Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Einträchtig für Vielfalt
Ein „Leben in Vielfalt“ ist, wie der Alltag am Mannheimer Marktplatz zeigt, gelebte Realität. Als Zeichen gegen alle Scharfmacher wurde nun ein breites Bündnis geschmiedet. Foto: Wolfgang Risch
Bündnis

Einträchtig für Vielfalt

Eine breit aufgestellte Initiative bekennt sich in der „Mannheimer Erklärung“ zu einem friedlichen Zusammenleben aller Kulturen.

11.10.2016
  • WOLFGANG RISCH

Mannheim. Seit Jahrhunderten, so sagt Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD), sei die Vielfalt in der Mannheimer Stadtgesellschaft Realität. Und: Sie nehme weiterhin zu. Angehörige von 166 Nationen sind in der Metropole an Rhein und Neckar vertreten. Die unterschiedlichen Lebensarten gehen durch alle Milieus, sagte Kurz bei der Gründungsfeier des „Mannheimer Bündnisses für ein Zusammenleben in Vielfalt“.

Der Fokus liege gegenwärtig auf von rechten Kreisen bestimmten Debatten. Diese aber verschiebe die Realtiätswahrnehmungen. „Wir müssen uns gegen alle gemeinsam zur Wehr setzen, die die Gemeinschaft spalten wollen“, sagte OB Kurz. „Vielfalt ist schlicht eine Tatsache und wir wollen sie gestalten.“

Insgesamt 140 Institutionen unterstützen das Mannheimer Bündnis – Konzerne, Betriebsräte, Parteien, Verbände, Behörden. Ein Zeichen gegen den Zeitgeist: Die Gestalter einer Gemeinschaft in Vielfalt würden gegenwärtig als realitätsfern gebrandmarkt, sagte Kurz. „Aber wir dürfen uns auf diese Spaltung nicht einlassen, unsere Grundwerte sind Rechtsstaatlichkeit und Toleranz.“ Mit der Gründung des Bündnisses sei eine wichtige Gestaltungsaufgabe verbunden, so der Mannheimer Oberbürgermeister.

Das Bündnis, so das erklärte Ziel, will ein von gegenseitigem Respekt getragenes Zusammenleben fördern und jeglicher Form der Benachteiligung und Ausgrenzung entgegenwirken. Grundlage der Initiative ist die seit der Zeit des Gaza-Krieges 2008/09 angestrebte „Mannheimer Erklärung“. Damals hatten einzelne Islamverbände antisemitische Parolen verbreitetet.

„Seitdem sind wir einen schweren Weg gegangen“, sagte Kurz, „um einen soliden Standard zu erreichen.“ Dieses „Werteverständnis für ein gelingendes Zusammenleben wurde im Mai vom Gemeinderat verabschiedet. Es orientiert sich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948, welche die unveräußerliche Würde und die Grundrechte jedes einzelnen Menschen festschreibe.

Kurz erklärte zur aktuellen politischen Situation: „Das, was am 3. Oktober in Dresden passiert ist, war kein normaler Protest, wie wir ihn bisher kannten.“ Nicht Trillerpfeifen und Schmährufe seien neu, sondern das Motto, unter dem das geschieht. „Wir sind das Volk“ sei eine zutiefst ausgrenzende Parole und die Aufkündigung des Dialogs. Der Mannheimer OB sieht das Bündnis für Vielfalt als „Einladung an alle mitzumachen“. Es sei aber auch schon vorgekommen, dass bestimmte Kreise dieses für ihre Zwecke zu missbrauchen gedachten. „Wir distanzieren uns von allen, die es und seine Ziele unterlaufen wollen“, betonte Kurz.

Andreas Foitzik vom Netzwerk Anti-Diskriminierung in Reutlingen betonte die Bedeutung von Vielfalt für die Stadtgesellschaft. Er wies auf die Folgen von Diskriminierung hin und sagte, im Südwesten seien diese Themen „lange am Rand gehalten“ worden. Die Mannheimer Erklärung hingegen stelle sich klar gegen jede Form von Rassismus oder Diskriminierung. „Dass Menschen die Möglichkeit haben, die zu sein, als die sie sich selbst verstehen, das ist Vielfalt.“

Diskriminierung werde oft nicht bemerkt oder beabsichtigt. Das ändere gleichwohl nichts, es seien „die gleichen Effekte, die bei den Menschen ankommen“. Foitzik nannte das Mannheimer Bündnis „breit, tief und aktiv“: „Hier treffen sich Menschen, die sonst eher mit sich selbst zu tun haben. Und sie erkennen, dass sie mehr Verbindendes als Trennendes haben.“ OB Kurz erinnerte an den Satz des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber: „Alles Leben ist Begegnung“.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

11.10.2016, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
 
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-0
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934166
wip@tagblatt.de

Zum Kontaktformular