Streit

Farb-Fassade wird zum Rechtsfall

Von MADELEINE WEGNER

Beim Zoff um ein buntes Haus in Hayingen ist keine gütliche Einigung in Sicht. Kreis und Land prüfen weitere Schritte.

Farb-Fassade wird zum Rechtsfall

Diese bunte Fassade in Hayingen erhitzt die Gemüter. Foto: dpa

Hayingen. Die Fronten sind verhärtet im Streit um das Hayinger Haus mit der knall-orange-farbene Fassade: Nun läuft es auf eine rechtliche Entscheidung hinaus. Eine gütliche Einigung sei nicht gelungen, ssReutlingens Landrat Thomas Reumann: „Ein Kompromiss lebt davon, dass beide Seiten aufeinander zugehen.“ Hauseigentümer Georg Bayer hatte zuletzt angeboten, die asymmetrischen Fensterumrandungen zu überstreichen. Landratsamt und Stadtverwaltung stören sich aber vor allem an der Farbe. „Wenn man statt des intensiven Oranges in das Spektrum der Brauntöne gehen würde“, so Kreisbauamtsleiter Claudius Müller, wäre das Problem gelöst.

Nachdem ein Ortstermin im Februar und Gespräche zu keiner Lösung geführt haben, läuft nun das formale Verfahren weiter: Das Landratsamt prüft, ob ein Verstoß gegen die Landesbauordnung, insbesondere gegen das sogenannte Verunstaltungsverbot vorliegt. Die Frage ist: Würde sich der Durchschnittsbetrachter von dem Gebäude gestört fühlen? Bei der Prüfung sind öffentliche Belange und die Argumente des Hauseigentümers abzuwägen. Zudem wird das Landesdenkmalamt aktiv. Hauptargument von Seiten des Landratsamtes und auch der Stadtverwaltung: Das Haus steht in der Ortsmitte und damit in unmittelbarer Nähe und Sichtbeziehung zu mehreren Kulturdenkmalen. Eine kurzfristige Entscheidung sei nicht zu erwarten.

„Es ist positiv, dass die Bausubstanz gepflegt wird“, hält Kreisbauamtsleiter Müller dem Hauseigentümer zugute. Allerdings solle solch eine Pflege möglichst auch zu einer Aufwertung des Gebäudes unter Gestaltungsaspekten führen.

Reumann berichtete, er habe zwar aus ganz Deutschland begeisterte Nachrichten von Fans des Hauses bekommen. „Doch die Frage ist immer, wo das Gebäude steht.“ Auch die Stadt ist gegen den bunten Farbanstrich. Noch in dieser Woche soll der Gemeinderat über eine Gestaltungssatzung abstimmen. Rückwirkend würde sie nicht gelten. Bayer müsste sich an die Satzung nur dann halten, wenn er vor Gericht unterliegt. Madeleine Wegner


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03.04.2017 - 06:00 Uhr