Freibad

„Es gehört auch Herzblut dazu“

Von Franziska Grünwald

Große Veränderungen in Dettenhausen: Nach der Saison wird eine ganze Menge erneuert und saniert. Aber auch der Pächter des Kiosks Rudolf Schmitt geht nach zehn Jahren in den Ruhestand.

„Es gehört auch Herzblut dazu“

Rudolf Schmitt genießt seine letzten Wochen als Pächter

Im Freibad in Dettenhausen wird sich ab nächster Saison einiges ändern: Neben den Sanierungsarbeiten zur Erneuerung der Technik und dem Ausbau des Kinderspielplatzes muss der Kiosk neu besetzt werden. Einen neuen Pächter für den Kiosk im Freibad zu finden sei sicherlich nicht einfach, meint Rudolf Schmitt, bisheriger Pächter und leidenschaftlicher Betreiber des kleinen Kiosks im Dettenhäuser „Bädle“. Die Arbeitszeiten seien schlecht planbar und das Interesse an einem Job, der nur im Sommer stattfindet, wohl einfach zu gering.

Tatsächlich verlief die Suche nach motivierten Nachfolgern bisher erfolglos. Dabei drängt die Zeit: Schmitt möchte nach zehn Jahren endlich in den Ruhestand gehen, nächstes Jahr wird er 70. Daher nahm er die baldigen Veränderungen im Freibad zum Anlass, sich zu verabschieden.

Begonnen hatten Schmitt und seine Lebenspartnerin Petra Farien die Arbeit im Mai 2008, sie gerieten durch Bekannte an die Stelle im Freibad. Die geborene Dortmunderin war schon in jungen Jahren in der Gastronomie tätig und hat ihre Leidenschaft für gutes Essen bis heute nicht verloren: „Es gehört auch Herzblut dazu, man muss es lieben“ beschreibt Farien ihre Arbeit in dem kleinen Lokal im Freibad.

Liebevoll bereitet sie auch für das Freibad untypische Gerichte wie Caprese oder selbstgemachte Hamburger zu und serviert sie den Gästen gerne persönlich. Die Arbeit im Freibad nun aufzugeben, fällt beiden schwer, jedoch „tun die Knochen mit der Zeit zu sehr weh“.

Dies verwundert kaum, lässt man sich von den beiden einen typischen Arbeitstag in der Hochsaison im Freibad schildern: „Wenn sehr viele Gäste da sind, stehen wir zehn Stunden ohne Pause im Kiosk“ , erzählt Schmitt. Die Öffnungszeiten des Kiosks sind identisch zu denen des Freibads, daher hat es an etwa 120 Tagen im Jahr geöffnet, davon seien etwa 40 stark besucht.

Nach zehn Jahren Erfahrung kann Schmitt auf eine Reihe Erlebnisse zurückblicken, sowohl auf sehr erfreuliche als auch auf negative: „Ein einziges Mal wurde eingebrochen, Badeunfälle gab es selten“,berichtet er.

Damals ein Eis, heute ein Bier

Erfreulich findet es Schmitt vor allem, den Kindern, die regelmäßig zu ihm kommen, beim Aufwachsen zuzusehen: „Einige Kinder, die früher bei mir Eis und Gummibärchen kauften, holen sich heute mit der Freundin im Arm ein Bier“, berichtet Schmitt.

Die Kinder lagen ihm über all die Jahre besonders am Herzen, daher senkte Schmitt die Preise für die Lieblingsspeisen der Kleinen, wie Eis und Pommes, und hält sie bis heute niedrig. Stolz kann er sich heute mit dem Titel „Günstigstes Freibadkiosk im Umkreis“ schmücken. Im Vergleich zu seiner früheren Tätigkeit in der Textilbranche in Sindelfingen gefällt ihm besonders das Verhältnis zu den Kunden: „Früher wollte ich immer etwas von meinen Kunden, heute wollen die Leute etwas von mir.“

Zu den alltäglichen Aufgaben gehört jedoch nicht nur das Zubereiten und Verkaufen der Speisen. Der Bereich um den Kiosk müsse sauber gehalten und der Bestand an vorrätigen Lebensmitteln geplant werden, schildert Schmitt. Dies sei aufgrund der unvorhersehbaren Besucherzahlen nicht immer einfach: „Im ersten Jahr bin ich mit einer riesen Menge an übrig gebliebenen Lebensmitteln ins Altenheim gefahren, um sie dort zu verschenken,“ sagt er.

Bei Hochbetrieb half der Sohn

Im Nachhinein bereuen Schmitt und Farien es, nicht schon früher die Arbeit im Kiosk begonnen zu haben: „Hätten wir zehn Jahre früher angefangen, hätten wir es auch auf volle 20 Jahre gebracht“ stellt Farien fest.

Ihrer Meinung nach ist es vor allem die Liebe zum Detail und zur Qualität, durch die sie sich von anderen Kioskbetreibern abheben. Beide achten besonders auf die Optik der Gerichte, garnieren zum Beispiel mit Kräutern aus dem eigenen Garten.

Die Tatsache, dass noch keine neuen Pächter gefunden wurden, bereitet beiden Sorge. Gerne wären sie bereit, Interessenten einen Einblick in ihre Arbeit zu gewähren. Ideal wäre ihrer Meinung nach ein Ehepaar oder auch eine Großfamilie, in der bei Bedarf auch kurzfristig noch jemand zur Verstärkung einspringen kann. Bei ihnen war es einer der beiden Söhne, der während seines Studiums an der Hochschule für Fortwirtschaft in Rottenburg aushelfen konnte, wenn mal wieder Hochbetrieb herrschte. Ansonsten sei es eher schwierig, jemanden zu finden, da man ja nie genau weiß, wann man Verstärkung braucht, sagt Schmitt.

Die neuen Pächter sollten auf jeden Fall gewisse Eigenschaften mitbringen, um dem Job im Freibad gerecht werden zu können: „Man muss kinderfreundlich sein und geduldig mit den Kleinen sein können“, sagt er. Seine Partnerin ergänzt: „Etwas Fachwissen im Bereich Gastronomie ist auch von Vorteil.“

Beide und auch die Gemeinde Dettenhausen hoffen, zu Saisonbeginn 2018 neue Pächter gefunden zu haben, damit der Kiosk im Freibad weiter bestehen kann.


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19.08.2017 - 01:00 Uhr