AMG

Ein Sportwagen zum Geburtstag

Von PETER ILG

Vor 50 Jahren gründeten zwei Ingenieure ein Start-up für Rennsportmotoren. Heute setzt die Tuning-Schmiede von Mercedes auch auf innovative Hybrid-Fahrzeuge für die Zukunft.

Ein Sportwagen zum Geburtstag

Ein Blick in die Mercedes-AMG V8-Motorenmanufaktur. Jeder Motor wird per Hand von nur einem Arbeiter gefertigt. Foto: Daimler

Zum 50. Zum 50. Geburtstag ein neuer Sportwagen. Dieses Geschenk haben sich Daimler und seine Tuningtochter AMG selbst gemacht: Auf der IAA in Frankfurt haben die Stuttgarter Project One vorgestellt. Die Idee, Formel-1-Hightech in ein Straßenauto zu bringen, ist nicht neu. Aber Mercedes und AMG gehen einen Schritt weiter: Große Teile der Antriebstechnik des 2015er Formel-1-Rennwagens ihres Mercedes-AMG-Petronas Formel-1-Teams finden sich in Project One wieder.

Es liege nun am Management, die Erfolgsgeschichte von AMG nicht nur zu feiern, sagt Geschäftsführer Tobias Moers, sondern „in einer der spannendsten Zeiten der Automobilgeschichte die Performance der Zukunft mit zu gestalten“. Die Grundlagen dafür sind gelegt: Seit 2013 bietet AMG den SLS Electric Drive an, ein rein elektrisch angetriebener Super-Stromer mit Flügeltüren für 420 000 EUR. Auf dem Genfer Automobilsalon im März zeigte das Unternehmen den GT Concept. Es wird der erste Hybrid von AMG sein, mit einer Systemleistung von gut 800 PS.

Besucht man AMG, hört man schon beim Einbiegen in die Daimlerstraße im Industriegebiet von Affalterbach, dass in der kleinen Gemeinde 20 Kilometer nördlich von Stuttgart keine gewöhnlichen Motoren gefertigt werden. Auf der Straße ist die Dichte sportlicher Autos mit am höchsten in Deutschland. Hier, am Standort von Mercedes-AMG, kommen Mitarbeiter mit den Fahrzeugen aus der Motoren-Manufaktur zur Arbeit, Testfahrer machen sich auf den Weg – und Kunden sitzen in ihren neuen Autos.

Motoren in Handarbeit

Während der große Rest der Automobilbranche auf automatisierte Massenproduktion am Band setzt, werden auf dem schwäbischen Land Motoren in Handarbeit hergestellt. 250 Mitarbeiter schrauben in der Manufaktur, etwa dreieinhalb Stunden dauert die Montage eines einzigen V8-Triebwerks.

Eine Schicht reicht nicht, um zwei Motoren zu fertigen. Darum wird der halbfertige abgedeckt und an die Seite gefahren, bis am nächsten Tag derselbe Monteur weitermacht – die Triebwerke werden nach dem Prinzip „Ein Mann, eine Maschine“ oder „Eine Frau, eine Maschine“ gebaut. Die meisten Monteure sind jung, manche weiblich, fast alle ausgebildete Mechatroniker.

Die Motoren von AMG haben viele Fans. Das Anlassen eines kalten V8-Triebwerks ist für manchen überraschend. Nachdem der Startknopf gedrückt ist, springt die Maschine sofort an, um gleich darauf in eine Art Sekundenschlaf zu fallen. Als brauche der Motor Zeit, um seine Kräfte zu sammeln. Nach dem kurzen Durchhänger läuft der Motor dann stabil.

Die drei Buchstaben AMG stehen für zwei Namen und einen Ort. Hans-Werner Aufrecht und Erhard Melcher, beide Ingenieure, arbeiteten in den 1960er Jahren bei Daimler in der Entwicklung von Rennsportmotoren, dann stellte der Autobauer sein Rennsportengagement ein.

Die beiden knapp 30-Jährigen waren konsequent: Sie kündigten. Und gründeten im Jahr 1967 ihre eigene Firma, das Ingenieurbüro Aufrecht Melcher in Großaspach nordöstlich von Stuttgart. Kurz: AMG. Das Start-up diente allein dem Rennsport, denn damit kannte sich das Duo aus. Beim 24-Stunden-Rennen in Spa fuhr eine von AMG umgebaute 300-SEL-Limousine den leichten Rennwagen davon zum Klassensieg. Diese Sensation machte die Firma über Nacht bekannt.

Absatz verdreifach

Doch dass AMG nicht vom Motorsport leben kann, ist Aufrecht und Melcher bald klar. Deshalb nähern sie sich ihrem alten Arbeitgeber an. 2005 wird aus AMG eine hundertprozentige Tochter der Daimler AG. So fand sich wieder, was zusammengehört.

AMG hat 1500 Mitarbeiter. Seit 2013 hat sich der Absatz verdreifacht, im vergangenen Jahr wurden weltweit fast 100 000 Fahrzeuge verkauft. Im Jahr 2019 soll nach den Worten von Geschäftsführer Moers der Project one auf die Straße kommen. Früher brachte AMG den Rennsport auf die Rennstrecke, heute auf die Landstraße.


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04.10.2017 - 06:00 Uhr