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Ein Konzert wie ein Mittelfinger
Ein begnadeter Zornickel: Ivan Moody, der Sänger der kalifornischen Heavy-Metal-Band Five Finger Death Punch. Foto: Martin Hangen
Heavy Metal

Ein Konzert wie ein Mittelfinger

Five Finger Death Punch und In Flames donnern die volle Dröhnung in die Stuttgarter Schleyerhalle.

04.12.2017
  • MARTIN TRÖSTER

Stuttgart. Die Größe einer Heavy-Metal-Band zeigt sich nicht an der Ausgefeiltheit der Arrangements, erst recht nicht am Getue ihrer Griffbrettgorillas. Eine große Metal-Band verdichtet ihr Gehämmer – und ist so wandelbar, dass sie auch mit Balladen glänzt. Wie Five Finger Death Punch in der Stuttgarter Schleyerhalle.

Der Bandname stammt aus Quentin Tarantinos Rache-Epos „Kill Bill“ und ist dort eine filigrane Folge an Schlägen, mit der die Heldin den Endgegner umklopft. Vergleichbar feinsinnig und wuchtig gerät der Auftritt der hochbegabten Hooligans aus Kalifornien – mit dem Unterschied, dass am Ende alle glücklich sind.

Das Dicke-Eier-Gepose der alten Metal-Garde ist der neuen Generation – die Death Punches gründeten sich im Jahr 2005 – meist ebenso fremd wie Endlos-Soli und Langhaar-Zwang.

Der garantiert zwölf-fingrige Leadgitarrist Jason Hook versteckt seine Virtuosität zum Glück nicht, missbraucht seine Kunst aber nicht in erster Linie zum Prahlen, sondern um wohldosiert das große Ganze zu veredeln. Das wird von Jeremy Spencer, dem gleichfalls niemals aufdringlichen Kraftwerk am Schlagwerk brutal, präzise und einfühlsam nach vorne geprügelt. Alles bündelt sich in der charismatischen Wuchtbrumme Ivan Moody. Der kann nicht nur bellen wie ein Kampfhund und Grunzen wie fünf Wildsäue, sondern auch noch Balladen aus dem Hals schmalzen lassen, dass man am liebsten das Schwert niederlegen würde.

Für die Zweifler und Zornigen

Freilich geht es bei den zarteren Werken der Kalifornier nicht ums Händchenhalten und Spaziergänge im Regen. Lyrisch weihen sie die Ausgestoßenen, die Abgehalfterten, die Zweifelnden und Zornigen. „Wrong Side Of Heaven“ beweint die Verzweiflung und Wut der Kriegsveteranen, für die sich die Band auch abseits der Bühne einsetzt.

Den Trotz des Unverstandenen faucht Ivan Moody in fast jedem Stück in die Halle, besonders schön in „Wash It All Away“, „The Bleeding“ und „Burn MF“ – Tiraden, die wie ein einziger, riesiger Mittelfinger wirken. Das gehört sich auch noch im modernen Metal so, wie übrigens auch das lieb gewonnene Ritual der Publikumsbeleidigung zum Warmwerden. Die 9000 „Motherfuckers“ (Moody) in der Schleyerhalle hätten glücklicher kaum sein können.

Etwas schwerer hatten es zuvor In Flames. Die Death-Metal-Urviecher aus der schwedischen Dunkelheit hatten nicht diesen guten Zugriff auf das Publikum. Das lag wohl daran, dass die Herren in Flammen die großen Fragen noch wütender, kreischender und kompromisslos knackiger beantworten als die Zornickel aus Kalifornien – mit einer eisenharten Wand aus Lärm, die einem mitten ins Gesicht donnert. Dagegen wirkten die Death Punches fast fröhlich, zufrieden und zuversichtlich. Das muss man auch erst mal schaffen.

Martin Tröster

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04.12.2017, 06:00 Uhr
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