Glücksatlas

Ein Hoch auf die Zufriedenheit

Von MICHAEL GABEL

Ja, es gibt sie in Deutschland: Wutbürger, Meckerer, ständig Unzufriedene. Doch laut Glücksatlas befinden sich die Menschen – statistisch betrachtet – in gehobener Stimmung.

Ein Hoch auf die Zufriedenheit

Grafik: SWP

München. Terroranschläge, Flüchtlingszustrom, internationale Spannungen – es wäre verständlich, wenn die Deutschen ihre persönlichen Lebensumstände derzeit nicht allzu positiv bewerten würden. Der Glücksatlas der Deutschen Post stellt aber eine andere Tendenz fest: Die Zufriedenheit ist mit 7,07 Punkten auf der Skala von null bis zehn im Schnitt ebenso hoch wie im vergangenen Jahr (7,11) und damit deutlich höher als in den Jahren zuvor.

Der Mitautor der Studie, der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen, nennt als Gründe der Zufriedenheit die gute materielle Situation der meisten Deutschen infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs und die Lohnzuwächse. Infolgedessen könnten sich die Menschen „zehn Prozent mehr leisten als vor zehn Jahren“.

Ökologie kommt an

Gefragt worden ist bei der repräsentativen Erhebung, die unter anderem vom Meinungsforschungsinstitut Emnid durchgeführt wurde, nach der Lebenszufriedenheit auf den Feldern Haushaltseinkommen, Arbeit, Wohnung/Freizeit, Gesundheit sowie unter der Überschrift „Alles in allem“. Das diesjährige Schwerpunktthema war Ökologie und Nachhaltigkeit. Ergebnis: Persönliches Engagement auf diesen Gebieten bereichert das eigene Leben.

Was die Lebenszufriedenheit angeht, fallen die Ergebnisse in Ost und West nach wie vor unterschiedlich aus. Die Westdeutschen sind zufriedener als die Menschen im Osten, die jedoch gegenüber früheren Umfragen aufgeholt haben.

„Die Lebensverhältnisse haben sich noch nicht angeglichen, aber es ist viel passiert“, konstatiert Raffelhüschen. Die Deutschlandkarte zeigt aber immer noch eine Ost-West-Grenze, und diese spiegelt sich auch in der Regionen-Rangliste wider. Schleswig-Holstein (7,43, plus 0,2) liegt mit einigem Abstand an der Spitze, Sachsen-Anhalt (6,83, plus 0,5) ist Letzter.

Für Baden-Württemberg bietet sich ein gemischtes Bild. Während Baden mit 7,28 (plus 0,7) von Platz vier auf drei (von 19) geklettert sind, fiel Württemberg (7,14, minus 0,1) von neun auf elf.

Hohe Wohnkosten

Die Studienautoren sprechen zurückhaltend von unterschiedlichen „regionalen Mentalitäten“. In Württemberg, so vermuten sie, dürften sich zudem „die hohen Wohnkosten negativ auf das Lebensglück auswirken“. Der Anteil der Mietkosten am Einkommen liegt bei 36,0 Prozent, das ist der zweithöchste Wert für ein Flächenland nach dem für Hessen (38,0 Prozent).

Warum aber sind die Menschen in Schleswig-Holstein so glücklich, wo es doch den Süddeutschen materiell besser geht? Ein Grund könnte die Nachbarschaft des Bundeslandes zu Dänemark sein, dem Seriensieger in europaweiten Umfragen. Die Dänen pflegen ihre Freundschaften, sind gesellig. Außerdem: Sie legen großen Wert auf Gemütlichkeit und Geborgenheit.

„Hygge“ heißt dafür das dänische Wort. Jenseits der Grenze in Schleswig-Holstein scheint man unter gutem Leben Ähnliches zu verstehen.


Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

(c) Alle Artikel und sonstigen Inhalte der Website sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.


08.11.2017 - 06:00 Uhr