Medizin

Erstmals Gebärmutter transplantiert

Von Angelika Bachmann

Ein Ärzteteam implantierte einer 23-Jährigen ein Spenderorgan.

Ein multidisziplinäres Ärzteteam hat am Tübinger Uni-Klinikum erstmals in Deutschland eine Gebärmuttertransplantation vorgenommen. Die Patientin ist 23 Jahre alt und wurde bereits vor einer Woche operiert. Die mehrstündige Operation verlief ohne Komplikationen. Der jungen Frau geht es gut, teilte das Universitäts-Klinikum gestern mit.

Das Ärzte-Team wurde geleitet von Prof. Sara Brucker, Prof. Alfred Königsrainer, Prof. Silvio Nadalin und Prof. Diethelm Wallwiener. Zum Team gehörten zudem Ärzte vom Universitätsklinikum Göteborg, wo man schon Erfahrungen mit Gebärmuttertransplantationen hat. Mit den dortigen Ärzten stehen die Tübinger Experten schon lange im Kontakt. Die Patientin, die in Tübingen operiert wurde, litt an Infertilität aufgrund eines Mayer-Rokitanski-Küster-Hauser (MRKH) –Syndroms, einer angeborenen Fehlbildung des Genitals. Bei Frauen mit MRKH-Syndrom ist die Gebärmutter nicht ausgebildet. Die Patientin hat das Transplantat als Lebendspende erhalten.

Planungen seit mehreren Jahren

Etwa 3 bis 5 Prozent aller Frauen leiden an absoluter uteriner Infertilität, teilte das Uni-Klinikum mit. Die einzigen Möglichkeiten für diese Frauen, Mütter zu werden oder sogar genetisch eigene Kinder zu bekommen, waren die Adoption oder die Leihmutterschaft, die wiederum in Deutschland nicht erlaubt ist. Die Ursachen der uterinen Infertilität reichen von geringfügigen Fehlbildungen oder gutartigen Veränderungen der inneren Gebärmutter, die mit operativer Therapie beseitigt werden können, bis hin zum kompletten Fehlen des Uterus.

Die Planungen für die Uterus-Transplantation liefen am Tübinger Uni-Klinikum bereits seit mehreren Jahren. An der Frauenklinik ist zudem das Zentrum für seltene genitale Fehlbildungen angesiedelt – mit der Expertise zur Behandlung von Frauen, die zum Beispiel ohne Scheide oder Gebärmutter geboren werden.

Laut Klinikum kommen für eine Uterus-Transplantation Frauen in Frage, die von Geburt an keine Gebärmutter haben. Ebenso Frauen, denen die Gebärmutter entfernt werden musste, zum Beispiel weil sie Krebs hatten oder weil sie bei einer vorangegangenen Entbindung starke Blutungen hatten, sich aber nun ein weiteres leibliches Kind wünschen. Forschungen hätten gezeigt, dass die Einnahme von Immunsuppressiva nach einer Transplantation einer Schwangerschaft nicht im Wege stehe. Der Embryo werde dadurch nicht geschädigt.


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22.10.2016 - 01:00 Uhr