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Wohnhausbrand nach Blitzeinschlag

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Wohnhausbrand nach Blitzeinschlag in Bad Sebastiansweiler

© Video: Franke/Schweizer 01:00 min

Hof an der B27 brennt völlig nieder

Familie in Bad Sebastiansweiler kann sich vor den Flammen retten

Ein Großbrand in der Nacht zum Dienstag hat aus einem Hof an der B27 in wenigen Stunden eine Ruine gemacht. Die Familie konnte sich in letzter Minute retten. Trotz Gewitter fällt Blitzschlag als Brandursache wohl aus.

27.06.2017
  • Eike Freese

Der Morgen graut gerade, es regnet und stürmt schon lang nicht mehr – und Andreas Wahl steht vor den Trümmern seiner materiellen Existenz: Seit wenigen Stunden ist der große Hof mit seinen Anbauten an der B27 bei Bad Sebastiansweiler Geschichte. Wahl, 59, hat dort mit seiner Lebensgefährtin und der fünfzehnjährigen Tochter gelebt. Jetzt blinzeln sie in der Morgensonne, in geliehenen Klamotten, und sehen vor der rauchenden Ruine Feuerwehrleuten, Brand-Sachverständigen und Polizisten bei der Arbeit zu. „Ein paar wichtige Papiere haben wir gerade noch retten können“, sagt der Uni-Angestellte: „Ansonsten ist einfach nur unendlich viel verloren.“

Es war um Mitternacht, als Wahl vom Computer aufschreckte, weil er einen der Haushunde bellen hörte. Durch eine Tür, die das Wohnhaus mit der Scheune verbindet, sah er ein rotes Glühen, berichtet er: „Ich hab die Tür dann unvorsichtigerweise aufgemacht, um nachzuschauen.“ Die Scheune der Familie, in der sie Werkzeug, Fahrzeuge und Dekoratives lagerte, stand in hellen Flammen. Das Feuer, vom starken Wind angefacht, breitete sich schnell aus und drohte, vom großen Lager-Gebäude auf die unmittelbar angrenzenden Wohnräume überzugreifen.

Noch mit freiem Oberkörper rannte Wahl durch die Zimmer, um mit Lebensgefährtin und Tochter das Weite zu suchen. Erst jetzt, als das Feuer sich schon tief durch die Scheune gefressen hatte, schlugen Rauchmelder im Haus an. „Wir hatten Glück, dass ich noch wach war und den Hund gehört hatte“, so Wahl: „Sonst hätten wir uns übers Dach retten müssen.“ Ebenfalls von Glück spricht er, als er Gasflaschen und Benzintanks in der Scheune erwähnt, die nicht explodiert waren.

Quälend lange, berichtet der Mössinger, habe es gedauert, bis die Feuerwehr mit einem Großaufgebot über die B27 angerückt war: 15 Fahrzeuge und 71 Brandschützer der Feuerwehren Mössingen, Belsen, Öschingen, Talheim, Dußlingen, Gomaringen und Tübingen. Die Helfer aus Öschingen legten eine 400 Meter lange Schlauchverbindung zur Kurklinik Sebastiansweiler. Tank-Löschfahrzeuge aus Dußlingen und Gomaringen pendelten parallel dazu hin und her, um am abgelegenen Hof an der B27 für noch mehr Löschwassernachschub zu sorgen. Die Brandschützer bauten eine Riegel-Stellung auf, um ein Übergreifen der Flammen auf die Nachbarhäuser zu verhindern. Der kleinen Familie indes blieb währenddessen nichts anderes übrig, als am Rande des Geschehens zu stehen und die Katastrophe zu beobachten.

Auch Kreisbrandmeister Marco Buess und Oberbürgermeister Michael Bulander waren inzwischen zum Brand geeilt. Sie sahen, wie aus Wohngebäude, Scheune und Anbauten die Flammen hoch in den Nachthimmel schlugen. Zu retten, das war früh klar, war hier fast nichts. Zwei Autos konnte Wahl noch in Sicherheit bringen – zahlreiche weitere Werte, etwa zwei teure Motorräder, sind für immer verloren. Wahl ist weithin als Motorrad-Enthusiast bekannt, die Familie kennt man zudem von Kunsthandwerkermärkten wie dem Mössinger Rosenmarkt.

Zwei Hunde immerhin waren in Sicherheit – zwei Katzen vermisste die Familie am Dienstag noch. „Hoffentlich sind die geflohen und nicht im Haus eingeschlossen gewesen“, sagt Andreas Wahl. Kleidung in der ersten Not bekamen die drei von Freunden und vom DRK.

Gegen 2.45 Uhr – vielleicht drei Stunden, nachdem sich der Brand entwickelt hatte – war das Feuer gelöscht. Erschöpft hatte sich die Familie da schon auf den Weg zu Verwandten gemacht: „Was willste angesichts der Zerstörung noch machen, haben wir uns gedacht“, so Wahl: „Wir waren fertig.“ Noch am Vormittag berichtete er Bekannten in den Sozialen Medien von dem Unglück. Wenig später trudelten die ersten von zahlreichen Hilfsangeboten für die drei ein.

Familie in Bad Sebastiansweiler kann sich vor den Flammen retten
Auf dieser Karte sind sämtliche vom Siemens-Dienst „Blids“ registrierten Blitze am gesamten Montag und am Dienstag bis 6 Uhr morgens um die Hechinger Straße 2 (Anfrageort) in Mössingen verzeichnet. Der nächstgelegene Blitz mit Bodenkontakt schlug demnach fünf Kilometer vom Brandort in Bad Sebastiansweiler entfernt ein. Bild: Blids

Kein Blitzschlag: Brandursache noch völlig unklar

Die Ermittlungen zur Brandursache dauern an. Neben der Polizei prüft auch die Versicherung die Entstehung des Brandes. Am Dienstag beurteilte die Polizei die Ereignisse der Nacht vorläufig so, dass ein Blitzeinschlag aus dem Gewitter über Mössingen die Scheune entflammt haben könnte. Die Schadenssumme beziffern die Beamten derzeit mit „mehreren hunderttausend Euro“. Die B27 war bis zum Morgengrauen voll gesperrt.

Karte

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27.06.2017, 18:05 Uhr
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