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Von der Urspringschule ins College-Halbfinale

Ex-Ehinger Gavin Schilling ist in den USA zu einem herausragenden Basketballer gereift

Der Deutsche Gavin Schilling steht mit seinem Team im Halbfinale der amerikanischen College-Basketball-Meisterschaft. Gewinnt er den NCAA-Titel, folgt er Alba-Profi Niels Giffey, der 2014 siegte.

04.04.2015
  • TOBIAS KNAACK

Indianapolis An Selbstvertrauen hat es Gavin Schilling offenbar noch nie gemangelt. Auf seiner eigenen Homepage steht ein Zitat, das viel über das Selbstverständnis des 19-Jährigen verrät: Als einen "der heißesten Highschool-Basketballer des Landes, den kaum jemand kennt", beschrieb er sich da im Frühjahr 2013. Doch der ehemalige Spieler des Basketball-Internats Urspringschule (bei Ehingen) machte damals nicht bloß große Wort. Er ließ auch Taten folgen. In der Nacht auf Sonntag (0.09 Uhr MESZ/Sport 1 US) - also gut zwei Jahre später - steht der Deutsch-Amerikaner mit seinem College-Team, den Michigan State Spartans, im Final Four, dem Halbfinale des amerikanischen College-Basketballs, in Indianapolis. In einem mit 70 000 Zuschauern gefüllten Footballstadion. Als Stammspieler.

Wenn um kurz nach Mitternacht deutscher Zeit Sprungball im Lucas Oil Stadium ist, haben es Schilling und Co. mit dem Team der Spitzen-Uni Duke zu tun. Auf dem Weg ins Halbfinale aber haben die Spartans bereits top-gesetzte Teams aus dem Weg geräumt. Schilling könnte also Niels Giffey von Alba Berlin folgen, der als letzter Deutscher vergangenes Jahr den NCAA-Titel holte. Dass die Spartans dazu in dieser Saison die Chance haben würden, danach hatte es lange nicht ausgesehen. Erst spät kamen sie in Schwung.

Mit ein Faktor dafür, dass das Team doch noch in die Spur kam, ist Schilling, der in seinem zweiten Jahr bei den Spartans auf durchschnittlich 17 Minuten Spielzeit und fünf Punkte kommt. Der 2,07 Meter große und 108 Kilogramm schwere Flügelspieler kommt vor allem über seine körperliche Stärke - und passt damit hervorragend in das Anforderungsprofil der Spartans und deren Trainer Tom Izzo.

Von seiner starken Physis hat Schilling schon früher profitiert - etwa zu seiner Zeit an der Urspringschule im Schuljahr 2010/2011. Damals holte er den Titel in der Jugend-Bundesliga JBBL (U 16) - mit durchschnittlich 27 Punkten und 16 Rebounds pro Partie. In dem Jahr wurde Schilling U-16-Nationalspieler Deutschlands. Mittlerweile ist er im erweiterten A-Kader des Deutschen Basketball-Bundes (DBB).

"Wir mussten ihn eigentlich immer mit der U 19 trainieren lassen", sagt Ehingens Teammanager Nico Drmota. "Ich kann mich auch an mindestens zwei Körbe erinnern, die bei Dunks von Gavin kaputt gegangen sind", sagt er und lacht. Der langjährige Steeples-Coach Ralph Junge hatte Schilling bei einem Basketball-Camp in München entdeckt und nach Urspring gelotst.

"Gavin hat eine Gottesgabe. Er ist ein purer Athlet", sagt Drmota. Entsprechend gut findet sich Schilling im physischen College-Basketball zurecht. Woran es ihm bisweilen mangele, sei die technische Weiterentwicklung, ergänzt Junge, der öfter mit Schilling chattet. An dieser Frage werde sich auch entscheiden, so glaubt der Coach, ob der von ihm gescoutete Schützling später sogar zum NBA-Spieler reifen kann. "Er braucht einen konstanten Wurf." Ansonsten bringe er vieles mit.

Das Talent für Ballsport scheint dem in München geborenen und in Straßburg und Chicago aufgewachsenen Schilling in die Wiege gelegt. Er ist der Sohn des früheren Handball-Profis Andreas Schilling. Sein Patenonkel ist Rüdiger Neitzel, der 1984 mit dem Handball-Nationalteam bei den Olympischen Spielen Silber gewann. Vielleicht kann er am Osterwochenende - das Finale ist in der Nacht auf Dienstag - seinem Patenonkel in puncto Erfolg ja nacheifern. Am Selbstvertrauen zumindest dürfte es nicht scheitern.

Ex-Ehinger Gavin Schilling ist in den USA zu einem herausragenden Basketballer gereift
Spezialgebiet Dunking: Gavin Schilling und die Spartans wollen beim Final Four zumindest ins Endspiel. Foto: afp

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04.04.2015, 12:00 Uhr
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