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Tübingen

Fakten zum Postfaktischen

10.12.2016
  • Gernot Stegert

„Postfaktisch“ hat die Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres 2016 gekürt. „Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen ‚die da oben‘ bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren“, heißt es in der Begründung. Menschen, die die Wirklichkeit verweigern, hat es schon immer gegeben. Der Stammtisch hat sich ins Netz zu Facebook verlagert. Und doch weist „postfaktisch“ auf etwas Neues hin: Die veränderte Mediennutzung hat dramatische Folgen für die politische Meinungsbildung, ja für die Demokratie.

   Erstens: Nicht die „Lügenpresse“ lügt. Das TAGBLATT und andere Zeitungen sind den Fakten verpflichtet – schon rechtlich, vor allem aber weil unsere Leserinnen und Leser uns auf die Finger klopfen. Bei Fehlern bringen wir Berichtigungen. Dagegen geistern im Internet immer mehr Fake-News (gefälschte Nachrichten) herum. Viele halten diese Manipulationen für die Wahrheit. Doch wer prüft sie, wie Journalisten es bei Gerüchten tun? Wo erscheint eine Korrektur? Schon das also ein Grund, den guten alten Medienakteuren zu vertrauen. Auch das TAGBLATT ist ja im Web, bei Facebook, Twitter und Whatsapp präsent.

   Ein zweiter Grund: Wir sind ein Für-alle-Medium. Wir picken uns nicht nur ein Thema und eine Meinung heraus. Wer eine Tageszeitung liest, kommt aus der Filterblase heraus. So nennen Medienexperten wie der Tübinger Professor Bernhard Pörksen das Phänomen, dass immer mehr Menschen nur noch wahrnehmen, was in ihr Weltbild passt. Sie lehnen nicht nur Fakten ab, sondern schotten sich gegen Neues und Andersdenkende ab. Zeitungen dagegen verführen schon immer dazu, den Horizont zu weiten, weil man Artikel über Themen, Menschen, Sachverhalte liest, die man zuvor gar nicht im Blick hatte.

Fakten liefert passend dazu – wider die Vorurteile und Abgesänge auf die Presse – das Institut für Demoskopie aus Allensbach. Die Zeitung ist nach der aktuellen Studie JIM (Jugend, Information, Multimedia) für Jugendliche das glaubwürdigste Medium. 41 Prozent der 12- bis 19-Jährigen vertrauen am stärksten der Tageszeitung. Auf Platz zwei landet das Fernsehen mit 24 Prozent, gefolgt von Radio (19 Prozent) und Internet (15 Prozent).

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10.12.2016, 01:00 Uhr
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