Ein Sack voll Murmeln

Ein Sack voll Murmeln

Von Dorothee Hermann

In dem Weltkriegs-Drama unternehmen zwei jüdische Jungen eine gefährliche Flucht durch das von Deutschen besetzte Frankreich.

Ein Sack voll Murmeln

Von einem Tag auf den anderen sind die beiden Brüder Joseph (Dorian Le Clech als Jo) und Maurice (Batyste Florial Palmieri) auf sich gestellt. Die Kinder müssen versuchen, auf eigene Faust aus dem von Deutschen besetzten Paris in die Freie Zone im Süden Frankreichs zu gelangen. Wenn sie anderen begegnen, wissen sie nicht, ob sie ihnen vertrauen können oder ihnen ausgeliefert sind.

Der französische Regisseur Christian Duguay orientiert sich an dem autobiografischen Roman von Joseph Joffo, der bereits Anfang der siebziger Jahre erschien und in Frankreich eines der bekanntesten Jugendbücher über den Zweiten Weltkrieg ist.

In einer der quälendsten Szenen versucht ihr sonst so liebevoller Vater (Patrick Bruel), seine beiden Jüngsten vorab auf eine brutale Verhörsituation vorzubereiten. Auf einmal scheint nicht mehr berechenbar, woher Gewalt kommen kann. Und die paramilitärische Erziehung durch Härte, wie sie die Nazis propagierten, scheint auch das angemessene Mittel, um sich gegen sie zu wappnen.

Die beiden Brüder sind noch so jung, dass sie die Flucht zeitweise als Abenteuer erleben: ohne Schule, ohne Eltern. In Nizza geraten sie in den Machtbereich von SS-Hauptsturmführer Alois Brunner (sein Name wird im Film nicht genannt), der im Pracht-Hotel „Excelsior“ residierte, das als Gestapo-Hauptquartier dienen musste.

Ihre schier übermenschliche Fähigkeit, auch unter massiver Bedrohung einen klaren Kopf zu behalten, rettet den Jungen immer wieder das Leben - trotz eigener Ängste und Verlassenheitsgefühle.

Dem Film wurde vorgeworfen, den Krieg auszublenden: Aber es ist doch legitim, die Verheerungen der organisierten Gewalt im zivilen Leben darzustellen. So ist Jo, der das Geschehen auch aus dem Off kommentiert, in Erinnerung geblieben, dass damals alle Angst hatten, auch die, die sich nichts anmerken ließen.

Fein beobachtet ist, wie sich der Hass in die sozialen Beziehungen hineinfrisst, und sogar unter Kindern sofort handgreifliche Pöbeleien einsetzen, als die Deutschen die Segregation zwischen Franzosen und Juden angeordnet haben.

Überzeugt trotz der eher gefälligen Erzählweise durch die herausragenden jungen Darsteller.


Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

(c) Alle Artikel und sonstigen Inhalte der Website sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.


21.08.2017 - 09:42 Uhr