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Eisenstangen-Anschlag im Maisfeld
Aufatmen können Maisbauern erst, wenn das Feld abgeerntet ist: Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen, weil Unbekannte Eisenteile an den Pflanzen so platzieren, dass Häcksler beschädigt werden. Foto: dpa
Landwirtschaft

Eisenstangen-Anschlag im Maisfeld

Die Masche ist kriminell: An den Pflanzen angebrachte Metallteile stoppen Erntemaschinen und bringen die Fahrer in Gefahr. Wer macht so etwas?

07.10.2017
  • ALFRED WIEDEMANN

Achstetten. Mutwillig und bösartig“ sei das, was Unbekannte in seinen Maisfelder versucht haben, sagt Landwirt Hans Walz aus Achstetten im Kreis Biberach: Eisenstangen waren an mehreren Maispflanzen befestigt, und zwar „so perfekt angebunden, dass sie nicht runterfallen konnten“. Geraten solche Eisenteile beim Abernten in einen Häcksler, können sie nicht nur an den Erntemaschinen viel Schaden verursachen. Umherfliegende Metallteile bringen auch den Fahrer in tödliche Gefahr.

Auf Walz' Feldern stoppten die Metallsensoren der Maschinen den Häcksler noch rechtzeitig. Aber Schaden gab es trotzdem für den Lohnunternehmer, den Walz engagiert hat: Bevor die Ernte nach so einem Zwischenfall weitergehen kann, müssen die abrupt gestoppten Maschinen erst einmal genau untersucht werden. Solche Zwangspausen kann in der Erntehektik niemand gebrauchen. Zeit ist Geld mitten im Erntegeschäft.

„Gefährlich und kriminell“

Die Versicherung springe zwar ein, sagt Walz, aber diese Sabotageversuche seien mehr als nur ärgerlich, sie seien „gefährlich und kriminell“. Der betroffene Lohnunternehmer hat Strafanzeige erstattet.

Seit Jahrzehnten baue er schon Mais an, sagt Vollerwerbslandwirt Walz. Er beliefere schon lange den Betreiber einer Biogasanlage, der Mais wird energetisch verwertet. Kollegen hätten auch schon Nägel in Maiskolben entdeckt, sagt er. Aber solche massiven Anschlagsversuche mit Metallstangen, die habe es bei ihm noch nie gegeben. Anderswo aber schon: Vor einem Jahr zerstörten in Amstetten im Alb-Donau-Kreis Eisenteile, die an Maispflanzen befestigt waren, das komplette Schneidwerk eines Maihäckslers. Der Schaden damals: 10 000 Euro. Im benachbarten Bayern muss sich die Polizei seit Jahren jeden Herbst mit neuen Maisfeld-Attentaten beschäftigen. 2016 hat es den Kreis Donau-Ries besonders getroffen. Vier Maishäcksler wurden schwer, einer leicht beschädigt: 200 000 Euro Schaden. Nach dieser Serie rückte sogar die Feuerwehr an, um Felder auf Eisenteile abzusuchen.

Diesen Herbst war dann das Ostallgäu dran: Ein Lohnunternehmer fand in Maisfeldern Eisenteile und stellte Strafanzeige. Die Buchloer Polizei ermittelt. In Rain am Lech im Kreis Augsburg waren in zwei Feldern ebenfalls Metallstücke an Maispflanzen gebunden. Sie gerieten in Häcksler. Der Schaden wird auf 35 000 Euro geschätzt. Anfang Oktober dann im Kreis Günzburg dieselbe Masche: Ein Metallteil geriet in einen Mähdrescher. Schaden hier: „nur“ 3500 Euro.

Jetzt also Oberschwaben. Landwirt Walz kann sich nicht erklären, warum jemand so etwas macht.

Protest gegen Monokultur?

Ist es der hochgefährliche Protest gegen das Zupflastern der Landschaft mit immer mehr monotonen Maisfeldern? Oder steckt gar ein krimineller Konkurrenzkampf von Lohnunternehmern dahinter, die sich Ernteaufträge abjagen möchten?

Der Polizei in Österreich ist vor drei Jahren ein Maisfeld-Saboteur ins Netz gegangen. Getroffen hatte es damals einen Landwirt in Tirol, berichtete der Österreichische Rundfunk. Eine mit Kabelbindern an einer Maispflanze befestigte Edelmetallstange beschädigte den Häcksler, ein Anhänger voll mit Mais-Silage war nur noch Abfall. 50 000 Euro Schaden hatte der Biobauer. Die Polizei konnte laut ORF den Täter ermitteln, er gestand. Sein Motiv: er wollte Konkurrenzunternehmen schaden.

In Achstetten hofft Landwirt Walz darauf, dass die Polizei auch den Unbekannten erwischt, der seine Maisfelder so professionell mit den Metallteilen bestückt hat. Er hat im Mitteilungsblatt der Gemeinde eine Anzeige aufgegeben, in der er 3000 Euro Belohnung verspricht für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen.

Bisher allerdings haben die Ermittler noch keine heiße Spur, sagt Sprecher Wolfgang Bauer vom zuständigen Ulmer Polizeipräsidium.

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07.10.2017, 06:00 Uhr
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