seine Tübinger Herkunft durch, wenn er ins Schwäbische fällt. Zudem moderiert er zusammen mit Daniel Schröckert das Serienformat „Badabinge“ und hat Gastauftritte in diversen Sendungen des Kanals. „Ich schreibe auch viel an Drehbüchern oder plane Drehs mit der Aufnahmeleitung.“

Etwas anderes als den Hybrid-Job aus Entertainer vor der Kamera und Strippenzieher in der Redaktion kann er sich heute kaum noch vorstellen: „Was ich von beidem lieber mache, ist wohl die Frage meines Lebens“, sagt er. Wenn er sich für alle Zeit entscheiden müsste, sieht er sich eher im Hintergrund: „Wenn ich die Rampensau vor der Kamera geben soll, muss es einen Rahmen haben, in dem ich mich zu 100 Prozent wohlfühle.“ Das tut er im jungen Team von Rocketbeans.tv. Und auch wenn er sich nach Feierabend gerne mal vom Fernseher berieseln lässt, sagt er klar: „Ich habe im Internet mein Lieblingsmedium gefunden.“

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21.04.2017, 01:00 Uhr

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