Ausstellung

Erster Blick auf dieGurlitt-Bilder

Von DPA

In Bonn und Bern sind 400 Werke aus dem angeblichen „Nazi-Schatz“ zu sehen. Heute eröffnet die Schweiz.

Erster Blick auf die
Gurlitt-Bilder

Eine Besucherin in der Berner Ausstellung. Foto: afp

Bern. Muss die Kunstgeschichte neu geschrieben werden? Das war die Frage nach der Entdeckung eines „Nazi-Kunstschatzes“ in der Wohnung des Münchners Cornelius Gurlitt. Nein, muss sie nicht, bestätigt die erstmalige Ausstellung einer Auswahl dieser Werke, deren erster Teil nun in Bern eröffnet hat, Teil zwei kommt in Bonn (Bericht folgt). Dennoch gehören die Präsentationen von 400 Grafiken, Gemälden und Skulpturen aus dem Bestand von Gurlitts Vater Hildebrand, einem der Kunsthändler Hitlers, zu den Kunstereignissen des Jahres.

Drei Jahre, nachdem Cornelius Gurlitt dem Kunstmuseum Bern alle mehr als 1500 Werke vererbte, bieten Bern und die Bonner Bundeskunsthalle mit der „Bestandsaufnahme Gurlitt“ wichtige Einsichten. Mit der Annahme der Erbschaft hatte Bern sich schwer getan. Es sei eine Raubkunstdebatte befürchtet worden, sagte der Vizepräsident des Museums-Stiftungsrates Marcel Brülhart der „Neuen Zürcher Zeitung“. Hinzu kam, dass das Museum beinahe drei Millionen Franken aufbringen musste, vor allem für Rechtsstreitigkeiten. Nun wollte man auf Nummer sicher gehen, es sollten nur Werke in die Schweiz kommen, bei denen kein NS-Raubkunstverdacht besteht. In Deutschland werden 250 Werke gezeigt, die noch unter Verdacht stehen. Dass bislang sechs Werke als Raubkunst identifiziert wurden, sei „keine kleine Zahl“, sagt Rein Wolfs, der Intendant der Bundeskunsthalle.

Die Schweiz präsentiert „Entartete Kunst“, rund 150 Werke einer zeitgenössischen Kunst, die die Nazis aus Museen entfernt und zu Geld gemacht hatten. Auch mit Hilfe von Hildebrand Gurlitt, der etliche Stücke selbst erwarb. Dazu gehören Werke des Symbolismus, des Konstruktivismus und des Expressionismus. Die Berliner Sezession ist vertreten, besonders aber „Die Brücke“ und Künstler der Neuen Sachlichkeit. Ein Wermutstropfen in Bern: Ausgerechnet mit dem wertvollsten Exponat, dem Cézanne-Gemälde „La Montagne Sainte-Victoire“, gibt es Probleme. Es war erst als nicht Raubkunst-verdächtig eingestuft worden. Nun haben sich Nachkommen von Cézanne gemeldet. dpa


Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

(c) Alle Artikel und sonstigen Inhalte der Website sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.


02.11.2017 - 06:00 Uhr