Rockmusik

Eine Nacht,an die man sich erinnert

Von CHRISTOPH A. SCHMIDBERGER

Saga geben ihr letztes Konzert in Stuttgart voller Professionalität und Hingabe an die Fans.

Stuttgart. „Don't Be Late“, „Careful Where You Step“, „Time's Up“, „Time To Go“ – es fiele leicht, mit beliebten Saga-Songs die Geschichte dieser Band zu erzählen, die am Sonntagabend vor fast 1500 Besuchern im nahezu ausverkauften LKA-Longhorn in Stuttgart-Wangen fast drei Stunden lang ihren Abschied vom Ländle genommen hat. Nach 40 Jahren pausenlosen Tourens und 22 Studioalben soll für die Kanadier dieses Jahr endgültig der letzte Vorhang fallen, mit Ausnahme einer Woche auf der Prog-Rock-Kreuzfahrt „Cruise to the Edge“ im Februar 2018 und Arbeiten im Studio.

Als Punk und Disco dem als aufgeblasen geltenden Progressive Rock den Kampf ansagten, trafen Saga mit ihren knackigen, sportlichen Rocksongs, die trotz vertrackter Rhythmen und den berüchtigten Unisonoläufen von Gitarre und Keyboards mit epischen Melodien aufwarteten, den Nerv der Zeit. Zumindest in Europa und Puerto Rico, denn selbst um 1985, als Saga auf dem Zenith ihres Schaffens waren, klappte es nicht mit dem Durchbruch in den wichtigen Musikmärkten USA und England.

Zuletzt schlich sich beim immer noch stimmgewaltigen Frontmann Michael Sadler (63, Gesang/Keyboards/Bass), Jim Crichton (64, Bass/Keyboards), Ian Crichton (61, Gitarre), Jim Gilmour (59, Keyboards/Gesang) und Drummer Mike Thorne zwar eine das Experiment scheuende Routine ein. Das brachte als Kehrseite jedoch ein hohes Maß an Professionalität und Hingabe an die Fans mit sich. Davon profitierte das Stuttgarter Publikum, das zunächst gut 40 Minuten lang vor antiquierter Bibliotheksdeko von der fiktiven Vorband „The Pockets“ (alias Saga) mit Unplugged-Versionen von Saga-Songs umschmeichelt wurde.

Zum Schluss volle Power

Die melancholische Pianoballade „Images (Chapter One)“ über den jungen Einstein setzte das passende Thema für einen Abend des Abschieds und der Überraschungen, wie etwa Gilmours Einsatz von Klarinette und Akkordeon – letzteres wurde eigens für diese Tour in der Werkstatt von „Dr. Akkordeon“ Detlef Gödicke in Heilshorn in Niedersachsen angefertigt. Nach kurzem Umbau gab es dann noch einmal die Hits und Fanfavoriten mit voller elektrischer Power und der bis dato aufwendigsten Videoshow.

Ständiger Applaus zwischen den Stücken und minutenlange Zugabechöre wurden mit drei Zugaben, darunter „Wind Him Up“ belohnt, bevor ein gerührter Sadler mit den Worten „A night to remember“ – Ihr seid für immer in meinem Herz“ seine Sternenkrieger von der Bühne führte.

Christoph A. Schmidberger


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07.11.2017 - 06:00 Uhr