Weihnachtsgeld

Eine schöne Bescherung zum Fest

Von MATTHIAS JEDELE

Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland erhalten das finanzielle Extra. Unternehmen können von der Sonderzahlung in mehrfacher Hinsicht profitieren.

Eine schöne Bescherung zum Fest

Die Vorfreude auf Weihnachten steigt insbesondere im Handel. Das Weihnachtsgeld fließt zum Großteil direkt in den Konsum. Foto: dpa

Stuttgart.. Beim Blick auf den nächsten Gehaltszettel steigt bei Millionen Beschäftigten in Deutschland die Laune. Es gibt Weihnachtsgeld. Einige Hundert Euro extra sichern nicht nur den Kauf der Geschenke für die Liebsten, sondern trösten viele auch darüber hinweg, dass die alljährlichen Zahlungen der Versicherungsprämien den Kontostand belasten. Manche bekommen sogar ein halbes bis ganzes Monatsgehalt zusätzlich.

Doch nicht alle Arbeitnehmer können sich über den zusätzlichen Geldregen freuen. Die jährliche Umfrage des Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung mit rund 6000 Teilnehmern hat 2016 gezeigt, dass nur rund 55 Prozent aller Beschäftigten sich über den Bonus auf dem Weihnachtsgehaltszettel freuen kann. „Der Anspruch auf Weihnachtsgeld ist nicht gesetzlich geregelt. Er kann sich nur aus Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung, Arbeitsvertrag, Gleichbehandlungsgrundsatz oder betrieblicher Übung ergeben“, erklärt Rainer Jung von der Hans-Böckler-Stiftung.

Dies hat zur Folge, dass auch die Höhe des gezahlten Weihnachtsgeldes von Region zu Region und Unternehmen zu Unternehmen schwankt. „Meist wird die Höhe des Weihnachtsgeldes als fester Prozentsatz vom Monatseinkommen berechnet“, erklärt Jung. In einigen Tarifverträgen steigt das Weihnachtsgeld mit Betriebszugehörigkeit. Es gibt aber auch Arbeitgeber, die das Weihnachtsgeld freiwillig bezahlen und die Höhe entsprechend selber festlegen können.

Nach Angaben des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall werden in Baden-Württemberg im Maschinenbau, der Autoindustrie inklusive Zulieferer und in der Metallverarbeitung und Metallerzeugung von gut 900.000 Beschäftigen rund 500.000 in 1000 tarifgebunden Unternehmen beschäftigt. „Der Tarifvertrag ist hier ausschlaggebend. Die Höhe des Weihnachtsgeldes hängt prozentual vom Monatsverdienst und von der Betriebszugehörigkeit ab“, sagt IG Metall-Pressesprecherin Petra Otte.

Besonders interessant ist die weihnachtliche Sonderzahlung für den Handel. „Das Weihnachtsgeld ist für die Beschäftigten im Einzelhandel ein wichtiger und schöner Anreiz, sich auch weiterhin mit dem Unternehmen verbunden zu fühlen und beste Arbeit dafür abzuliefern“, sagt Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin beim Handelsverband Baden-Württemberg. „Zusätzlich kaufen viele Beschäftigte davon Geschenke für Weihnachten – was wiederum dem Einzelhandel insgesamt zugutekommt.“ Doch auch hier gibt es Unterschiede: „Unternehmen, die im Tarif sind, bezahlen 62,5 Prozent des Monatsgehalts als Weihnachtsgeld. Bei Unternehmen, die nicht im Tarif sind, gibt es keine Vorgaben. Hier sind Warengutscheine zur Weihnachtszeit aber eine Möglichkeit, den Mitarbeitern etwas Gutes zu tun“, ergänzt Handelsverband-Pressesprecher Hilmar Pfister.

Feine Unterschiede

In der Pflegebranche wird zwischen der Arbeit im Krankenhaus und der Altenpflege unterschieden. „Während im Krankenhaus und der stationären Altenpflege der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) als Leitwährung dient, sieht es für die ambulante Altenpflege eher mau aus“, sagt Christina Ernst, Verdi-Gewerkschaftssekretärin für Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen im Bezirk Stuttgart.

Die Höhe des Weihnachtsgeldes richtet sich nach dem monatlichen Verdienst. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter mit einem geringeren Einkommen 82,05 Prozent des Monatsgehalts als Weihnachtsgeld bekommen und Besserverdienende 75,52 beziehungsweise 53,43 Prozent. Die Angestellten in den unteren Tarifgruppen sind auf eine solche Regelung angewiesen“, ergänzt Ernst.

Wichtig für Jobauswahl

Das Weihnachtsgeld ist, in Zeiten des Fachkräftemangels, nicht nur vielfach eine schöne Bescherung für die Mitarbeiter, sondern trägt auch erheblich zur Attraktivität einer Stelle bei. Es könnte in Zukunft des Öfteren den Ausschlag geben, ob der Wunschbewerber sich für den ausgeschriebenen Arbeitsplatz im Unternehmen entscheidet oder doch lieber zur Konkurrenz geht. (mit dpa)


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08.11.2017 - 06:00 Uhr