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Wanderer und Mountainbiker kommen sich in die Quere

Es lagen schon Nagelbretter aus

Mountainbiker lieben Pisten im Wald. Je steiler und unwegsamer, umso besser. Vielen Förstern ist die florierende Mountainbike-Szene im Schönbuch – abseits der breiten Wege – allerdings ein Dorn im Auge.

11.08.2012
  • von Wolfgang albers

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Tübingen. Martin Strittmatter muss erst mal in der Gebührenordnung blättern. Auf Anhieb weiß der Forstdirektor, im Regierungsbezirk Tübingen zuständig für alle Staatswälder, nicht, wie viel unerlaubtes Mountainbiken im Wald kostet. „Da sieht man: Wir verhängen gar keine Buß- oder Verwarnungsgelder“, kommentiert Götz von Bülow. Er ist im Landkreis der Chef über alle Reviere. Besonders ausgedehnt sind die im Naturpark Schönbuch.

Konflikte und Unfälle mit Wanderern

Mittlerweile ist der Schönbuch ein gern genutztes Mountainbike-Revier. Prinzipiell hat Götz von Bülow auch nichts dagegen: „Wir haben ein gigantisches Wegeangebot, über 500 Kilometer, und da sind steile Forststraßen dabei – also kann man sich bei uns auch als Mountainbiker auspowern.“ Allerdings: nur im Rahmen des Waldgesetzes (siehe: „Waldwege sind keine Radwege“) – aus Gründen der Sicherheit. Auch wenn Strittmatter aus dem Schönbuch keine Kollisionen zwischen Radfahrern und Wanderern bekannt sind („Wir bekommen das allerdings auch nicht gemeldet“) – eine Untersuchung aus dem Stuttgarter Bereich listet tausend Unfälle auf: „Da hat es auch Tote gegeben.“ In Umfragen unter Schönbuch-Besuchern kristallisiere sich der Konflikt zwischen Wanderern und Radfahrern als einer der Hauptpunkte heraus.

Auch Flora und Fauna möchte Strittmatter zu direkten Kontakt mit Mountainbikern ersparen. „Es gibt Schutzgebiete mit Orchideen, wenn da ein Reifen drüberpflügt, sind die weg. Und der Schutz des Rotwildes ist auch ein wesentlicher Faktor. “

Götz von Bülow sieht die Mountainbiker noch aus einem anderen Grund ungern auf schmalen Waldwegen: „Wir haben hier sehr weiche Böden. Wenn es länger geregnet hat, sind die Wege kaputt, sobald da die Mountainbiker durchfahren.“

Am Birkensee gibt es einen ganz empfindlichen Torfboden. Götz von Bülow hat dort deshalb Verbotschilder für Radfahrer aufgehängt. „Nach einer Woche waren sie weg – das hat mich schon geärgert.“ Zwar machten die allermeisten Radfahrer keinen Kummer: „80 bis 85 Prozent kommen mit den Wegen über zwei Meter Breite klar.“ Aber das Verhältnis zu den Hardcore-Mountainbikern ist nicht frei von Spannungen: „Wenn man mal einen anspricht und auf die Gesetzeslage hinweist, bekommt man schon mal einen bestimmten Finger der Hand gezeigt.“ Einen richtigen Kleinkrieg hat ein Privatwaldbesitzer gegen Mountainbiker gestartet. Da lagen dann schon mal Nagelbretter aus. „Da mussten wir eingreifen und das stoppen“, erinnert sich Götz von Bülow.

Könnte man die Lage durch das Ausweisen von Strecken entschärfen? Strittmatter kennt das von Wildbad, wo Mountainbiker mit der Seilbahn zum Start der Downhill-Passagen gebracht werden. Oder von Albstadt, das sich mit einem Mountainbike-Netz auf dem Tourismusmarkt profiliert. Aber da sind Private oder Gemeinden die Betreiber.

Schanzen-Duell mit der Downhill-Szene

„Wir vom Forst können das nicht auch noch machen“, sagt Götz von Bülow, der den Ansturm der Freizeitsportler auch kritisch sieht: „Das ist ja ein Wald. Den können wir nicht einfach zum Sportgerät degradieren.“ Im Schönbuch will Strittmatter das auch gar nicht: „Wir wollen im inneren Schönbuch Erholung und keinen Rummel. Rustikalere Dinge schieben wir eher an den Rand.“ So ist mit dem Forst im Ostteil eine Mountainbike-Route ausgewiesen worden, die schmälere Passagen und die Downhill-Piste am alten Lustnauer Sportplatz einschließt. „Wir sind da rechtlich an die Grenze gegangen“, sagt Götz von Bülow. Immerhin: Ausnahmen von der Zwei-Meter-Regel sind möglich.

Aber nicht bei allem, sagt Götz von Bülow. Nicht bei Schanzen. Die sehr junge Downhiller-Szene liefert sich da ein Duell mit dem Forst: Sie baut aufwändige Schanzen an Sprungstellen, der Forst sägt sie wieder zusammen. Vor einigen Wochen hat Götz von Bülow ein Prachtexemplar von Schanze am Downhill zum Alten Lustnauer Sportplatz entdeckt. Als Vater findet er es ja toll, dass die Jugend nicht nur das virtuelle Abenteuer in Computerspielen sucht – aber als Forstbeamter sagt er: „Wir haben die Verkehrssicherungspflicht – wir dürfen nichts Gefährliches auf unseren Wegen dulden.“

Es lagen schon Nagelbretter aus
Die abwechslungsreichsten Mountainbike-Pisten baut die Natur – erlaubt ist das Radfahren abseits befestigter Wege im Wald freilich nicht. Bild: Albers

Das Landeswaldgesetz Baden-Württemberg erlaubt das Radfahren im Wald nur auf befestigten Wegen und Straßen mit einer Mindestbreite von zwei Metern. Auf unbefestigten Trassen, auf Fußwegen, Sport- und Lehrpfaden ist Radfahren verboten. Außerdem sollen sich Radfahrer so verhalten, dass Sicherheit und Erholung anderer Waldbesucher nicht beeinträchtigt werden: „Beim Begegnungsverkehr hat der Fußgänger Vorrang.“
Wer sich als Radfahrer nicht daran hält, läuft Gefahr, sich ein Verwarnungs- oder Bußgeld (zwischen 10 und 40 Euro) einzuhandeln. Im Regelfall werde aber eine Verwarnung ohne Verwarnungsgeld ausgesprochen, sagt der im Regierungsbezirk Tübingen für die Staatswälder zuständige Förster Martin Strittmatter.

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11.08.2012, 12:00 Uhr
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